Die traditionelle Wintersportwoche, für viele Schülerinnen und Schüler ein Höhepunkt des Schuljahres, steht vor großen Herausforderungen. Steigende Kosten von bis zu 500 Euro pro Person führen dazu, dass immer weniger Klassen an mehrtägigen Skikursen teilnehmen. Diese Entwicklung trifft besonders Salzburg, das als Top-Destination für jede zweite Schulklasse in Österreich gilt und um zukünftige Gäste fürchtet.
Die Lehrergewerkschaft schlägt Alarm und fordert dringend mehr finanzielle Unterstützung sowie eine einheitliche Förderstrategie für ganz Österreich. Ohne entschlossenes Handeln könnte eine wichtige Tradition und ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Region nachhaltig geschwächt werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine fünftägige Wintersportwoche kostet pro Schüler rund 500 Euro, was für viele Familien eine Belastung darstellt.
- Salzburg ist das Hauptziel für Schulskikurse in Österreich und fürchtet um den touristischen Nachwuchs.
- Die Lehrergewerkschaft fordert eine österreichweit einheitliche Förderstrategie, um die Kosten zu senken.
- Als Reaktion auf sinkende Teilnehmerzahlen verkürzen Schulen die Aufenthalte oder weichen auf Tagesausflüge aus.
Ein teures Vergnügen: Die Kosten im Detail
Die Summe von rund 500 Euro pro Schüler für eine fünftägige Wintersportwoche setzt sich aus mehreren Posten zusammen. Die größten Treiber sind die Kosten für Unterkunft, Verpflegung, Transport, die mehrtägige Liftkarte und bei Bedarf die Leihausrüstung. Besonders die gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreise schlagen sich in den Angeboten der Jugendherbergen nieder.
Andreas Emberger, der ein Jugendgästehaus in Wagrain betreibt, bestätigt den Kostendruck. „Es sind die Kosten für Energie und Lebensmittel, die bei uns voll durchschlagen“, erklärt er. Obwohl man versuche, die Preisanstiege so gering wie möglich zu halten, sei eine Anpassung an die Inflation unumgänglich, um den Betrieb aufrechtzuerhalten.
Kostenaufschlüsselung einer Wintersportwoche
Ein typischer Schulskikurs für rund 500 Euro pro Person umfasst in der Regel:
- Unterkunft & Verpflegung: Der größte Kostenfaktor, oft in Jugendgästehäusern.
- Liftkarte: Mehrtägiger Zugang zu den Pisten.
- Transport: An- und Abreise mit dem Bus.
- Ausrüstung: Leihgebühren für Ski, Schuhe und Helm, falls nicht vorhanden.
Schulen reagieren mit kürzeren Reisen und Tagesausflügen
Um die finanzielle Belastung für die Eltern zu reduzieren, greifen viele Schulen zu Notlösungen. Eine gängige Methode ist die Verkürzung der Aufenthaltsdauer. Anstatt einer vollen Woche reisen die Klassen oft später an oder früher ab, um ein oder zwei Übernachtungen einzusparen.
Gerald Steindl, ein Lehrer aus Amstetten, der regelmäßig Skikurse in Salzburg organisiert, beobachtet diesen Trend seit Jahren. Er erinnert sich:
„Vor zehn Jahren sind wir am Sonntag angereist und am Samstag abgereist – mittlerweile reisen wir zwar noch am Samstag an, aber fahren am Freitag heim.“
Diese Entwicklung ist auch in den Salzburger Schulen spürbar. Von den 7.711 Schülerinnen und Schülern aus Salzburg, die im vergangenen Winter an einem Schulskikurs teilnahmen, verzichteten rund 3.000 auf eine Übernachtung und führten stattdessen Tagesausflüge durch. Dies spart zwar Kosten, reduziert aber das gemeinschaftliche Erlebnis erheblich.
Salzburgs Tourismus sieht zukünftige Gäste in Gefahr
Für den Salzburger Wintertourismus sind die Schulskikurse von enormer strategischer Bedeutung. Die Kinder und Jugendlichen von heute sind die zahlenden Gäste von morgen. Wenn sie das Skifahren nicht mehr lernen oder keine positive Bindung zur Region aufbauen, könnte dies langfristige negative Folgen haben.
Erich Egger, Sprecher der Salzburger Seilbahnwirtschaft, betont das große Interesse der Branche, den Nachwuchs für den Wintersport zu begeistern. „Wir müssen sicherstellen, dass junge Menschen weiterhin die Möglichkeit haben, Skifahren zu lernen – und dass sie das idealerweise in Salzburg tun“, so Egger. Die Schüler von heute seien die Familien, die in zehn oder zwanzig Jahren wiederkommen.
Warum Schulskikurse für Salzburg so wichtig sind
Jede zweite Schulklasse aus Österreich, die eine Wintersportwoche plant, wählt Salzburg als Ziel. Diese Kurse sichern nicht nur die Auslastung von Jugendherbergen und Skigebieten in der Nebensaison, sondern prägen auch die zukünftigen Urlaubsvorlieben. Ein positiver erster Kontakt mit dem Wintersport in Salzburg führt oft zu einer lebenslangen Treue zur Region.
Die Suche nach einer bundesweiten Lösung
Die Forderung der Lehrergewerkschaft nach einer einheitlichen, österreichweiten Förderstrategie findet bei den Touristikern Anklang. Derzeit ist die finanzielle Unterstützung ein Flickenteppich, der stark vom Wohnort der Schüler abhängt. Einige Bundesländer, wie Oberösterreich, fördern Skikurse nur, wenn diese im eigenen Bundesland stattfinden. Fährt eine Klasse nach Salzburg, entfällt die Unterstützung.
Erich Egger hält eine zentrale Förderstelle für sinnvoll, äußert aber auch Skepsis: „Natürlich wäre es schön, wenn man das zusammenbrächte. Das würde aber auch bedeuten, dass die Länder in einen gemeinsamen Fördertopf einzahlen müssten, und ich glaube nicht, dass die das machen würden.“
Als Reaktion auf den Förder-Föderalismus ergreift Salzburg nun die Initiative. Ein bisher nur für Salzburger Schulen geltendes Angebot für einen dreitägigen Gratis-Skikurs wird ausgeweitet. Ab sofort können auch Schulklassen aus Oberösterreich, Niederösterreich und Wien dieses Angebot nutzen, um mehr junge Menschen in die Salzburger Skigebiete zu locken und die Zukunft des Wintertourismus zu sichern.





