Die Mittel für die Wohnbauförderung in Salzburg werden knapp, insbesondere im Bereich der Eigentumsförderung und Sanierung. Während die Salzburger Landesregierung mit einem Budget von 176,4 Millionen Euro plant, investieren andere Bundesländer wie Tirol deutlich mehr in den leistbaren Wohnraum. Ein Vergleich zeigt die unterschiedlichen Strategien und deren Auswirkungen.
Das Wichtigste in Kürze
- Salzburgs Budget für Wohnbauförderung beträgt 176,4 Millionen Euro, was zu Engpässen führt.
- Tirol investiert mit 360 Millionen Euro mehr als das Doppelte in Neubau und Sanierung.
- Während in Salzburg vor allem Einmalzuschüsse für Eigentum gezahlt werden, setzt Tirol auf ein Darlehensmodell.
- Experten betonen die Wichtigkeit der Förderung für den gemeinnützigen Mietwohnungsbau zur Preisdämpfung.
Salzburgs angespannte Budgetsituation
Der Salzburger Wohnungsmarkt ist seit Jahren von hohen Preisen und einem Mangel an leistbaren Objekten geprägt. Die Landesregierung versucht, mit Förderungen gegenzusteuern, doch die finanziellen Mittel sind begrenzt. Für das laufende Jahr sind 176,4 Millionen Euro im Landesbudget für den Wohnbau vorgesehen.
Diese Summe reicht jedoch kaum aus, um die Nachfrage zu decken. Insbesondere die Fördertöpfe für die Schaffung von neuem Eigentum neigen sich dem Ende zu. Auch für die Sanierung von bestehenden Gebäuden gibt es derzeit keine verfügbaren Mittel mehr. Selbst gemeinnützige Bauträger berichten von verzögerten Auszahlungen der zugesagten Fördergelder.
Vonseiten des zuständigen Wohnbaulandesrats Martin Zauner (FPÖ) wird auf Umschichtungen innerhalb des Budgets verwiesen. Die Opposition übt scharfe Kritik. Die SPÖ fordert eine Aufstockung der Mittel und eine strikte Zweckbindung des Wohnbauförderungsbeitrags, während die KPÖ plus eine stärkere Konzentration auf den geförderten Mietwohnungsbau anstelle von Eigentumszuschüssen verlangt.
Geplante Wohneinheiten
Mit dem aktuellen Budget rechnet das Land Salzburg damit, die Errichtung von rund 900 Wohneinheiten fördern zu können. Im Vergleich dazu plant Tirol die Förderung von 1.800 Einheiten.
Tirol investiert massiv in den Wohnbau
Ein Blick über die Landesgrenze nach Tirol zeigt ein anderes Bild. Obwohl die Herausforderungen am Wohnungsmarkt ähnlich sind – hohe Preise in der Landeshauptstadt Innsbruck und knapper Grund in Tourismusregionen – verfolgt die dortige Regierung eine andere Strategie. Das Land Tirol, mit rund 779.000 Einwohnern nur unwesentlich größer als Salzburg (573.700 Einwohner), hat für 2026 ein Wohnbaubudget von 360 Millionen Euro veranschlagt.
Diese Summe ist mehr als doppelt so hoch wie jene in Salzburg. „Der zentrale Hebel der Tiroler Wohnbaupolitik bleibt die Wohnbauförderung“, erklärt Landeshauptmann-Stellvertreter Philip Wohlgemuth (SPÖ). Die Fördermöglichkeiten umfassen Neubau, Sanierung sowie energiesparende und umweltfreundliche Maßnahmen.
Unterschiedliche Fördermodelle
Ein wesentlicher Unterschied liegt im Fördermodell für Eigentum. Während Salzburg im Schnitt rund 50.000 Euro als direkten Einmalzuschuss auszahlt, haben Antragsteller in Tirol die Wahl:
- Ein Darlehen in Höhe von bis zu 54.000 Euro.
- Ein direkter Zuschuss („Scheck“) in Höhe von 18.900 Euro.
Das Darlehensmodell hat den Vorteil, dass die zurückfließenden Gelder wieder in das Fördersystem eingespeist werden. „Damit trägt sich das System zu einem großen Teil von selbst“, erklärt Otto Flatscher, Leiter der Abteilung Wohnbauförderung im Land Tirol. Dieses System sichert die langfristige Finanzierung des Wohnbaus.
Sanierung als wichtiger Baustein
Neben dem Neubau legt Tirol einen starken Fokus auf die Sanierung von Bestandsimmobilien. Allein im Jahr 2025 flossen 123,3 Millionen Euro in diesen Bereich. Gefördert werden Wohnungen, die mindestens vier Jahre alt sind. In Salzburg gibt es aktuell keinen Fördertopf für Sanierungen.
Wie andere Bundesländer agieren
Auch andere Bundesländer stellen dem Wohnbau hohe Budgets zur Verfügung. Oberösterreich gibt heuer 260 Millionen Euro aus, davon sind 66,5 Millionen Euro speziell für die Sanierungsförderung vorgesehen. Die Steiermark hat ein Wohnbaubudget von 327,5 Millionen Euro und will damit 7.000 Sanierungen und 1.450 Neubauten unterstützen. Dort setzt man ebenfalls auf ein Landesdarlehen von bis zu 80.000 Euro mit einer niedrigen Verzinsung von unter 1,5 Prozent.
Expertenmeinung: Die Rolle der Förderung
Michael Klien, Ökonom am Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo), analysiert die Entwicklung der Wohnbauförderung in ganz Österreich. Er stellt fest: „Der Bedeutungsverlust der Wohnbauförderung ist enorm.“ Insbesondere die Förderung von Eigentum habe an Wirksamkeit verloren.
„Nur mit der Wohnbauförderung wird Eigentum noch nicht für alle leistbar. Mit 55.000 Euro als Einmalzahlung macht man in Salzburg keine großen Sprünge.“
Klien warnt zudem vor sogenannten „Mitnahmeeffekten“. Diese treten auf, wenn eine Förderung für einen Kauf in Anspruch genommen wird, der ohnehin getätigt worden wäre. Das Geld fließt also an Personen, die es nicht zwingend benötigt hätten.
Eine entscheidende Rolle spiele die Förderung hingegen für den Bau von gemeinnützigen Mietwohnungen. „In diesem Bereich steuert die Förderung, wie viel Neubau in den Markt kommt“, so Klien. Ein erhöhtes Angebot an Mietwohnungen wirke preisdämpfend und entlaste den gesamten Markt. Der Experte räumt jedoch mit dem Mythos auf, dass mehr Neubau automatisch zu sinkenden Mieten führt: „Die Mieten sinken nur dort, wo Jobs fehlen und Menschen wegziehen.“
Kritisch sieht der Ökonom auch die in der Vergangenheit oft zu großzügig gestaltete Sanierungsförderung. Er stellt die Frage in den Raum, warum die Allgemeinheit für die Sanierung von bereits aufgebautem Vermögen zahlen solle, und regt hier neue, zielgerichtetere Modelle an.





