Angesichts steigender Miet- und Immobilienpreise ergreift die Stadt Salzburg neue Maßnahmen, um leer stehenden Wohnraum zu mobilisieren. Vizebürgermeister Kay-Michael Dankl (KPÖ plus) hat eine Doppelstrategie aus Anreizen und Druck vorgestellt, die Eigentümer zur Vermietung bewegen soll.
Das neue Programm „Einfach vermieten“ soll Hürden für Vermieter abbauen, während gleichzeitig die Kontrollen der bestehenden Leerstandsabgabe verschärft werden. Ziel ist es, den angespannten Wohnungsmarkt in der Stadt spürbar zu entlasten.
Die wichtigsten Punkte
- Die Stadt Salzburg startet die Initiative „Einfach vermieten“, um Eigentümer zu unterstützen.
- Ein zentraler Anreiz ist die Übernahme von Kosten durch die Stadt, falls Mieter ihren Verpflichtungen nicht nachkommen.
- Die Kontrollen der Leerstandsabgabe werden verschärft, um den Druck auf Eigentümer ungenutzter Immobilien zu erhöhen.
- Die Maßnahmen sind eine direkte Reaktion auf die angespannte Lage am Salzburger Wohnungsmarkt.
Der wachsende Druck auf den Wohnungsmarkt
Die Situation am Salzburger Wohnungsmarkt ist seit Jahren angespannt. Die Preise für Mieten und Eigentum klettern kontinuierlich nach oben, was es für viele Bürgerinnen und Bürger immer schwieriger macht, leistbaren Wohnraum zu finden. Gleichzeitig stehen zahlreiche Wohnungen in der Stadt leer oder werden nur unzureichend genutzt.
Dieses Ungleichgewicht hat die Stadtpolitik nun auf den Plan gerufen. Lange wurde über fehlende Daten und als „zahnlos“ kritisierte Gesetze diskutiert. Nun sollen konkrete Taten folgen, um das Problem aktiv anzugehen und ungenutzte Immobilien wieder dem Markt zuzuführen.
Eine Doppelstrategie aus Anreiz und Druck
Vizebürgermeister Kay-Michael Dankl beschreibt den neuen Ansatz als eine Kombination aus „Zuckerbrot und Peitsche“. Man wolle nicht nur den Druck erhöhen, sondern auch aktiv dabei helfen, die Hürden und Sorgen von Vermietern abzubauen. Diese zweigleisige Strategie soll eine höhere Erfolgsquote sicherstellen als bisherige, isolierte Maßnahmen.
„Wir wollen es den Eigentümerinnen und Eigentümern so einfach und sicher wie möglich machen, ihre Wohnung zu vermieten“, erklärte Dankl die Intention hinter der neuen Initiative.
Das „Zuckerbrot“: Die Initiative „Einfach vermieten“
Das Herzstück der neuen Anreizpolitik ist das Programm „Einfach vermieten“. Es richtet sich direkt an Eigentümer, die bisher aus Sorge vor möglichen Problemen von einer Vermietung abgesehen haben. Viele fürchten sich vor Mietausfällen, rechtlichen Auseinandersetzungen oder Schäden an der Immobilie.
Um diese Bedenken zu zerstreuen, greift die Stadt Salzburg tief in die Tasche. Ein zentrales Versprechen der Initiative ist, dass die Stadt für Kosten aufkommt, wenn Mieterinnen oder Mieter ihren vertraglichen Verpflichtungen nicht nachkommen können. Diese Absicherung soll das finanzielle Risiko für Vermieter minimieren und die Entscheidung zur Vermietung erleichtern.
Hintergrund: Warum stehen Wohnungen leer?
Die Gründe für Wohnungsleerstand sind vielfältig. Manche Eigentümer nutzen Immobilien nur sporadisch als Zweitwohnsitz. Andere scheuen den Aufwand der Vermietung oder haben negative Erfahrungen mit früheren Mietern gemacht. Oft spielt auch die Sorge vor Wertverlust oder die Spekulation auf weiter steigende Immobilienpreise eine Rolle.
Die Stadtverwaltung erhofft sich durch dieses Sicherheitsnetz, dass Dutzende, wenn nicht Hunderte Wohnungen, die derzeit ungenutzt sind, wieder auf den Markt kommen. Dies könnte insbesondere im mittleren und unteren Preissegment für eine spürbare Entlastung sorgen.
Die „Peitsche“: Verschärfte Kontrollen und die Leerstandsabgabe
Parallel zu den neuen Anreizen erhöht die Stadt den Druck auf Eigentümer von ungenutztem Wohnraum. Die bereits existierende Leerstandsabgabe, eine Steuer auf nicht vermietete Immobilien, soll künftig deutlich strenger kontrolliert werden.
In der Vergangenheit wurde oft kritisiert, dass die Abgabe zu leicht umgangen werden konnte oder die Kontrollmechanismen nicht ausreichten. Dies soll sich nun ändern. Die Stadt plant, die Einhaltung der Meldepflichten genauer zu überprüfen und Verstöße konsequenter zu ahnden. Ziel ist es, die Spekulation mit Wohnraum unattraktiver zu machen.
Obwohl die Kontrollen verschärft werden, bleibt die politische Forderung nach einer empfindlichen Erhöhung der Leerstandsabgabe selbst aufrecht. Kritiker argumentieren, dass die aktuellen Sätze nicht hoch genug seien, um eine abschreckende Wirkung zu entfalten.
Die Kombination aus finanzieller Belastung durch die Abgabe und der neuen, attraktiven Alternative der abgesicherten Vermietung soll eine klare Botschaft senden: Eine leere Wohnung soll für Eigentümer in Salzburg zur unwirtschaftlichsten Option werden.
Ein wichtiger Schritt für leistbares Wohnen
Die neuen Maßnahmen der Stadt Salzburg sind ein umfassender Versuch, eines der drängendsten Probleme der Stadt zu lösen. Die Doppelstrategie erkennt an, dass sowohl Anreize als auch Sanktionen notwendig sind, um eine Verhaltensänderung bei Immobilieneigentümern zu bewirken.
Ob die Initiative „Einfach vermieten“ und die verschärften Kontrollen den gewünschten Erfolg bringen, wird sich in den kommenden Monaten zeigen. Für viele Salzburgerinnen und Salzburger, die auf der Suche nach einer Wohnung sind, ist es jedoch ein wichtiges Signal, dass die Politik den Kampf gegen den Leerstand nun mit neuem Nachdruck führt.





