Die Zukunft einer der begehrtesten Liegenschaften in der Stadt Salzburg ist ungewiss. Das Landesgebäude in der Michael-Pacher-Straße 36 im Stadtteil Herrnau soll nach dem Auszug von 370 Landesbediensteten eigentlich für den sozialen Wohnbau genutzt werden. Doch nun steht eine mögliche Zwischennutzung als Bürogebäude für die Stadtverwaltung im Raum, was das dringend benötigte Wohnprojekt verzögern könnte.
Im Laufe dieses Jahres werden die Mitarbeiter des Landes in das neue Dienstleistungszentrum am Bahnhof übersiedeln. Ursprünglich war geplant, auf dem 8.500 Quadratmeter großen Areal rund 100 geförderte Wohnungen zu errichten. Diese Pläne sind nun ins Wanken geraten, da finanzielle und administrative Interessen aufeinandertreffen.
Die wichtigsten Fakten
- Das Landesgebäude in der Michael-Pacher-Straße 36 wird frei, da 370 Mitarbeiter umziehen.
- Der ursprüngliche Plan sah die Errichtung von rund 100 geförderten Wohnungen vor.
- Die Stadt Salzburg benötigt dringend Büroflächen und schlägt eine Zwischennutzung vor.
- Eine Verwertung für den sozialen Wohnbau würde dem Land rund 5 Millionen Euro einbringen, eine alternative Nutzung mindestens 15 Millionen Euro.
- Eine Entscheidung über die Zukunft des Areals steht noch aus, was das Wohnbauprojekt verzögert.
Der ursprüngliche Plan für leistbaren Wohnraum
Seit Jahren gilt die Liegenschaft in der Michael-Pacher-Straße als Schlüsselprojekt zur Schaffung von leistbarem Wohnraum in der Stadt Salzburg. Angesichts steigender Mieten und eines angespannten Wohnungsmarktes war die Aussicht auf rund 100 neue geförderte Wohnungen ein Hoffnungsschimmer für viele Salzburgerinnen und Salzburger.
Das Areal umfasst eine Fläche von 8.500 Quadratmetern und befindet sich in einer attraktiven Lage im Stadtteil Herrnau. Die gemeinnützige Wohnbaugesellschaft gswb wurde bereits als potenzieller Partner für die Umsetzung des Projekts genannt. Der Plan war klar: Sobald die Landesbediensteten in das neue Dienstleistungszentrum am Bahnhof umgezogen sind, sollte die Umwidmung und Entwicklung des Geländes für den Wohnbau beginnen.
Eine strategisch wichtige Fläche
Die Bedeutung dieses Standorts kann kaum überschätzt werden. In einer Stadt, in der Bauland knapp und teuer ist, stellt ein so großes, bereits erschlossenes Areal eine seltene Gelegenheit dar. Die Schaffung von Wohnraum an dieser Stelle hätte nicht nur das Angebot erhöht, sondern auch ein politisches Signal für die Priorisierung des sozialen Wohnbaus gesendet.
Neue Diskussion: Büros statt Wohnungen?
Die Pläne für eine rasche Umsetzung des Wohnprojekts werden nun durch einen neuen Vorschlag durchkreuzt. Die Stadtverwaltung Salzburg, unter der Leitung von Bürgermeister Bernhard Auinger, hat dringenden Bedarf an zusätzlichen Büroflächen angemeldet. Der Magistrat platze aus allen Nähten, so das zentrale Argument. Das frei werdende Gebäude in der Pacher-Straße wird daher als ideale Übergangslösung betrachtet.
Landeshauptfrau-Stellvertreterin Marlene Svazek (FPÖ) bestätigte, dass eine solche Zwischennutzung denkbar sei. Sie betonte jedoch: „Am Ende muss dort Wohnbau entstehen. Es ist die Frage, wie schnell man etwas realisieren kann.“ Diese Aussage lässt Spielraum für Interpretationen und deutet an, dass eine sofortige Realisierung des Wohnprojekts nicht mehr die oberste Priorität hat.
Hintergrund: Das neue Landesdienstleistungszentrum
Der Umzug der 370 Landesbediensteten ist der Auslöser für die aktuelle Debatte. Das neue Landesdienstleistungszentrum in der Nähe des Salzburger Hauptbahnhofs steht kurz vor der Fertigstellung. Es bündelt verschiedene Abteilungen des Landes an einem zentralen Standort und soll die Verwaltung effizienter machen. Mit dem Bezug des Neubaus wird das Gebäude in der Michael-Pacher-Straße für eine neue Nutzung frei.
Sogar Vizebürgermeister Kay-Michael Dankl (KPÖ), ein starker Verfechter von leistbarem Wohnraum, zeigt sich offen für eine temporäre Lösung. „Einer Zwischennutzung steht nichts im Weg, aber es sollte möglichst bald leistbarer Wohnbau geschaffen werden“, so Dankl. Er weist jedoch darauf hin, dass zunächst der Zustand des Gebäudes geprüft werden müsse.
Finanzielle Interessen im Fokus
Die Diskussion über die Nachnutzung ist auch eine finanzielle Frage für das Land Salzburg. Die Entscheidung hat erhebliche Auswirkungen auf den zu erwartenden Erlös aus dem Verkauf der Liegenschaft.
Ein Unterschied von 10 Millionen Euro
Die finanziellen Szenarien klaffen weit auseinander. Bei einer Weitergabe des Areals für den geförderten Wohnbau schätzt das Land den Erlös auf rund 5 Millionen Euro. Sollte das Grundstück jedoch für eine andere Nutzung, wie zum Beispiel eine kommerzielle Büronutzung oder einen Verkauf an den Meistbietenden, veräußert werden, könnte ein Erlös von mindestens 15 Millionen Euro erzielt werden. Das ist ein Unterschied von 10 Millionen Euro für die Landeskasse.
Landeshauptfrau-Stellvertreterin Svazek machte deutlich, dass das Land sein Anlagevermögen nicht unter Wert abgeben werde. Gleichzeitig versicherte sie, dass man zu einer „praxistauglichen Lösung für Wohnbau“ kommen werde. Wie diese Lösung aussehen und wann sie umgesetzt wird, bleibt jedoch offen.
„Klar ist, dass wir Anlagevermögen nicht unter Wert hergeben werden.“
- Marlene Svazek, Landeshauptfrau-Stellvertreterin (FPÖ)
Diese finanzielle Diskrepanz setzt die politischen Entscheidungsträger unter Druck. Einerseits besteht die gesellschaftliche Notwendigkeit, dringend benötigten Wohnraum zu schaffen. Andererseits steht die Verpflichtung, verantwortungsvoll mit dem Vermögen des Landes umzugehen und einen möglichst hohen Erlös zu erzielen.
Was bedeutet die Verzögerung für Salzburg?
Unabhängig davon, welche Entscheidung am Ende getroffen wird, eines ist bereits sicher: Das Wohnbauprojekt in der Pacher-Straße wird sich verzögern. Die Landesbediensteten werden voraussichtlich innerhalb des nächsten Jahres umgesiedelt sein. Ein fertig geplantes und genehmigtes Wohnprojekt wird bis dahin nicht vorliegen.
Bisher hat das Land Salzburg noch nicht einmal ein offizielles Vergabeverfahren für die Liegenschaft eingeleitet. Dieser Schritt wäre die Grundvoraussetzung, um mit der konkreten Planung von Wohnungen beginnen zu können. Die aktuelle Debatte über eine Zwischennutzung als Bürogebäude schiebt diesen Prozess weiter auf.
Die Konsequenzen im Überblick:
- Verzögerung bei der Schaffung von Wohnraum: Jede Verzögerung verschärft die angespannte Lage auf dem Salzburger Wohnungsmarkt.
- Unsicherheit für Planungspartner: Potenzielle Bauträger wie die gswb benötigen klare Rahmenbedingungen, um Projekte entwickeln zu können.
- Politische Debatte: Die unterschiedlichen Interessen von Land und Stadt könnten zu einem längeren politischen Tauziehen führen.
Die kommenden Monate werden entscheidend sein. Die Politik muss eine Balance finden zwischen dem dringenden Bedarf an leistbaren Wohnungen, den administrativen Notwendigkeiten der Stadtverwaltung und den finanziellen Interessen des Landes. Für viele wohnungssuchende Menschen in Salzburg bleibt die Zukunft der Pacher-Straße vorerst ein Symbol der Ungewissheit.





