Das Schauspielhaus Salzburg präsentiert mit „Cash“ eine neue, provokante Auseinandersetzung mit den Themen Geld, Besitz und soziale Ungleichheit. In der 75-minütigen Eigenentwicklung stellt ein junges Ensemble die unbequeme Frage, wie Wohlstand unsere Beziehungen und unsere Gesellschaft prägt – und das in einer der reichsten Städte Österreichs.
Das Wichtigste in Kürze
- Das Schauspielhaus Salzburg zeigt die neue Eigenproduktion „Cash“.
- Ein überwiegend aus der Generation Z bestehendes Ensemble thematisiert Geld, Erbschaft und Ungleichheit.
- Die Handlung dreht sich um einen Familienstreit um das Haus der verstorbenen Großmutter.
- Das Stück nutzt spielerische Elemente wie Karaoke und Rollenspiele, um komplexe Themen zu vermitteln.
- Salzburg selbst wird als Symbol für extremen Reichtum kritisch beleuchtet.
Ein Weihnachtsfest als Bühne für den Erbstreit
Die Ausgangssituation des Stücks ist schnell etabliert: Eine Gruppe junger Menschen trifft sich zur Weihnachtsfeier im Haus ihrer kürzlich verstorbenen Großmutter. Was als besinnliches Beisammensein beginnt, entwickelt sich rasch zu einer intensiven Debatte über das, was am Ende zählt: das Erbe.
Im Zentrum der Auseinandersetzung steht das Haus selbst. Die zentrale Frage, die den Konflikt antreibt, lautet: Wer hat ein Anrecht darauf? Ist es die Enkelin, die sich aufopferungsvoll um die Großmutter gekümmert hat, während die anderen Geschwister sich der Verantwortung entzogen? Oder gehört das Vermögen zu gleichen Teilen allen Erben?
Familiäre Abgründe und gesellschaftliche Klischees
Die familiären Spannungen werden durch verschiedene Charaktere weiter angeheizt. Ein in der Immobilienbranche tätiger Onkel verkörpert den skrupellosen Kapitalisten, für den Besitz und Vermehrung von Vermögen oberste Priorität haben. Seine Figur dient als Gegenpol zu den idealistischeren, aber oft auch naiven Vorstellungen der jüngeren Generation.
Die jungen Protagonisten selbst repräsentieren unterschiedliche Haltungen zum Geld. Während der eine ein „Neigungsstudium“ wie Kunstgeschichte verfolgt – ein Luxus, den man sich leisten können muss –, nähern sich andere dem Thema aus einer feministischen Perspektive und fordern finanzielle Selbstbestimmung.
Salzburg im Fokus der Kritik
Das Stück scheut sich nicht, einen direkten Bezug zu seinem Aufführungsort herzustellen. Salzburg wird als „Feindbild“ dargestellt, eine Stadt, in der laut einer Aussage im Stück „zwei der drei reichsten Menschen Österreichs“ leben. Diese Konzentration von Reichtum wird als Nährboden für die im Stück verhandelten Konflikte gesehen.
Spielerische Inszenierung eines ernsten Themas
Unter der Regie von Felix Hafner nähert sich das Ensemble dem komplexen Thema Geld auf unkonventionelle Weise. Statt trockener Monologe setzt die Inszenierung auf eine dynamische und oft laute Darbietung. Das Stück ist geprägt von schnellen Szenenwechseln, Rollenspielen und sogar Karaoke-Einlagen, die dem ernsten Inhalt eine unterhaltsame Ebene hinzufügen.
Das Ensemble, bestehend aus Noah Löffelberger, Sophia Fischbacher, Fabian Cabak, Kira Pachner, Elisabeth Kanettis und Wolfgang Kandler, zeigt dabei vollen Einsatz. Die Darsteller agieren als gut aufeinander eingespieltes Team und schaffen es, die Energie über die gesamte Spieldauer von 75 Minuten hochzuhalten.
Die Verteilung von Vermögen ist in Österreich stark ungleich. Nach Angaben der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) besitzt das reichste Prozent der Haushalte rund 40 bis 50 Prozent des gesamten Nettovermögens. Erbschaften spielen dabei eine wesentliche Rolle bei der Weitergabe von Wohlstand über Generationen.
Symbolik und apokalyptisches Ende
Ein wiederkehrendes Element der Inszenierung ist ein bedrohliches Rumpeln und Grollen, das die Bühne immer wieder erzittern lässt. Dieses Geräusch dient als Metapher für die ständigen Bauprojekte und Bohrungen in Salzburg – sei es für den S-Link, private Tunnelprojekte oder die Erweiterungen der Festspielhäuser.
Es symbolisiert die unaufhaltsame Gier nach mehr, das ständige Graben nach weiterem Profit, das die Grundfesten der Stadt erschüttert. Diese Symbolik mündet in einem drastischen Finale: Am Ende des Stücks stürzen die Stadt und die sie umgebenden Berge symbolisch in sich zusammen.
„Die Botschaft ist klar: Eine Gesellschaft, die blind auf die Vermehrung von Kapital setzt, riskiert ihren eigenen Untergang.“
Die Inszenierung lässt das Publikum mit der Frage zurück, ob die spielerische Leichtigkeit ausreicht, um der Tiefe des Themas gerecht zu werden. Dennoch liefert „Cash“ einen wichtigen und energiegeladenen Denkanstoß, der gerade durch die Perspektive einer jungen Generation an Relevanz gewinnt. Es ist eine laute, teils chaotische, aber unübersehbare Auseinandersetzung mit einer der zentralsten Fragen unserer Zeit.





