Die Internationale Stiftung Mozarteum in Salzburg hat eine außergewöhnliche Schenkung erhalten. Zwölf wertvolle Originalhandschriften von Wolfgang Amadé Mozart sind nun Teil der Sammlung. Die Dokumente stammen aus dem Nachlass eines deutschen Arztes und Sammlers, dessen Kinder die Sammlung der Stiftung übergaben.
Johannes Honsig-Erlenburg, der Präsident der Stiftung, bezeichnete den Zuwachs als einen „außergewöhnlichen Moment“. Solche Ereignisse seien extrem selten und von unschätzbarem Wert für die Mozart-Forschung und das kulturelle Erbe Salzburgs. Die Handschriften sind nun erstmals öffentlich zu sehen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Internationale Stiftung Mozarteum hat zwölf Originalhandschriften von Mozart als Schenkung erhalten.
- Die Dokumente stammen aus der Privatsammlung eines verstorbenen deutschen Arztes.
- Stiftungspräsident Johannes Honsig-Erlenburg nannte den Vorgang ein Ereignis, das „ein Mal in 100 Jahren“ vorkomme.
- Unter den Stücken befindet sich Mozarts Abschrift eines Kyrie von Georg Reutter.
- Die wertvollen Autografe sind nun erstmals für die Öffentlichkeit in Salzburg ausgestellt.
Ein Geschenk von unschätzbarem Wert
Für die Internationale Stiftung Mozarteum ist es ein historischer Tag. Die Übergabe von zwölf Originaldokumenten aus der Hand Mozarts stellt eine der bedeutendsten Erweiterungen der Sammlung in den letzten Jahrzehnten dar. Die Schenkung erfolgte durch die Erben eines leidenschaftlichen Sammlers aus Deutschland, der sein Leben lang eine tiefe Faszination für den Komponisten hegte.
Die Bedeutung dieses Zuwachses kann kaum hoch genug eingeschätzt werden. Originalhandschriften, sogenannte Autografe, sind auf dem internationalen Sammlermarkt extrem selten und erzielen, wenn sie überhaupt verfügbar sind, astronomische Preise. Sie sind nicht nur Relikte, sondern primäre Quellen für die Musikwissenschaft.
Jede Notiz, jede Korrektur und jeder Federstrich gibt Forschern Aufschluss über Mozarts Kompositionsprozess, seine Arbeitsweise und seine musikalische Entwicklung. Dass diese Dokumente nun in Salzburg, dem Geburtsort des Komponisten, vereint und für die Forschung zugänglich sind, ist ein großer Gewinn.
Die Leidenschaft eines Sammlers
Hinter dieser großzügigen Schenkung steht die lebenslange Passion eines deutschen Mediziners. Über viele Jahre hinweg trug der Arzt mit großem Sachverstand und Engagement eine bemerkenswerte Sammlung von Mozart-Dokumenten zusammen. Seine Kinder entschieden sich nach seinem Tod, dieses wertvolle Erbe nicht zu veräußern, sondern es einer öffentlichen Institution zu übergeben, die seine Bewahrung und Erforschung für die Nachwelt sichert.
Diese Entscheidung ehrt nicht nur das Andenken ihres Vaters, sondern unterstreicht auch die immense kulturelle Verantwortung, die mit dem Besitz solcher Unikate einhergeht. Private Sammler spielen oft eine entscheidende Rolle bei der Erhaltung von Kulturgütern, die andernfalls vielleicht verloren gehen würden.
Die Rolle der Stiftung Mozarteum
Die Internationale Stiftung Mozarteum wurde 1880 in Salzburg gegründet. Ihre Hauptaufgabe ist die Bewahrung und Pflege des Erbes von Wolfgang Amadé Mozart. Die Stiftung unterhält zwei Museen (Mozarts Geburtshaus und das Mozart-Wohnhaus), veranstaltet die jährliche Mozartwoche und betreibt eine umfangreiche wissenschaftliche Abteilung. Ihre Autografensammlung gilt als die größte der Welt und ist eine zentrale Anlaufstelle für Mozart-Forscher weltweit.
Die Übergabe an die Stiftung Mozarteum stellt sicher, dass die Handschriften unter idealen konservatorischen Bedingungen gelagert und von internationalen Experten analysiert werden können. So wird das Lebenswerk des Sammlers fortgeführt und kommt der Allgemeinheit zugute.
Ein „außergewöhnlicher Moment“ für Salzburg
Bei der offiziellen Präsentation der neuen Sammlung fand Stiftungspräsident Johannes Honsig-Erlenburg deutliche Worte für die Bedeutung des Ereignisses. Er sprach von einem Moment, der in der langen Geschichte der Stiftung herausrage.
„Sie alle wissen, wie schwierig es ist, an diese Handschriften zu kommen. Wir freuen uns, wenn so etwas ein Mal in 100 Jahren geschieht.“
Diese Aussage verdeutlicht die Seltenheit solcher Gelegenheiten. Der Markt für Autografe von Komponisten wie Mozart, Bach oder Beethoven ist extrem klein. Die meisten bekannten Manuskripte befinden sich bereits in festen Händen von Museen, Bibliotheken oder Stiftungen. Nur selten tauchen Stücke aus Privatbesitz auf.
Was ist ein Autograf?
Ein Autograf ist ein vollständig vom Autor oder Komponisten eigenhändig geschriebenes Dokument. Im Gegensatz zu einer einfachen Unterschrift umfasst es ganze Texte, Briefe oder eben Notenmanuskripte. Für die Forschung sind sie von unschätzbarem Wert, da sie einen unverfälschten Einblick in den Schaffensprozess ermöglichen.
Für Salzburg als Mozartstadt ist dieser Zuwachs eine weitere Stärkung seiner Position als globales Zentrum der Mozart-Pflege. Die neuen Dokumente ergänzen die bestehende Sammlung und eröffnen neue Forschungsansätze.
Ein Blick auf die neuen Schätze
Die Sammlung umfasst insgesamt zwölf verschiedene Dokumente. Darunter befinden sich sowohl musikalische Handschriften als auch Briefe. Jedes einzelne Stück erzählt eine eigene Geschichte und wirft ein neues Licht auf eine bestimmte Phase in Mozarts Leben und Schaffen.
Ein besonders hervorgehobenes Stück ist Mozarts Abschrift eines Kyrie in D-Dur des Komponisten Georg Reutter. Solche Abschriften waren Teil von Mozarts Ausbildung. Er studierte die Werke anderer Meister, um ihren Stil zu lernen und zu verinnerlichen. Dieses Blatt zeigt eindrücklich, wie der junge Mozart sich mit der Musik seiner Zeit auseinandersetzte.
Die weiteren Stücke der Sammlung werden nun von den Experten der Stiftung katalogisiert und wissenschaftlich aufgearbeitet. Die Ergebnisse ihrer Analysen werden in den kommenden Jahren in Fachpublikationen erwartet und könnten unser Verständnis von Mozarts Werk weiter verfeinern.
Erstmals öffentlich ausgestellt
Die Stiftung Mozarteum möchte diesen historischen Zuwachs sofort mit der Öffentlichkeit teilen. Die zwölf neuen Handschriften werden daher ab sofort in einer Sonderpräsentation im Mozart-Wohnhaus am Makartplatz ausgestellt.
Besucher haben somit die seltene Gelegenheit, die originalen Manuskripte aus nächster Nähe zu betrachten. Die Ausstellung bietet einen direkten, persönlichen Zugang zu Mozarts Welt und lässt die Besucher die Faszination spüren, die von diesen über 200 Jahre alten Dokumenten ausgeht. Es ist eine Einladung, die Geschichte hinter der Musik zu entdecken und die Genialität Mozarts aus einer neuen Perspektive zu erleben.





