In Kärnten wächst der Unmut über die geplante 380-kV-Stromleitung. Im Zentrum der Kritik steht eine drohende Ungleichbehandlung bei den Entschädigungszahlungen für betroffene Gemeinden. Während in Salzburg deutlich höhere Summen geflossen sind, soll Kärnten mit einem Bruchteil abgespeist werden. Die Landespolitik formiert parteiübergreifend Widerstand und fordert eine faire Lösung.
Die Diskussion entzündet sich an einem Gesetzesentwurf, der die Entschädigung durch den Netzbetreiber Austrian Power Grid (APG) auf 20.000 Euro pro Kilometer festlegen könnte. Dies steht im starken Kontrast zu den 70.000 Euro pro Kilometer, die Gemeinden in Salzburg für ein vergleichbares Projekt erhielten. Die Kärntner Landesregierung sieht darin eine inakzeptable Benachteiligung.
Das Wichtigste in Kürze
- Kärntner Gemeinden sollen für die neue 380-kV-Leitung nur 20.000 Euro pro Kilometer Entschädigung erhalten.
- Zum Vergleich: In Salzburg wurden 70.000 Euro pro Kilometer für eine ähnliche Leitung gezahlt.
- SPÖ und ÖVP in Kärnten fordern inflationsbedingt 100.000 Euro pro Kilometer.
- Ein Dringlichkeitsantrag im Landtag soll die Forderung untermauern und eine gesetzliche Schlechterstellung verhindern.
Ein Streit um Fairness und Wertschätzung
Die politische Debatte in Kärnten wird emotional geführt. Vertreter von SPÖ und ÖVP argumentieren, dass die Landschaft und die Belastung für die Bevölkerung nicht weniger wert seien als in anderen Bundesländern. Die geplante Summe wird als Geringschätzung empfunden, insbesondere da Kärnten bereits bei den Netzkosten eine höhere Belastung trägt als der Rest Österreichs.
SPÖ-Klubobmann Herwig Seiser formulierte die Kritik deutlich und sprach von „blankem Hohn“ gegenüber der Kärntner Bevölkerung.
„Kärnten ist nicht weniger wert als Salzburg. Die Landschaft ist nicht weniger schön, die Natur ist nicht weniger schützenswert und vor allem sind die Kärntnerinnen und Kärntner nicht weniger wert als die Salzburgerinnen und Salzburger.“
Diese Haltung wird von der ÖVP geteilt. Klubobmann Markus Malle betonte, dass eine niedrigere Entschädigungssumme „gänzlich unverständlich und inakzeptabel“ wäre. Die Forderung nach Gleichbehandlung sei eine Frage der Fairness.
Die politische Forderung: 100.000 Euro pro Kilometer
Die Regierungsparteien im Kärntner Landtag begnügen sich nicht damit, die gleiche Summe wie Salzburg zu fordern. Sie verlangen eine Anpassung an die Inflation und setzen ihre Forderung bei 100.000 Euro pro Kilometer an. Bei der geplanten Trassenlänge würde dies eine Gesamtsumme von rund 20 Millionen Euro für die betroffenen Gemeinden bedeuten.
Um ihrer Forderung Nachdruck zu verleihen, haben SPÖ und ÖVP einen gemeinsamen Dringlichkeitsantrag im Landtag eingebracht. Dieser soll die Bundesregierung auffordern, Kärnten nicht gesetzlich schlechterzustellen.
Die Zahlen im Vergleich
- Angebot für Kärnten: 20.000 Euro pro Kilometer
- Zahlung in Salzburg: 70.000 Euro pro Kilometer
- Forderung aus Kärnten: 100.000 Euro pro Kilometer
Sollte der Bund keine zufriedenstellende Regelung treffen, kündigt die Kärntner Politik an, selbst aktiv zu werden. „Wenn es der Bund regelt, soll er in unserem Sinne regeln. Falls nicht, soll er die Finger davon lassen. Dann machen wir das selbst in Form eines Landesgesetzes“, erklärte Seiser.
Hintergrund und wachsender Widerstand
Die rechtliche Grundlage für die geplante Neuregelung der Entschädigungen ist eine Novellierung des Erneuerbaren-Ausbau-Beschleunigungsgesetzes. Dieses Gesetz soll den Ausbau von wichtiger Energieinfrastruktur vereinfachen, führt aber in diesem Fall zu erheblichem regionalpolitischem Konflikt.
Was ist die 380-kV-Leitung?
Die geplante „Stromautobahn“ der Austrian Power Grid (APG) ist ein zentrales Projekt der österreichischen Energiewende. Sie soll die Stromnetze stabilisieren und den Transport von erneuerbarer Energie, insbesondere Windkraft aus dem Osten, in die Verbrauchszentren im Süden und Westen ermöglichen. Die exakte Trassenführung durch Kärnten soll im Herbst 2026 feststehen.
Während SPÖ und ÖVP um eine höhere Entschädigung kämpfen, geht die FPÖ noch einen Schritt weiter. Sie fordert einen kompletten Stopp des Projekts und kritisiert die Leitung als Teil einer „Luxus-Energiewende“, die den Bürgern mehr schade als nütze.
Auch in den betroffenen Regionen, vor allem in Oberkärnten, formiert sich zunehmend Widerstand in der Bevölkerung. Bürgerinitiativen und Gemeinden äußern Bedenken hinsichtlich des Landschaftsbildes, möglicher gesundheitlicher Auswirkungen und der empfundenen Ungerechtigkeit bei der finanziellen Abgeltung. Die Debatte um die 380-kV-Leitung in Kärnten ist somit weit mehr als nur ein Streit um Geld – es ist eine Auseinandersetzung um Wertschätzung, Fairness und die Lastenverteilung bei der Energiewende.





