Am Dienstagabend versammelten sich rund 700 Menschen in der Stadt Salzburg zu einem Protestmarsch. Die Demonstration, die vom Hauptbahnhof zum Mirabellplatz führte, richtete sich gegen den syrischen Interimspräsidenten Ahmed al-Scharaa. Die Teilnehmer forderten internationalen Schutz für die kurdische Bevölkerung in Syrien.
Das Wichtigste in Kürze
- Rund 700 Kurden nahmen an einer friedlichen Demonstration in Salzburg teil.
- Der Protest richtete sich gegen den syrischen Interimspräsidenten Ahmed al-Scharaa.
- Die Demonstranten werfen ihm brutales Vorgehen gegen kurdische Zivilisten vor.
- Gefordert wurde eine international überwachte Schutzzone für Kurden in Syrien.
Friedlicher Protestzug durch die Innenstadt
Am Dienstagabend zogen etwa 700 Männer, Frauen und Jugendliche durch die Salzburger Innenstadt. Der Protestmarsch begann am Hauptbahnhof und endete mit einer Kundgebung am Mirabellplatz. Die Demonstration verlief nach Angaben der Salzburger Polizei, die über die Veranstaltung im Vorfeld informiert war, durchgehend friedlich und ohne Zwischenfälle.
Die Teilnehmer trugen Transparente und skandierten Parolen, um auf die Lage der kurdischen Bevölkerung in Syrien aufmerksam zu machen. Im Mittelpunkt ihrer Kritik stand Ahmed al-Scharaa, der nach dem Zusammenbruch des Assad-Regimes die Führung einer Übergangsregierung übernommen hat.
Schwere Vorwürfe gegen Syriens Interimspräsidenten
Die Organisatoren der Demonstration erheben schwere Vorwürfe gegen den neuen Machthaber in Damaskus. Redner bei der Kundgebung bezeichneten al-Scharaa als Diktator und Islamisten. Sie warfen ihm vor, für brutale Angriffe von Regierungstruppen auf kurdische Zivilisten verantwortlich zu sein und forderten ein sofortiges Ende der Gewalt.
Wer ist Ahmed al-Scharaa?
Ahmed al-Scharaa, früher bekannt unter seinem Kampfnamen Abu Muhammad al-Dscholani, war der Anführer der islamistischen Miliz Haiʾat Tahrir asch-Scham (HTS). Westliche Geheimdienste und viele seiner Gegner stufen ihn aufgrund seiner Vergangenheit als Anführer von Al-Nusra, dem ehemaligen syrischen Ableger der Terrororganisation Al-Qaida, als radikalen Islamisten ein. Seine plötzliche Machtübernahme in Syrien wird international mit großer Sorge beobachtet.
Die Demonstranten in Salzburg äußerten die Befürchtung, dass unter al-Scharaas Führung eine neue Welle der Unterdrückung gegen ethnische und religiöse Minderheiten, insbesondere die Kurden, einsetzen könnte. „Wir fordern eine international überwachte Schutzzone für die syrischen Kurden, um weitere Massaker zu verhindern“, erklärte einer der Sprecher während der Kundgebung am Mirabellplatz.
Die Rolle der Kurden im Syrien-Konflikt
Die kurdischen Milizen, insbesondere die von ihnen angeführten Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), spielten eine entscheidende Rolle im Kampf gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS). Über Jahre hinweg waren sie die wichtigsten Bodentruppen der internationalen Koalition unter Führung der USA und galten als verlässliche Verbündete des Westens. Sie befreiten weite Teile Nord- und Ostsyriens vom IS, darunter auch die ehemalige IS-Hauptstadt Rakka.
Nach dem Sieg über den IS bauten die Kurden in der Region eine autonome Selbstverwaltung auf. Diese Errungenschaften sehen viele nun durch die neue Regierung in Damaskus und die anhaltenden Spannungen in der Region gefährdet.
Unsichere Zukunft für IS-Gefangene
In den von der SDF kontrollierten Gebieten befinden sich mehrere Gefängnisse, in denen Tausende ehemalige IS-Kämpfer inhaftiert sind. Die politische Instabilität in Syrien wirft die Frage auf, was mit diesen Häftlingen geschehen wird. Ein Wiedererstarken des IS wird befürchtet, sollte die Kontrolle über die Gefängnisse verloren gehen.
Zerbrechlicher Waffenstillstand und offene Fragen
Die Lage in Syrien bleibt äußerst angespannt. Kürzlich wurde unter Vermittlung der USA ein Waffenstillstand zwischen der Zentralregierung in Damaskus und der kurdisch geführten SDF vereinbart. Dieser erwies sich jedoch bereits nach kurzer Zeit als brüchig.
Berichten zufolge gingen die Kämpfe insbesondere in der Nähe der strategisch wichtigen Stadt Rakka am Euphrat weiter. Die Zukunft der SDF-Kämpfer und der von ihnen verwalteten Gebiete ist eine der vielen offenen Fragen nach dem Abkommen. Die kurdische Gemeinschaft, auch in Österreich, blickt daher mit großer Sorge auf die Entwicklungen in ihrer Heimat.
„Unsere Milizen haben jahrelang gegen den Terror des IS gekämpft und gelten als Verbündete des Westens. Man darf uns jetzt nicht im Stich lassen.“
– Sprecher der Demonstration in Salzburg
Die Demonstration in Salzburg verdeutlicht die tiefen Sorgen der in Europa lebenden Kurden. Sie fühlen sich von der internationalen Gemeinschaft im Stich gelassen und befürchten, dass die politischen Umwälzungen in Syrien zu einer neuen humanitären Katastrophe für ihr Volk führen könnten. Ihr Appell nach Schutz und internationaler Solidarität war auf den Straßen Salzburgs unüberhörbar.





