Eine neue Regelung für Pensionisten, die nebenbei arbeiten, sorgt in Salzburg für unterschiedliche Reaktionen. Anstelle einer pauschalen Steuer von 25 Prozent wird ab 2027 ein jährlicher Steuerfreibetrag von 15.000 Euro eingeführt. Während die einen von einem fairen Kompromiss sprechen, sehen andere noch deutlichen Verbesserungsbedarf.
Die Entscheidung beendet eine monatelange Debatte und schafft neue Rahmenbedingungen für die rund 70.000 Pensionistinnen und Pensionisten in Österreich, die freiwillig weiterarbeiten. Doch wie wird die Neuerung von den politischen Akteuren in Salzburg aufgenommen?
Das Wichtigste in Kürze
- Ab 2027 gilt ein Steuerfreibetrag von 15.000 Euro für Zuverdienste in der Pension.
- Die ursprünglich geplante Flattax von 25 Prozent wurde verworfen.
- In Salzburg bewerten ÖVP-Seniorenbund und SPÖ die Einigung unterschiedlich.
- Die Regelung soll Anreize für das Weiterarbeiten in der Pension schaffen, ohne Gutverdiener übermäßig zu bevorzugen.
Ein Kompromiss mit Vor- und Nachteilen
Die Diskussion um die Besteuerung von Zuverdiensten in der Pension hat die Politik lange beschäftigt. Ziel war es, mehr Menschen zu motivieren, auch nach dem Erreichen des gesetzlichen Pensionsalters erwerbstätig zu bleiben, um dem Arbeitskräftemangel entgegenzuwirken. Die ÖVP hatte sich vehement für eine sogenannte Flattax in Höhe von 25 Prozent eingesetzt, die nun vom Tisch ist.
Stattdessen kommt ein Modell, das auf einem Freibetrag basiert. Einkünfte bis zu 15.000 Euro pro Jahr bleiben für arbeitende Pensionisten ab 2027 steuerfrei. Erst Beträge, die darüber hinausgehen, werden regulär besteuert. Diese Lösung wird als sozial treffsicherer angesehen, da sie Gering- und Mittelverdiener stärker entlastet.
Seniorenbund sieht „ersten Schritt“
Für Andrea Eder-Gitschthaler, die Präsidentin des ÖVP-Seniorenbundes in Salzburg, ist die gefundene Lösung ein Kompromiss, der nicht alle Wünsche erfüllt. Sie bezeichnete die Einigung als „nicht optimal, aber zumindest deutlich besser als gar nichts“. In ihren Augen ist die Einführung des Freibetrags ein wichtiger Anfang, dem jedoch weitere Maßnahmen folgen müssen.
„Momentan sind wir bei 70.000, die freiwillig in der Pension weiterarbeiten. Das wird sicher mehr werden“, so Eder-Gitschthaler.
Sie betonte, dass der Seniorenbund sich weiterhin dafür einsetzen werde, das Anreizsystem für arbeitende Pensionisten auszubauen. Die Hoffnung ist, dass die neue Regelung die Zahl der Erwerbstätigen im Ruhestand deutlich steigern wird. Der Kampf für bessere Bedingungen sei damit aber noch nicht beendet.
Zahlen zum Zuverdienst
Aktuell arbeiten in Österreich rund 70.000 Menschen freiwillig nach ihrem Pensionsantritt weiter. Experten gehen davon aus, dass diese Zahl durch die neuen steuerlichen Anreize in den kommenden Jahren weiter ansteigen wird. Der Freibetrag von 15.000 Euro entspricht einem monatlichen Zuverdienst von 1.250 Euro.
SPÖ spricht von fairer Lösung
Ganz anders fällt die Bewertung beim zukünftigen Salzburger SPÖ-Landesparteichef Peter Eder aus. Er begrüßt die Abkehr von der Flattax und sieht im Freibetrag eine deutlich gerechtere Lösung für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Seiner Ansicht nach hätte das ursprüngliche Modell vor allem Besserverdiener begünstigt.
„Der Vorteil an dem Freibetrag gegenüber der Flattax ist der, dass hier alle Arbeitnehmerinnen die Möglichkeit haben, sofern sie gesund sind, den Steuervorteil genießen zu können“, erklärte Eder. Er fügte hinzu: „Bei der Flat Tax wären es Gutverdiener, die schon meistens in privilegierten Jobs sind. Das ist einmal abgeschwächt.“
Hintergrund: Flattax vs. Freibetrag
Eine Flattax ist ein einheitlicher Steuersatz, der unabhängig von der Höhe des Einkommens gilt. Kritiker bemängeln, dass sie Geringverdiener prozentual stärker belastet. Ein Freibetrag hingegen ist ein Betrag, der vom steuerpflichtigen Einkommen abgezogen wird. Einkommen bis zu dieser Höhe bleibt steuerfrei. Dieses Modell gilt als progressiver, da es niedrigere Einkommen stärker entlastet.
Langfristige Gesundheit am Arbeitsplatz im Fokus
Peter Eder richtet den Blick jedoch auch über die steuerlichen Anreize hinaus. Für ihn ist es entscheidend, dass die Unternehmen mehr Verantwortung übernehmen, um die Gesundheit ihrer Mitarbeiter langfristig zu sichern. Es sei wichtig, die Arbeitsbedingungen so zu gestalten, dass Menschen überhaupt in der Lage sind, bis zum gesetzlichen Pensionsantrittsalter gesund und motiviert zu arbeiten.
Er fordert daher langfristige Strategien zur Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz. Nur so könne sichergestellt werden, dass die Option des Weiterarbeitens nicht nur einer privilegierten Gruppe offensteht, sondern allen, die es möchten und können. Die neue Regelung zum Zuverdienst sei zwar ein Schritt in die richtige Richtung, löse aber nicht die grundlegenden Probleme der Arbeitswelt.
Was die neue Regelung konkret bedeutet
Die Einführung des Freibetrags ab 2027 hat direkte Auswirkungen auf die Finanzen arbeitender Pensionisten. Hier sind die wichtigsten Punkte zusammengefasst:
- Steuerfreiheit: Einkünfte aus Erwerbstätigkeit bis zu 15.000 Euro pro Jahr sind steuerfrei.
- Gültigkeit: Die Regelung tritt mit 1. Januar 2027 in Kraft.
- Betroffene: Sie gilt für alle Pensionistinnen und Pensionisten, die neben ihrer Rente erwerbstätig sind.
- Ziel: Die Maßnahme soll die freiwillige Weiterarbeit attraktiver machen und den Arbeitskräftemangel mildern.
Für viele Senioren könnte dies ein entscheidender Anreiz sein, ihre berufliche Erfahrung weiterhin zur Verfügung zu stellen. Gleichzeitig bleibt die Debatte über die Fairness und die langfristigen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt und das Pensionssystem bestehen. Die kommenden Jahre werden zeigen, ob der Freibetrag die erhoffte Wirkung entfaltet.





