Nach einer verheerenden Brandkatastrophe in einem Schweizer Nachtclub mit rund 40 Todesopfern kündigt die Salzburger Landesregierung eine umfassende Überprüfung und Verschärfung der Brandschutzbestimmungen an. Im Fokus stehen dabei insbesondere Nachtgastronomie und Veranstaltungsstätten, bei denen Kontrollen intensiviert werden sollen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Salzburger Landesregierung plant eine Verschärfung der Brandschutzvorschriften.
- Anlass ist ein Brand in einem Nachtlokal in Crans Montana (Schweiz) mit etwa 40 Toten.
- Der Fokus liegt auf verstärkten Kontrollen von Nachtgastronomie und Veranstaltungsorten.
- Alle bestehenden Brandschutzgesetze und -verordnungen sollen überprüft werden.
- Eine Anpassung des Veranstaltungsstättengesetzes ist bereits für Februar geplant.
Die Tragödie von Crans Montana als Weckruf
Die Silvesternacht in dem Schweizer Nobel-Skiort Crans Montana endete in einer Katastrophe. Ein Feuer in einem gut besuchten Nachtlokal forderte rund 40 Menschenleben. Die Ermittlungen deuten auf eine fatale Kombination von Risikofaktoren hin: zu enge Fluchtwege, schwer erreichbare Notausgänge und die Verwendung von Pyrotechnik in geschlossenen Räumen. Zudem sollen leicht entflammbare Dekorations- und Einrichtungsmaterialien die Ausbreitung des Feuers dramatisch beschleunigt haben.
Dieses Ereignis hat auch in Salzburg die Behörden alarmiert. Obwohl Experten betonen, dass die Sicherheitsstandards hierzulande bereits hoch sind, will man kein Risiko eingehen. Die Bilder aus der Schweiz haben gezeigt, wie schnell sich eine ausgelassene Feier in eine tödliche Falle verwandeln kann.
Hohe Standards, aber Lücken im System?
Salzburg verfügt über ein dichtes Netz an Vorschriften, die in verschiedenen Gesetzen und Verordnungen verankert sind. Dazu gehören das Veranstaltungsstättengesetz, die Bauordnung und spezifische feuerpolizeiliche Bestimmungen. Die nun angekündigte Initiative zielt darauf ab, diese teilweise veralteten Regelungen zu modernisieren und mögliche Schwachstellen, insbesondere bei der Kontrolldichte, zu beseitigen.
Landesregierung kündigt konsequentes Handeln an
Die zuständigen Mitglieder der Landesregierung, Marlene Svazek (FPÖ) als Gewerbereferentin und Martin Zauner (FPÖ), betonten die Notwendigkeit, präventiv zu handeln. Man wolle nicht warten, bis auch in Salzburg etwas passiert, sondern proaktiv für mehr Sicherheit sorgen.
„Wir haben relativ hohe brandschutztechnische Standards in Salzburg – das ist richtig. Aber wenn man, gepaart mit Hausverstand, die Kontrollen in dem einen oder anderen Gebiet noch ein bisschen intensiviert, dann sind wir auf der sicheren Seite.“
- Marlene Svazek, Landesrätin
Die zentrale Maßnahme wird eine deutliche Erhöhung der Kontrollfrequenz sein. Bisherige Überprüfungen fanden oft anlassbezogen oder in größeren Zeitabständen statt. Nun sollen die Behörden gezielte Anweisungen erhalten, um die Einhaltung der Vorschriften strenger und regelmäßiger zu überwachen.
Fokus auf lange nicht geprüfte Betriebe
Ein besonderes Augenmerk soll auf jene Betriebe gelegt werden, die in den letzten Jahren nicht oder nur selten kontrolliert wurden. „Wir werden bei den Behörden anordnen, dass man eben Nachtgastronomie oder Veranstaltungsstätten – insbesondere die, die in den letzten drei Jahren nie kontrolliert worden sind – noch einmal stärker bearbeitet“, erklärte Svazek. Ziel sei es, von behördlicher Seite präventiv zu wirken und potenzielle Gefahrenquellen frühzeitig zu erkennen und zu beseitigen.
Diese Kontrollen umfassen unter anderem:
- Freihaltung von Fluchtwegen: Sind Notausgänge und Rettungswege jederzeit frei zugänglich und nicht durch Tische, Stühle oder Dekoration verstellt?
- Notbeleuchtung und Beschilderung: Funktionieren die Sicherheitsbeleuchtungen und sind die Fluchtwege klar und deutlich gekennzeichnet?
- Brandschutzvorrichtungen: Sind Feuerlöscher und andere Löscheinrichtungen vorschriftsmäßig gewartet und leicht erreichbar?
- Verwendung von Materialien: Werden schwer entflammbare Materialien für Dekoration und Ausstattung verwendet?
Gesetzesnovelle und umfassende Überprüfung
Neben den verstärkten Kontrollen plant die Landesregierung auch eine legislative Anpassung. Eine Novelle des Salzburger Veranstaltungsstättengesetzes soll bereits im Februar auf den Weg gebracht werden. Konkrete Details zu den geplanten Änderungen sind noch nicht bekannt, dürften aber strengere Auflagen für Betreiber und klarere Verantwortlichkeiten beinhalten.
Wunderkerzen als unterschätzte Gefahr
Auch in Salzburger Lokalen sind sogenannte Sternspritzer, oft auch als Wunderkerzen bekannt, ein beliebtes Accessoire bei Feiern. Fotos aus einem Altstadtlokal vom vergangenen November zeigen deren Einsatz. Experten warnen jedoch, dass die Funken dieser Pyrotechnik in Verbindung mit leicht entflammbaren Materialien wie Papierdekorationen oder bestimmten Textilien schnell ein Feuer auslösen können. Die anstehende Überprüfung der Vorschriften wird auch den Umgang mit solchen Gegenständen in der Gastronomie neu bewerten.
Die Initiative beschränkt sich jedoch nicht nur auf das Veranstaltungsgesetz. Sämtliche brandschutzrelevanten Vorschriften im Land Salzburg sollen einer genauen Prüfung unterzogen werden. Viele dieser Regelungen sind über die Jahre gewachsen und teilweise nicht mehr auf dem neuesten Stand der Technik oder an die heutigen Gegebenheiten in der Gastronomie angepasst.
Was bedeutet das für Betreiber und Gäste?
Für Betreiber von Bars, Clubs und Veranstaltungshallen bedeutet die Ankündigung, dass sie in naher Zukunft mit unangemeldeten und gründlicheren Kontrollen rechnen müssen. Dies erfordert eine sorgfältige Einhaltung aller bestehenden Auflagen. Verstöße, etwa blockierte Notausgänge, könnten strenger geahndet werden.
Für die Gäste bedeutet die Initiative vor allem eines: mehr Sicherheit. Das Ziel der Landesregierung ist es, das Vertrauen in die Sicherheit des Salzburger Nachtlebens zu stärken und sicherzustellen, dass sich eine Tragödie wie in Crans Montana hier nicht wiederholen kann. Die Sensibilisierung für das Thema Brandschutz soll sowohl bei den Betreibern als auch bei den Besuchern erhöht werden, damit alle einen unbeschwerten und sicheren Abend genießen können.





