Neue Daten des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) zeigen einen besorgniserregenden Trend für Salzburg: Im vergangenen Jahr mussten fast 72.000 Menschen nach einem Unfall im Spital behandelt werden. Dies entspricht einem Anstieg von drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr und bedeutet, dass sich durchschnittlich alle sieben Minuten eine Person in der Region so schwer verletzt, dass medizinische Hilfe notwendig ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Im Jahr 2023 wurden in Salzburg fast 72.000 Personen nach Unfällen im Krankenhaus behandelt.
- Die Zahl der Verletzten stieg im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozent.
- Der häufigste Unfallort ist der eigene Haushalt, noch vor Freizeit- und Sportaktivitäten.
- Besonders stark war der Anstieg der Unfallzahlen bei Seniorinnen und Senioren über 65 Jahren.
- Die volkswirtschaftlichen Kosten für Unfallbehandlungen in Österreich erreichten fast 3 Milliarden Euro.
Salzburgs Unfallbilanz im Detail
Die am Donnerstag veröffentlichten Zahlen des KFV zeichnen ein klares Bild. Die Gesamtzahl von knapp 72.000 spitalsbehandelten Verletzten in Salzburg unterstreicht, dass Unfälle ein alltägliches Risiko darstellen. Der Zuwachs von drei Prozent signalisiert eine Zunahme der Unfallhäufigkeit in verschiedenen Lebensbereichen.
Die Statistik zeigt, dass kein Bereich des täglichen Lebens von Unfallrisiken ausgenommen ist. Während Verkehrsunfälle oft im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung stehen, ereignet sich die Mehrheit der Missgeschicke in vermeintlich sicheren Umgebungen.
Der Haushalt als größte Gefahrenquelle
Entgegen der allgemeinen Annahme ist nicht der Straßenverkehr, sondern der eigene Haushalt der Ort, an dem sich die meisten Unfälle ereignen. Einfache Tätigkeiten wie Kochen, Putzen oder das Gehen auf Treppen führen häufig zu Stürzen und Verletzungen.
Stolpern ist eine der häufigsten Ursachen für Haushaltsunfälle, die oft zu schweren Verletzungen führen. Diese Vorfälle betreffen Menschen aller Altersgruppen und unterstreichen die Notwendigkeit, auch im eigenen Zuhause auf Sicherheit zu achten.
Die häufigsten Verletzungen
Österreichweit betrachtet sind bestimmte Körperteile besonders häufig von Verletzungen betroffen. Die Statistik für das vergangene Jahr zeigt folgendes Bild:
- Finger: 102.200 Fälle
- Knie: 72.200 Fälle
- Fußgelenke/Knöchel: 70.900 Fälle
Bei Sportunfällen steht das Knie mit 28.600 Fällen an erster Stelle der verletzten Körperteile.
Steigende Unfallzahlen bei Senioren
Ein besonders deutlicher Anstieg wurde in der Altersgruppe der über 65-Jährigen verzeichnet. Österreichweit stieg die Zahl der im Spital behandelten Verletzten in dieser Gruppe um fünf Prozent auf einen neuen Höchststand von 266.100 Personen.
Experten sehen hier einen direkten Zusammenhang mit dem demografischen Wandel. Laut Statistik Austria leben derzeit über 1,9 Millionen Menschen im Alter von 65 Jahren oder älter in Österreich. Seit dem Jahr 2021 ist diese Bevölkerungsgruppe um 163.000 Personen, also um neun Prozent, gewachsen.
Diese Entwicklung stellt das Gesundheitssystem vor neue Herausforderungen und unterstreicht die Wichtigkeit von Präventionsmaßnahmen, die speziell auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten sind.
Risiko bei Freizeit und Sport
Auch die Zahl der Unfälle im Freizeit- und Sportbereich hat zugenommen. Besonders auffällig ist die Häufung von Kopfverletzungen bei Nutzern von Fahrrädern, E-Bikes und E-Scootern. Diese Fortbewegungsmittel erfreuen sich wachsender Beliebtheit, bergen aber auch spezifische Risiken.
Forderung nach erweiterter Helmpflicht
Aufgrund der hohen Zahl schwerer Kopfverletzungen bekräftigt das Kuratorium für Verkehrssicherheit seine Forderung, die Helmpflicht auf alle Altersgruppen auszuweiten. Dies betrifft insbesondere die Nutzung von E-Bikes und E-Scootern, bei denen oft hohe Geschwindigkeiten erreicht werden.
Das KFV argumentiert, dass eine umfassende Helmpflicht die Schwere vieler Verletzungen deutlich reduzieren und damit auch das Gesundheitssystem entlasten könnte.
Enorme Kosten für das Gesundheitssystem
Die steigenden Unfallzahlen haben auch erhebliche finanzielle Folgen. Die Kosten für die ambulante und stationäre Behandlung aller Unfallopfer in Österreich beliefen sich im vergangenen Jahr auf rund 2,975 Milliarden Euro.
Dies entspricht einem Anstieg von sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr. Diese Summe verdeutlicht die enorme volkswirtschaftliche Belastung, die durch Unfälle entsteht.
„Um diese Kosten zu senken und vor allem menschliches Leid zu verhindern, sind verstärkte Präventionsmaßnahmen in allen Lebensbereichen unerlässlich“, so ein Sprecher des KFV.
Das Kuratorium fordert daher eine breite gesellschaftliche Anstrengung, um das Bewusstsein für Unfallrisiken zu schärfen und präventive Maßnahmen zu fördern – sei es durch Aufklärungskampagnen, sicherere Infrastruktur oder gesetzliche Regelungen wie eine erweiterte Helmpflicht.





