Die Wintersaison bringt die privaten Rettungsdienste in Salzburg an ihre Kapazitätsgrenzen. Eine steigende Zahl an verletzten Urlaubsgästen führt zu einer deutlichen Zunahme bei Krankentransporten, die oft über hunderte Kilometer ins europäische Ausland führen. Besonders im Pinzgau ist die Lage angespannt.
Das Wichtigste in Kürze
- Private Rettungsdienste in Salzburg verzeichnen einen Anstieg der Krankentransporte um 12 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
- Allein das Grüne Kreuz in Zell am See hat seit Jahresbeginn über 800 verletzte Touristen in ihre Heimatländer zurückgebracht.
- Die Monate Januar und Februar sind aufgrund der komprimierten Skisaison besonders intensiv und bringen die Teams an ihre Belastungsgrenzen.
- Die Kosten für die oft weiten Rücktransporte können mehrere tausend Euro betragen und werden meist von Versicherungen übernommen.
Hochbetrieb in den Salzburger Skigebieten
Die aktuelle Wintersaison stellt für die privaten Rettungsdienste in den Salzburger Alpen eine besondere Herausforderung dar. Die Zahl der Einsätze für den Rücktransport von verletzten Urlaubern ist spürbar gestiegen. Organisationen wie das Grüne Kreuz in Zell am See (Pinzgau) arbeiten ununterbrochen, um die Versorgung sicherzustellen.
Seit Anfang des Jahres hat allein dieser Standort mehr als 800 verletzte Personen nach Hause transportiert. Dies entspricht einer Steigerung von zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Die hohe Auslastung führt dazu, dass Termine für Abholungen teilweise verschoben werden müssen, weil schlicht keine Fahrzeuge oder Teams verfügbar sind.
Einblicke in den Alltag der Sanitäter
Der Arbeitsalltag der Rettungssanitäter ist von langen Fahrten geprägt. Eine Fahrt von Schwarzach im Pongau nach Wien, die rund vier Stunden dauert, gilt bereits als kurze Strecke. Saskia Spang, eine Rettungssanitäterin beim Grünen Kreuz, beschreibt die Routine.
„Wir haben eine Patientin mit einer Unterschenkelfraktur. Sie ist bereits operiert und stabil genug für den Heimtransport. Wir fahren da nur nach Wien – entspannte vier Stunden.“
Solche verhältnismäßig kurzen Distanzen sind jedoch die Ausnahme. „Im Winter sind wir viel in die Niederlande, nach Deutschland oder in die Schweiz unterwegs“, erklärt Spang. Im Sommer erweitere sich der Radius auf ganz Europa, mit Zielen wie Kroatien, Italien oder sogar Bosnien und Serbien.
Steigende Einsatzzahlen und ihre Gründe
Die Nachfrage nach Krankentransporten ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Mario Fernsebner, Geschäftsführer des Grünen Kreuzes in Zell am See, bestätigt diesen Trend. Seine Organisation bewältigt pro Jahr rund 3.500 Einsätze, und die Tendenz ist weiter steigend.
Besonders die Zeit nach Weihnachten sowie die Monate Januar und Februar stellen die Teams vor große Herausforderungen. „Wir haben jedes Jahr in den Jännermonaten eine Steigerung gehabt“, so Fernsebner. „In der Woche nach Weihnachten, wenn die Touristen da sind, hat man wirklich einen Peak. Das merken wir natürlich auch bei den Aufträgen.“
Verändertes Urlaubsverhalten als Ursache
Ein Grund für die extreme Arbeitsbelastung zu Beginn des Jahres könnte ein verändertes Verhalten der Wintersportler sein. Das sogenannte „Jännerloch“, eine früher ruhigere Phase nach den Feiertagen, ist kaum noch spürbar. Experten vermuten, dass viele Skifahrer ihren Urlaub bewusst in die schneesicheren Monate Januar und Februar legen, da die Schneesicherheit Ende März nicht mehr überall gewährleistet ist. Diese Konzentration führt zu einer Verdichtung der Unfälle und damit zu einem erhöhten Bedarf an Rettungsdiensten.
Die hohe Auslastung hat konkrete Folgen für die Planung. „Zum Teil müssen wir die wirklich nach hinten verschieben oder Abholzeiten ändern, weil wir wirklich keine Möglichkeit haben, diese Patienten nach Hause zu transportieren“, fügt Fernsebner hinzu.
Die Logistik und Kosten der Heimtransporte
Ein Rücktransport eines verletzten Urlaubers ist ein komplexes und kostspieliges Unterfangen. Die Kosten für eine Fahrt ins Ausland können schnell mehrere tausend Euro erreichen. Diese Summe deckt nicht nur den reinen Transport ab.
Kostenaufschlüsselung eines Krankentransports
- Fahrzeug- und Personalkosten: Die Hauptkosten entstehen durch das speziell ausgestattete Fahrzeug und das medizinische Personal.
- Streckenabhängige Kosten: Mautgebühren und Treibstoff machen einen erheblichen Teil aus.
- Übernachtungskosten: Bei langen Fahrten müssen die Mitarbeiter des Rettungsdienstes im Zielort übernachten, bevor sie die Rückreise antreten.
- Zusätzliche medizinische Versorgung: Je nach Zustand des Patienten können weitere Kosten für Medikamente oder spezielle Ausrüstung anfallen.
Glücklicherweise sind die meisten Urlaubsgäste für solche Fälle versichert. „Das ist meist eine versicherungstechnische Sache, wo das verrechnet wird“, erklärt Mario Fernsebner. Die Versicherungen übernehmen in der Regel die Kosten, auch wenn in besonders schweren Fällen ein Ambulanz-Jet für den Rücktransport benötigt wird.
Keine Entspannung in Sicht
Eine Entlastung der Rettungsdienste ist vorerst nicht zu erwarten. Mit dem Beginn der Frühjahrsferien in den Niederlanden am kommenden Wochenende rechnet das Team des Grünen Kreuzes erneut mit einem Anstieg der Einsatzzahlen. Niederländische Gäste stellen eine der größten Urlaubergruppen in der Region dar.
Für die Rettungsteams bedeutet dies weiterhin Hochbetrieb. Ihr Einsatz stellt sicher, dass verunfallte Touristen nach einem oft traumatischen Erlebnis zumindest sicher und medizinisch gut versorgt den Weg nach Hause antreten können. Die hohe Belastung unterstreicht die Wichtigkeit einer guten Reiseversicherung und die Notwendigkeit, die Kapazitäten der Rettungsdienste an die wachsenden touristischen Anforderungen anzupassen.





