Seit seiner Einführung am 1. Mai 2025 hat sich das „Guest Mobility Ticket“ im Salzburger Land zu einem festen Bestandteil des touristischen Angebots entwickelt. Mehr als drei Millionen Tickets wurden bereits ausgestellt, die Übernachtungsgästen die kostenlose Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs ermöglichen. Finanziert wird das Modell durch eine Abgabe von 50 Cent pro Gast und Nacht, was jedoch nicht nur auf Zustimmung stößt.
Das Wichtigste in Kürze
- Seit Mai 2025 wurden über drei Millionen „Guest Mobility Tickets“ für Touristen in Salzburg ausgestellt.
- Das Ticket ermöglicht die kostenlose Nutzung aller öffentlichen Verkehrsmittel im Bundesland während des Aufenthalts.
- Die Finanzierung erfolgt über eine Mobilitätsabgabe von 50 Cent pro Gast und Nacht.
- Während die Politik das Modell als Erfolg feiert, äußert die Wirtschaftskammer weiterhin Kritik am System.
Ein Erfolgsmodell für den nachhaltigen Tourismus
Die Zahlen sprechen für sich: Das „Guest Mobility Ticket“ hat sich in kurzer Zeit als ein zentrales Instrument zur Förderung der umweltfreundlichen Mobilität von Touristen im Salzburger Land etabliert. Die Initiative, die jedem Übernachtungsgast die unentgeltliche Nutzung von Bussen und Bahnen erlaubt, wurde von Beginn an gut angenommen.
Landeshauptmann-Stellvertreter Stefan Schnöll (ÖVP) bezeichnet die Maßnahme als einen großen Erfolg. Das Ziel war es, den Individualverkehr zu reduzieren und den Gästen eine bequeme und nachhaltige Möglichkeit zu bieten, die Region zu erkunden. Die hohe Akzeptanz zeigt, dass der Bedarf und die Bereitschaft vorhanden sind, auf das eigene Auto im Urlaub zu verzichten.
Die Umsetzung ist bewusst einfach gehalten. Beim Check-in im Beherbergungsbetrieb erhalten die Gäste das Ticket automatisch und unkompliziert. Es wird digital als PDF-Dokument oder direkt als Wallet-Pass für das Smartphone ausgestellt und ist für die gesamte Dauer des Aufenthalts gültig. Dieser nahtlose Prozess trägt maßgeblich zur positiven Nutzererfahrung bei.
Finanzierung durch minimale Abgabe
Die Grundlage des Systems ist die sogenannte Mobilitätsabgabe. Jeder Gast zahlt pro Übernachtung einen Beitrag von 50 Cent. Bei drei Millionen ausgestellten Tickets entspricht dies Einnahmen von rund 1,5 Millionen Euro, die direkt in die Finanzierung des öffentlichen Verkehrs fließen.
Wie das System funktioniert
Das Prinzip hinter dem „Guest Mobility Ticket“ ist einfach, aber wirkungsvoll. Es integriert die Kosten für die öffentliche Mobilität direkt in die Übernachtungspauschale, wodurch für den Gast keine zusätzlichen Hürden oder Ticketkäufe entstehen. Dies senkt die Hemmschwelle zur Nutzung von Bussen und Bahnen erheblich.
Vorteile für Gäste und Umwelt
Für Touristen bietet das Ticket klare Vorteile:
- Kostenersparnis: Keine Ausgaben für Einzelfahrscheine oder Tageskarten.
- Bequemlichkeit: Kein Anstehen am Automaten, das Ticket ist sofort verfügbar.
- Flexibilität: Spontane Ausflüge im gesamten Bundesland sind ohne Planung von Ticketkäufen möglich.
- Nachhaltigkeit: Ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz durch die Reduzierung von CO₂-Emissionen.
Die positiven Effekte auf die Umwelt sind ein zentrales Argument der Befürworter. Weniger Autos auf den Straßen, insbesondere in den stark frequentierten Tourismusregionen, bedeuten weniger Staus, weniger Lärm und eine geringere Belastung für die Natur.
Ein Trend in ganz Österreich
Salzburg ist nicht die einzige Region, die auf Gästekarten mit integrierter Mobilität setzt. Ähnliche Modelle gibt es bereits in anderen Bundesländern wie Tirol und Vorarlberg. Diese Initiativen sind Teil einer größeren Strategie, den Tourismus in Österreich nachhaltiger und umweltverträglicher zu gestalten und gleichzeitig die Attraktivität der Urlaubsdestinationen zu steigern.
Anhaltende Kritik aus der Wirtschaft
Trotz der beeindruckenden Nutzungszahlen und der positiven Resonanz vonseiten der Politik gibt es auch kritische Stimmen. Insbesondere die Wirtschaftskammer Salzburg hat wiederholt Bedenken geäußert. Die Kritik richtet sich weniger gegen die Idee der nachhaltigen Mobilität als vielmehr gegen die Art der Finanzierung und Umsetzung.
Ein Hauptkritikpunkt ist der administrative Aufwand für die Beherbergungsbetriebe. Hoteliers und Vermieter sind für die Einhebung der 50-Cent-Abgabe verantwortlich und müssen diese korrekt abführen. Dies erzeugt zusätzliche bürokratische Hürden in einem Sektor, der bereits mit vielen administrativen Aufgaben konfrontiert ist.
„Grundsätzlich ist die Förderung des öffentlichen Verkehrs zu begrüßen, doch die Belastung darf nicht einseitig auf den Schultern der Betriebe lasten.“
Ein weiterer Aspekt der Kritik ist die Frage der Gerechtigkeit. Es wird argumentiert, dass die Abgabe pauschal pro Nacht erhoben wird, unabhängig davon, ob der Gast die öffentlichen Verkehrsmittel tatsächlich nutzt. Geschäftsreisende oder Gäste, die nur eine Nacht bleiben und keine Ausflüge planen, zahlen ebenfalls den Beitrag, ohne einen direkten Nutzen daraus zu ziehen.
Die Suche nach einem Kompromiss
Die Diskussion zwischen Politik und Wirtschaftsvertretern hält an. Während die Landesregierung auf den nachweislichen Erfolg und den Mehrwert für die gesamte Region verweist, fordern die Wirtschaftsvertreter eine Evaluierung des Systems. Mögliche Lösungsansätze könnten eine Vereinfachung der administrativen Prozesse oder alternative Finanzierungsmodelle sein, die die Belastung für die Betriebe reduzieren.
Ausblick und zukünftige Potenziale
Die Zukunft des „Guest Mobility Ticket“ scheint trotz der Kritik gesichert. Die hohe Akzeptanz bei den Gästen und der klare Beitrag zur Verkehrsentlastung sind starke Argumente für eine Fortführung des Modells. Es ist denkbar, dass das Angebot in Zukunft noch weiter ausgebaut wird, beispielsweise durch die Integration von Leihfahrrädern oder E-Scootern.
Die Initiative hat das Potenzial, als Vorbild für andere Tourismusregionen zu dienen. Sie zeigt, dass mit einer geringen finanziellen Umlage eine große Wirkung erzielt werden kann. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Einfachheit für den Nutzer und dem klaren Bekenntnis einer ganzen Region zu nachhaltiger Mobilität.
Die Debatte um die Finanzierung wird jedoch weitergehen. Ein konstruktiver Dialog zwischen allen Beteiligten wird entscheidend sein, um das System langfristig zu optimieren und eine breite Akzeptanz bei Gästen, Betrieben und der lokalen Bevölkerung sicherzustellen.





