Eine aktuelle Analyse des Verkehrsclub Österreich (VCÖ) zeigt, dass das Bundesland Salzburg im Vergleich zu anderen Bundesländern eine geringere Abhängigkeit vom Auto aufweist. Mit 465 privat genutzten Pkw pro 1.000 Einwohnern liegt Salzburg außerhalb Wiens an der Spitze und weist die niedrigste Dichte auf. Diese Entwicklung wird von Experten als Zeichen für eine funktionierende Infrastruktur und gute Alternativen zum Individualverkehr gewertet.
Die Daten, die auf Erhebungen der Statistik Austria basieren, verdeutlichen zudem ein deutliches Gefälle zwischen der Stadt Salzburg und den ländlichen Bezirken. Während in der Stadt die Autodichte noch geringer ist, bleibt die Stärkung des öffentlichen Verkehrs und der Radinfrastruktur ein zentrales Thema für die gesamte Region, um die Mobilität zukunftsfähig zu gestalten.
Wichtige Erkenntnisse
- Niedrigste Pkw-Dichte: Salzburg hat mit 465 privaten Pkw pro 1.000 Personen die niedrigste Rate aller Bundesländer außerhalb Wiens.
- Stadt Salzburg im Spitzenfeld: Die Landeshauptstadt liegt mit 383 Pkw pro 1.000 Einwohnern österreichweit an dritter Stelle nach Wien und Innsbruck.
- Historische Trendumkehr: Im Gegensatz zu 1981 ist die Autodichte heute in den ländlichen Bezirken höher als in der Stadt Salzburg.
- Expertenmeinung: Der VCÖ sieht eine hohe Autozahl nicht mehr als Wohlstandsindikator, sondern als Zeichen für fehlende Alternativen wie öffentlichen Verkehr und Radwege.
Autobesitz in Salzburg im Detail
Die neuesten Zahlen der Statistik Austria, analysiert vom VCÖ, liefern ein klares Bild der Mobilitätssituation in Salzburg. Betrachtet man ausschließlich die privat zugelassenen Fahrzeuge, so liegt Salzburg mit 465 Pkw pro 1.000 Personen knapp vor Tirol (468) und Vorarlberg (469). Dieser Wert positioniert das Bundesland als Vorreiter bei der Reduzierung der Pkw-Abhängigkeit.
Werden auch die betrieblich genutzten Fahrzeuge in die Statistik einbezogen, erhöht sich die Zahl für das gesamte Bundesland auf 573 Pkw pro 1.000 Einwohner. Auch hier zeigt sich im nationalen Vergleich ein moderater Wert.
Unterschiede zwischen Stadt und Land
Besonders deutlich wird die Entwicklung beim Blick auf die Landeshauptstadt. Die Stadt Salzburg verzeichnet lediglich 383 private Autos pro 1.000 Einwohner. Das ist der drittniedrigste Wert aller Landeshauptstädte in Österreich. Nur Wien (284) und Innsbruck (333) weisen eine noch geringere Autodichte auf.
Innerhalb des Bundeslandes gibt es jedoch erhebliche Unterschiede. Der Bezirk mit dem höchsten Autobesitz ist Tamsweg, wo auf 1.000 Personen 647 Pkw kommen. Dennoch bleibt auch dieser Wert unter der kritischen Marke von 700, die in Österreich bereits 17 andere Bezirke überschreiten. Spitzenreiter ist hier der niederösterreichische Bezirk Waidhofen an der Thaya mit 775 Pkw.
Salzburg im Österreich-Vergleich
- Salzburg (privat): 465 Pkw / 1.000 Einw.
- Tirol (privat): 468 Pkw / 1.000 Einw.
- Vorarlberg (privat): 469 Pkw / 1.000 Einw.
- Österreich-Spitze (Waidhofen/Thaya): 775 Pkw / 1.000 Einw.
Veränderte Bedeutung des Autos
Die Wahrnehmung des Automobils in der Gesellschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten fundamental gewandelt. Was früher als Statussymbol und Zeichen von Wohlstand galt, wird heute oft kritischer gesehen.
"Früher war eine hohe Anzahl an Pkw ein Zeichen von Wohlstand, heute ist es ein Zeichen von Mangel. Mangel an Öffentlichem Verkehr, an Radwegen, an Nahversorgung und Arbeitsplätzen."
Diese Aussage von VCÖ-Experte Michael Schwendinger fasst die Kernaussage der Analyse zusammen. Eine hohe Pkw-Dichte deutet laut der Mobilitätsorganisation darauf hin, dass die Menschen kaum eine andere Wahl haben, als das Auto für ihre täglichen Wege zu nutzen. Dies betrifft vor allem ländliche Regionen mit ausgedünnter Infrastruktur.
Historischer Wandel: Von der Stadt aufs Land
Die aktuelle Situation war nicht immer so. Noch im Jahr 1981 war das Verhältnis genau umgekehrt. Damals kamen in der Stadt Salzburg 386 Pkw (privat und betrieblich) auf 1.000 Einwohner, während es in den ländlichen Bezirken im Schnitt nur 303 waren. Der Ausbau von Alternativen in der Stadt und die zunehmende Zersiedelung auf dem Land haben diesen Trend umgekehrt.
Lösungsansätze für eine zukunftsfähige Mobilität
Um die Abhängigkeit vom Auto weiter zu reduzieren und den Bürgern mehr Freiheit bei der Wahl ihrer Verkehrsmittel zu geben, schlägt der VCÖ mehrere konkrete Maßnahmen vor. Diese zielen darauf ab, die Notwendigkeit eines eigenen Pkw zu verringern.
Raumordnung und Stärkung der Ortskerne
Eine entscheidende Rolle spielt die Raumordnung. Anstatt die Zersiedelung weiter voranzutreiben, sollten die Ortskerne gestärkt werden. Geschäfte und Supermärkte sollten nicht auf der „grünen Wiese“ entstehen, sondern dort, wo sie für viele Menschen fußläufig erreichbar sind.
Diese Strategie hat laut VCÖ mehrere Vorteile. "Die Stärkung der Ortskerne reduziert die Abhängigkeit vom Auto und belebt zusätzlich die Gemeinde", erklärt Schwendinger. Kurze Wege fördern soziale Kontakte und sind besonders für ältere Menschen wichtig, um ihre Selbstständigkeit zu bewahren.
Ausbau des öffentlichen Verkehrs
Kompakte Siedlungsstrukturen erleichtern es, ein dichtes und effizientes Netz an öffentlichen Verkehrsmitteln anzubieten. Mehr Bus- und Bahnverbindungen sind die Grundlage dafür, dass mehr Menschen vom Auto auf den öffentlichen Verkehr umsteigen. Dies führt nicht nur zu einer Entlastung der Umwelt, sondern senkt auch die Haushaltskosten erheblich.
Salzburg wird hier als positives Beispiel genannt, da durch die Kooperation mit dem Tourismus Synergien geschaffen werden. Das verbesserte Angebot kommt sowohl den Gästen als auch der einheimischen Bevölkerung zugute.
Kostenvergleich: Klimaticket vs. Auto
Das Klimaticket Salzburg kostet 393 Euro pro Jahr und ermöglicht die unbegrenzte Nutzung des öffentlichen Verkehrs im gesamten Bundesland. Legt man das amtliche Kilometergeld zugrunde, kommt man mit einem Auto für denselben Betrag nicht einmal 800 Kilometer weit – eine Strecke, die viele Pendler in weniger als einem Monat zurücklegen.
Förderung des Radverkehrs
Auch in ländlichen Regionen sind viele alltägliche Wege kürzer als fünf Kilometer und somit ideal für das Fahrrad. Der konsequente Ausbau der Radinfrastruktur ist daher eine weitere zentrale Maßnahme. "Das Schließen von Lücken im Radwegenetz ist eine weitere zentrale Maßnahme, damit die Bevölkerung weniger aufs Auto angewiesen ist", betont Schwendinger.
Ein sicheres und durchgängiges Radwegenetz motiviert Menschen, für kurze Strecken das Fahrrad anstelle des Autos zu wählen. Dies fördert die Gesundheit, reduziert Lärm und verbessert die Lebensqualität in den Gemeinden nachhaltig.





