Der Salzburger Verkehrsverbund reagiert auf eine wachsende Zahl von Beschwerden über das Verhalten von Fahrgästen. Mit einer neuen Kampagne in den sozialen Medien sollen ab April laute Telefonate, stark riechendes Essen und andere Störungen thematisiert werden, um das Miteinander in öffentlichen Verkehrsmitteln zu verbessern.
Allein seit vergangenem Sommer gingen 51 offizielle Beschwerden über das Benehmen anderer Reisender ein. Dies veranlasste die Verantwortlichen, Maßnahmen für eine angenehmere und sicherere Fahrt für alle zu ergreifen.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Salzburger Verkehrsverbund startet im April eine Social-Media-Kampagne für besseres Benehmen.
- Anlass sind 51 Beschwerden über Fahrgäste allein seit dem Sommer 2023.
- Hauptkritikpunkte sind laute Videotelefonate und der Verzehr stark riechender Speisen.
- Die Kampagne zielt darauf ab, die Reisequalität zu verbessern und die Busfahrer zu entlasten.
Zunehmende Konflikte als Auslöser
Die Atmosphäre in Salzburgs öffentlichen Verkehrsmitteln ist rauer geworden. Immer häufiger kommt es zu Reibereien zwischen Fahrgästen, die das Reiseerlebnis für viele trüben. Der Salzburger Verkehrsverbund hat auf diese Entwicklung reagiert und eine Zunahme an offiziellen Meldungen registriert.
„Wir haben wirklich im letzten Jahr – ab Sommer – 51 Beschwerden zu anderen Fahrgästen gehabt, negative Wahrnehmungen in Bussen, aber auch auf Schiene“, erklärt Yvonne Rosenstatter, Sprecherin des Verkehrsverbunds. Das Ziel sei es, dieser Entwicklung entgegenzusteuern, „um einfach jedem Fahrgast eine angenehme Fahrt zu ermöglichen.“
Hintergrund der Initiative
Die Entscheidung für eine Kampagne fiel nach einer internen Analyse der Fahrgast-Rückmeldungen. Es zeigte sich ein klares Muster von wiederkehrenden Störungen, die nicht nur das Wohlbefinden der Mitreisenden, sondern auch die Konzentration der Fahrerinnen und Fahrer beeinträchtigen. Die Initiative soll präventiv wirken und für die Thematik sensibilisieren, bevor strengere Regeln notwendig werden.
Der Alltag aus Sicht eines Busfahrers
Für die Lenkerinnen und Lenker der Busse gehört der Umgang mit rücksichtslosem Verhalten mittlerweile zum Arbeitsalltag. Sie sind oft die erste Anlaufstelle für genervte Fahrgäste und müssen gleichzeitig den Verkehr im Auge behalten. Markus Stadler, ein erfahrener Busfahrer, schildert die häufigsten Probleme.
Eines der größten Ärgernisse sei der Verzehr von stark riechenden Speisen auf engem Raum.
„Es gehört sich einfach nicht, dass ich da mit dem Kebap einsteige und mir rinnt die Sauce schon unten heraus. Es stört einfach jeden“, so Stadler.
Er betont, dass es sich meist um kurze Fahrten von zehn bis zwanzig Minuten handle, in denen man auf eine Mahlzeit verzichten könne. Neben der Geruchsbelästigung hinterlässt das Essen oft auch Schmutz auf den Sitzen.
Laute Telefonate als Störfaktor Nummer eins
Ein weiteres zentrales Problem sind laute Telefongespräche, insbesondere über Video-Chats. „Das funktioniert leider auch nicht mehr am Ohr, sondern das macht man über Video in Gruppentelefonaten, hat man oft das Gefühl. Und da wird dann halt in den Handybildschirm hineingebrüllt“, beschreibt Stadler die Situation.
Diese Verhaltensweisen belasten nicht nur die Mitreisenden, sondern stellen auch eine zusätzliche Belastung für die Fahrer dar. „Es ist ja anstrengend, den ganzen Tag im Bus drinnen zu sitzen. Und ich fühle mich nachher natürlich schon zusätzlich belastet“, erklärt Stadler. Die ständigen Interventionen lenken vom Fahren ab und erhöhen den Stresspegel.
Fahrermeinung: Eine zusätzliche Last
Busfahrer wie Markus Stadler sehen sich als Vermittler in Konflikten, für die sie nicht verantwortlich sind. Diese zusätzliche soziale Aufgabe lenkt von ihrer Hauptverantwortung ab: der sicheren Beförderung der Fahrgäste. Die Kampagne soll auch dazu beitragen, die Fahrer zu entlasten.
Humor als Mittel zur Bewusstseinsbildung
Um die Fahrgäste zu erreichen, ohne den moralischen Zeigefinger zu heben, setzt der Verkehrsverbund auf eine humorvolle Herangehensweise. Ab April werden kurze Videoclips auf den Social-Media-Kanälen veröffentlicht, die typische Störsituationen auf überspitzte Weise darstellen.
Die Darsteller in den Clips sind selbst regelmäßige Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel und kennen die Probleme aus eigener Erfahrung. „Ich bin ständig mit dem Bus unterwegs und habe in Salzburg wirklich schon alles erlebt“, sagt der Schauspieler Raphael Steiner. „Von Leuten, die alles Mögliche essen, über laute Musik bis hin zu Sich-Übergeben.“
Sein Kollege Martin Bermoser ergänzt: „Ich bin ja grundsätzlich jemand, der einen sehr empfindlichen Geruchssinn hat. Und das ist natürlich etwas, wenn einer einsteigt – das kann einen schon wieder hinauswehen.“ Durch ihre Mitwirkung hoffen sie, das Verständnis für die Perspektive der Fahrer und anderer Fahrgäste zu stärken.
Mehr als nur eine Frage des Anstands
Die Kampagne zielt nicht nur auf mehr Komfort, sondern auch auf mehr Sicherheit ab. Jede Ablenkung des Fahrpersonals durch Beschwerden oder lautes Verhalten im Bus stellt ein potenzielles Sicherheitsrisiko dar. Ein konzentrierter Fahrer ist die Grundlage für eine sichere Fahrt.
Letztlich geht es um die grundlegenden Regeln des Zusammenlebens auf begrenztem Raum. Ein freundliches „Hallo“ beim Einsteigen, die Rücksichtnahme auf die persönliche Sphäre anderer und der Verzicht auf störende Aktivitäten tragen maßgeblich zu einer positiven Atmosphäre bei. Ein Fahrgast fasste es treffend zusammen: „Man hat nicht mehr gegrüßt – damit ist auch die Freundlichkeit verloren gegangen.“ Die Kampagne des Salzburger Verkehrsverbunds ist ein Versuch, diese Freundlichkeit wieder in den Alltag der öffentlichen Verkehrsmittel zurückzubringen.





