Nach dem Aus für das S-LINK-Projekt in Salzburg sorgt nun ein Bericht des Stadtrechnungshofes für Diskussionen. Die Prüfer haben die Kosten für die vorbereitenden Probebohrungen untersucht und kommen zu einem kritischen Ergebnis: Die Ausgaben in Höhe von 2,6 Millionen Euro wären in dieser Form nicht notwendig gewesen.
Der Bericht, der auf Antrag der Liste Salz erstellt wurde, beleuchtet die Wirtschaftlichkeit der Vergaben und identifiziert deutliches Einsparungspotenzial. Die Kritik richtet sich vor allem an die Struktur der Auftragsvergabe durch die inzwischen in Abwicklung befindliche Projektgesellschaft.
Das Wichtigste in Kürze
- Der Stadtrechnungshof hat die Kosten für die S-LINK-Probebohrungen geprüft.
- Die Gesamtkosten von 2,6 Millionen Euro werden als zu hoch kritisiert.
- Ein Dienstleistungsanteil von 600.000 Euro wird als „ungewöhnlich hoch“ eingestuft.
- Die Aufteilung des Auftrags auf zwei getrennte Ausschreibungen führte laut Prüfern zu höheren Preisen.
- Positiv vermerkt wurde, dass keine Gebäudeschäden durch die Bohrungen entstanden sind.
Prüfbericht deckt hohe Nebenkosten auf
Im Zentrum der Kritik des Stadtrechnungshofes stehen die sogenannten Dienstleistungsanteile an den Gesamtkosten. Von den 2,6 Millionen Euro, die für die Probebohrungen ausgegeben wurden, entfielen allein 600.000 Euro auf Planungs- und Überwachungsleistungen. Dazu gehören die Erstellung der Ausschreibungsunterlagen, die Betreuung der Vergabeverfahren sowie die örtliche Bauaufsicht.
Die Prüfer bezeichnen diesen Anteil als „ungewöhnlich hoch“. Dies legt nahe, dass die reinen Baukosten für die Bohrungen deutlich geringer waren und ein erheblicher Teil des Budgets in administrative und begleitende Prozesse floss.
Hintergrund: Das S-LINK-Projekt
Das S-LINK-Projekt sah eine unterirdische Verlängerung der Salzburger Lokalbahn vom Hauptbahnhof durch die Stadt bis nach Hallein vor. Nach jahrelangen Planungen und intensiven öffentlichen Debatten wurde das Vorhaben im November 2023 durch eine Volksbefragung gestoppt. Eine knappe Mehrheit von 52,6 Prozent der abstimmenden Stadtbewohner sprach sich gegen den Bau aus. Daraufhin wurde die Abwicklung der Projektgesellschaft beschlossen, an der Stadt, Land Salzburg und die Salzburg AG beteiligt sind.
Getrennte Ausschreibungen als Kostentreiber
Ein wesentlicher Grund für die hohen Kosten war laut Analyse des Rechnungshofes die Entscheidung der Projektgesellschaft, die Bohrungen in zwei separaten Verfahren auszuschreiben. Der erste Auftrag umfasste 22 Probebohrungen, der zweite, deutlich größere Auftrag, 83 Bohrungen.
Die Salzburger Regionalstadtbahn Projektgesellschaft begründete diesen Schritt mit Zeitdruck. Der Stadtrechnungshof hält dem jedoch entgegen, dass eine Zusammenlegung beider Aufträge erhebliche Vorteile gebracht hätte.
Preisunterschiede von 40 Prozent
Die Prüfer argumentieren, dass ein einzelner, großer Auftrag mit einem höheren Gesamtvolumen für mehr Bauunternehmen attraktiv gewesen wäre. Dies hätte den Wettbewerb verstärkt und potenziell zu günstigeren Angeboten geführt.
Vergleich der Kosten
Die Analyse der vergebenen Aufträge zeigt einen deutlichen Preisunterschied: Die Kosten pro Bohrung waren im zweiten, größeren Abschnitt um rund 40 Prozent niedriger als im ersten, kleineren Abschnitt. Dies stützt die These des Rechnungshofes, dass eine Gesamtvergabe zu günstigeren Konditionen geführt hätte.
Zudem hätte eine einzige Ausschreibung auch die Verfahrenskosten selbst reduziert, da der administrative Aufwand nur einmal angefallen wäre. Die getrennte Vergabe führte somit nicht nur zu höheren Baupreisen, sondern auch zu doppelten Verwaltungskosten.
Entwarnung bei befürchteten Gebäudeschäden
Neben der finanziellen Kritik enthält der Bericht des Stadtrechnungshofes aber auch eine positive Nachricht. Die von Projektgegnern geäußerten Befürchtungen, die tiefen Bohrungen könnten zu Setzungen und Schäden an umliegenden Gebäuden führen, haben sich nicht bewahrheitet.
An den zur Beweissicherung ausgewählten Objekten seien keine Schäden festgestellt worden. Es habe auch niemand Schadenersatzansprüche geltend gemacht.
Eine systematische Überwachung ausgewählter Gebäude im Bereich der Bohrstellen ergab keinerlei Hinweise auf Schäden. Auch die städtische Hochbauabteilung bestätigte, dass an stadteigenen Gebäuden keine Setzungen festgestellt wurden. Dies ist ein wichtiger Befund für zukünftige Tiefbauprojekte in der sensiblen Salzburger Altstadt.
Politische Aufarbeitung und offene Fragen
Die Veröffentlichung des Prüfberichts hat die politische Diskussion um die Nachwehen des S-LINK-Projekts neu entfacht. Die Frage, wie mit den entstandenen Kosten umgegangen wird und welche Lehren aus der Vergabe gezogen werden, steht nun im Raum.
Während die finanziellen Aspekte kritisch bewertet werden, bleibt die technische Erkenntnis, dass die Bohrungen ohne Schäden durchgeführt werden konnten. Die Liquidation der Projektgesellschaft ist unterdessen noch nicht vollständig abgeschlossen, was bedeutet, dass die endgültige Abrechnung des gescheiterten Großprojekts noch aussteht.





