Jede Person in Salzburg wirft jährlich Lebensmittel im Wert von rund 300 Euro weg. Das entspricht einer Menge von 27 Kilogramm. Gleichzeitig stehen die landwirtschaftlichen Betriebe, die diese Lebensmittel produzieren, unter enormem wirtschaftlichem Druck. Eine neue Informationskampagne des Bauernbundes beleuchtet diese Diskrepanz und ruft zu mehr Wertschätzung für regionale Produkte auf.
Insgesamt landen in Salzburg jedes Jahr fast 15.000 Tonnen an Lebensmitteln im Müll. Ein großer Teil davon wäre noch uneingeschränkt genießbar. Diese Verschwendung hat nicht nur finanzielle, sondern auch ökologische Folgen.
Die wichtigsten Fakten
- 27 Kilogramm Lebensmittel wirft jede Person in Salzburg pro Jahr weg.
- Der finanzielle Wert der weggeworfenen Lebensmittel beträgt 300 Euro pro Person und Jahr.
- Insgesamt landen jährlich fast 15.000 Tonnen Lebensmittel im Müll.
- Von 100 Euro, die für Lebensmittel ausgegeben werden, kommen nur vier Euro bei den landwirtschaftlichen Betrieben an.
Das Ausmaß der Verschwendung in Salzburg
Die Zahlen sind alarmierend: Fast ein Fünftel der in Salzburg eingekauften Lebensmittel wird nicht konsumiert, sondern entsorgt. Die Gesamtmenge von knapp 15.000 Tonnen pro Jahr verdeutlicht das Problem. „Wir sprechen hier über unglaubliche Mengen“, betont Michael Schmidhuber, Bauernbund-Obmann im Flachgau.
Diese Praxis hat weitreichende Konsequenzen. Neben dem finanziellen Verlust für die Haushalte führt die Lebensmittelverschwendung zu einem unnötigen Verbrauch von wertvollen Ressourcen wie Wasser, Energie und Ackerland. Zudem entstehen durch die Entsorgung zusätzliche Umweltbelastungen und Kosten für die Allgemeinheit.
Salzburgs Landwirtschaft in Zahlen
Im Bundesland Salzburg gibt es rund 9.000 landwirtschaftliche Betriebe, die eine Nutzfläche von etwa 163.000 Hektar bewirtschaften. Bemerkenswert ist, dass die Hälfte dieser Betriebe biologisch arbeitet. Jährlich werden unter anderem über 410.000 Tonnen Milch und 53 Millionen Eier produziert.
Der wirtschaftliche Druck auf die Bauern
Während Tausende Tonnen an Nahrungsmitteln im Abfall landen, kämpfen die Produzenten mit geringen Erträgen. Eine aktuelle Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts (WIFO) zeigt, dass die Landwirtschaft am Ende der Wertschöpfungskette steht. Von 100 Euro, die Konsumenten im Handel oder in der Gastronomie ausgeben, verbleiben lediglich vier Euro bei den Bäuerinnen und Bauern.
Michael Schmidhuber erklärt die Komplexität der Preisbildung: „Globale Krisen, Rohstoffpreise, Verarbeitungsschritte, Verpackung, Transport oder Energiekosten beeinflussen, was am Ende im Regal steht.“ Er stellt klar, dass steigende Preise im Supermarkt nicht automatisch zu höheren Einnahmen für die Landwirte führen.
„Bei einem Kilo Mischbrot zum Durchschnittspreis von 3,40 Euro erhält der landwirtschaftliche Betrieb nur 18 Cent.“
Dieses Beispiel verdeutlicht den enormen Preisdruck, dem die landwirtschaftlichen Betriebe ausgesetzt sind. Sie profitieren kaum von den Preissteigerungen, die bei den Konsumenten ankommen.
Mehr als nur Lebensmittelproduktion
Die Arbeit der Salzburger Bäuerinnen und Bauern geht weit über die reine Lebensmittelversorgung hinaus. Sie sind maßgeblich für die Pflege und den Erhalt der Kulturlandschaft verantwortlich, die Salzburg so lebenswert und für den Tourismus attraktiv macht.
„Oft wird vergessen, dass diese Arbeit nicht nur unsere Lebensmittelversorgung sichert, sie erhält auch jene Landschaften, die den Flachgau und ganz Salzburg so lebenswert machen“, erinnert Schmidhuber. Die Pflege von Grünland, Almen und Ackerflächen ist eine wesentliche Leistung für die gesamte Gesellschaft.
Regionale Produktion im Überblick
- Betriebe: ca. 9.000
- Bio-Anteil: 50 %
- Milchproduktion: > 410.000 Tonnen/Jahr
- Eierproduktion: 53 Millionen Stück/Jahr
Ein Appell für regionale Produkte
Angesichts der doppelten Herausforderung von Lebensmittelverschwendung und Preisdruck plädiert der Bauernbund für ein Umdenken bei den Konsumenten. Die Entscheidung für regionale Produkte sei ein wichtiger Schritt, um die heimische Landwirtschaft zu unterstützen und die Wertschöpfung im ländlichen Raum zu halten.
„Regionale Lebensmittel stehen für Qualität, Frische und kurze Wege“, so Schmidhuber. Der Kauf von Produkten aus der eigenen Region sichert nicht nur Arbeitsplätze, sondern trägt auch zu mehr Nachhaltigkeit bei.
Der Bauernbund will mit seiner Informationskampagne das Bewusstsein dafür schärfen, wie Preise zustande kommen und welchen positiven Effekt eine bewusste Kaufentscheidung haben kann. „Gerade in Zeiten steigender Preise ist es umso wichtiger zu verstehen, wie dieser Preis zustande kommt – und welchen Unterschied es macht, wenn wir uns für Produkte aus unserer eigenen Region entscheiden“, sagt der Bauernbund-Obmann abschließend.





