Die Krankenhäuser in Salzburg schlagen Alarm: Obwohl die Gesamtzahl der Skiunfälle über die Weihnachtsfeiertage nicht gestiegen ist, hat die Schwere der Verletzungen deutlich zugenommen. Mediziner und Rettungskräfte führen dies auf die harten, künstlich beschneiten Pisten aufgrund des Mangels an Naturschnee zurück.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Schwere der Skiunfälle in Salzburg hat zugenommen, obwohl die Gesamtzahl stabil geblieben ist.
- Ursache sind harte, schmale Pisten, die hauptsächlich aus Kunstschnee bestehen.
- Krankenhäuser verzeichnen mehr schwere Verletzungen wie Beckenbrüche und Schädel-Hirn-Traumata.
- Die Intensivstation im Unfallkrankenhaus Salzburg ist ausschließlich mit Pistenunfall-Patienten belegt.
Hohe Belastung für die Krankenhäuser
Die Einsatzkräfte und medizinischen Einrichtungen in der Region stehen unter erheblichem Druck. Allein das Krankenhaus Schwarzach im Pongau behandelte zwischen Weihnachten und Neujahr über 500 Patientinnen und Patienten nach Skiunfällen. An einem einzigen Tag, dem 29. Dezember, landete der Rettungshubschrauber dort 19 Mal, davon 17 Mal aufgrund von Pistenunfällen.
Obwohl die Patientenzahl im Vergleich zur Vorsaison leicht rückläufig war, ist die Art der Verletzungen besorgniserregend. Ein Unfall in diesem Zeitraum endete sogar tödlich. Die Situation im Unfallkrankenhaus in der Stadt Salzburg ist ebenfalls angespannt. Dort werden vor allem die schwersten Fälle behandelt, und die Intensivstation ist derzeit vollständig mit Opfern von Pistenunfällen belegt.
Zahlen im Überblick
- Über 500 Patienten wurden im Krankenhaus Schwarzach nach Skiunfällen behandelt.
- 19 Hubschrauberlandungen an einem einzigen Tag in Schwarzach.
- 100% Auslastung der Intensivstation im UKH Salzburg durch Pistenunfälle.
Die Ursache: Schneemangel und harte Pisten
Experten sind sich einig, dass die aktuellen Pistenverhältnisse die Hauptursache für die Zunahme schwerer Verletzungen sind. Der Mangel an Naturschnee zwingt die Betreiber, fast ausschließlich auf Kunstschnee zu setzen. Dies führt zu Pisten, die oft schmaler und deutlich härter sind als bei einer natürlichen Schneedecke.
Manfred Mittermair, Leiter der Unfallchirurgie im Krankenhaus Schwarzach, erklärt die Zusammenhänge. "Es sind wesentlich mehr Leute auf den Pisten und die haben keine Ausweichmöglichkeiten. Deshalb sind gerade die Kollisionen häufiger und wenn man auf einen sehr harten Untergrund fällt, ist die Verletzung natürlich auch schwerer", so Mittermair.
"Wenn man auf einen sehr harten Untergrund fällt, ist die Verletzung natürlich auch schwerer."
Auf diesen komprimierten, eisigen Oberflächen gibt es kaum Puffer. Ein Sturz, der auf weichem Schnee vielleicht glimpflich ausgehen würde, kann hier zu Knochenbrüchen und schweren Traumata führen. Die schmalen Schneebänder, die sich durch die ansonsten grüne Landschaft ziehen, konzentrieren zudem die Skifahrer auf engem Raum, was das Risiko von Zusammenstößen erhöht.
Die Perspektive der Flugrettung
Auch die Flugrettungsteams, die täglich im Einsatz sind, bestätigen diesen Trend. Die Besatzung des Hubschraubers "Martin 10" kann die Pistenverhältnisse direkt an der Art der Verletzungen ablesen, zu denen sie gerufen wird.
Verletzungsmuster als Indikator
Ein erfahrener Flugretter erklärte, dass er nach wenigen Einsätzen den Zustand der Pisten beurteilen könne. Bei schlechten, harten Bedingungen dominieren schwere Verletzungen. Dazu gehören:
- Oberschenkelbrüche
- Becken- oder Hüftbrüche
- Schädel-Hirn-Traumata
Bei guten Pistenverhältnissen mit weicherem Schnee seien hingegen leichtere Verletzungen wie Unterschenkelbrüche oder ausgekugelte Schultern typischer.
Diese Beobachtung aus der Luft untermauert die Einschätzung der Ärzte am Boden. Die Rettungskräfte sehen eine direkte Korrelation zwischen der Schneequalität und der Schwere der Unfälle. Derzeit überwiegen die Einsätze wegen schwerer Traumata, was die angespannte Lage in den Notaufnahmen und Intensivstationen weiter verschärft.
Was Skifahrer beachten sollten
Angesichts der aktuellen Bedingungen ist auf den Pisten besondere Vorsicht geboten. Die harte Oberfläche verzeiht keine Fahrfehler und erfordert eine angepasste Fahrweise. Skifahrer sollten ihre Geschwindigkeit reduzieren und einen größeren Sicherheitsabstand zu anderen Personen einhalten.
Es ist entscheidend, die eigenen Fähigkeiten nicht zu überschätzen und sich der erhöhten Gefahr bewusst zu sein. Pausen sind wichtig, um Ermüdung vorzubeugen, da viele schwere Unfälle am Nachmittag passieren, wenn die Konzentration nachlässt.
Eine gut gewartete Ausrüstung, insbesondere korrekt eingestellte Bindungen und scharfe Kanten, kann helfen, die Kontrolle auf dem harten Untergrund zu behalten. Das Tragen eines Helms ist unerlässlich, um das Risiko von Kopfverletzungen zu minimieren, die bei Stürzen auf eisigem Untergrund besonders schwer ausfallen können. Die aktuelle Situation erfordert von allen Wintersportlern ein hohes Maß an Eigenverantwortung und Voraussicht.





