In Österreich leben mehr als 400.000 Menschen mit einer von rund 6.000 seltenen Krankheiten. Für viele Betroffene und ihre Familien ist der Weg zur richtigen Diagnose und Behandlung lang und beschwerlich. Der kommende Tag der seltenen Erkrankungen am 28. Februar rückt diese Herausforderungen ins Zentrum und zeigt, welche spezialisierten Hilfsangebote es in Salzburg gibt.
Das Wichtigste in Kürze
- In Österreich sind über 400.000 Menschen von einer seltenen Erkrankung betroffen, die meisten davon Kinder.
- Das Universitätsklinikum Salzburg beherbergt sechs nationale Expertisezentren für spezifische seltene Krankheiten.
- Psychische Unterstützung und Selbsthilfegruppen sind ein entscheidender Faktor für die Lebensqualität von Patienten und Angehörigen.
- Am 14. März 2026 findet im Europark ein Informationstag für Betroffene, Angehörige und Interessierte statt.
Wenn die Diagnose zur Ausnahme wird
Eine Krankheit gilt als selten, wenn nicht mehr als eine von 2.000 Personen davon betroffen ist. Diese Definition verdeutlicht, warum Forschung, Diagnose und Therapie so komplex sind. Die geringe Anzahl an Fällen macht es für Ärzte oft schwierig, ein klares Krankheitsbild zuzuordnen.
Viele dieser Erkrankungen sind genetisch bedingt, verlaufen chronisch und treten bereits im Kindesalter auf. Rund 75 Prozent der Betroffenen sind Kinder, bei denen die Symptome oft mit schweren Entwicklungsstörungen einhergehen. Für die Familien beginnt damit nicht nur ein medizinischer, sondern auch ein emotionaler Marathon.
Zahlen und Fakten
- 6.000+ verschiedene seltene Krankheiten sind bekannt.
- 400.000+ Menschen leben in Österreich mit einer seltenen Erkrankung.
- 75% der Betroffenen sind Kinder.
- 1 von 2.000 Personen: Das ist die maximale Häufigkeit, damit eine Krankheit als selten eingestuft wird.
Der jährliche Tag der seltenen Erkrankungen am 28. Februar soll genau auf diese Situation aufmerksam machen. Es geht darum, Bewusstsein in der Öffentlichkeit zu schaffen und den Betroffenen zu signalisieren, dass sie nicht allein sind.
Salzburg als Zentrum für spezialisierte Medizin
Inmitten dieser Herausforderungen hat sich das Universitätsklinikum Salzburg als wichtiger Anlaufpunkt etabliert. Es beherbergt sechs nationale Expertisezentren, die sich jeweils auf hochspezialisierte Bereiche seltener Krankheiten konzentrieren. Diese Zentren sind international vernetzt und Teil der Europäischen Referenznetzwerke (ERNs), was den Austausch von Wissen über Ländergrenzen hinweg ermöglicht.
Das übergeordnete Zentrum für seltene Krankheiten (ZSK) am Klinikum koordiniert die Zusammenarbeit der verschiedenen Fachbereiche. Hier kommen Experten zusammen, um besonders komplexe oder bisher unklare Fälle zu besprechen und gemeinsam die nächsten diagnostischen und therapeutischen Schritte festzulegen.
Die sechs Expertisezentren im Überblick
Die Spezialisierung der Salzburger Zentren deckt ein breites Spektrum ab:
- Hauterkrankungen: Mit einem Schwerpunkt auf Epidermolysis bullosa, auch bekannt als „Schmetterlingskrankheit“, an der Universitätsklinik für Dermatologie und Allergologie.
- Kraniofaziale Anomalien: Behandlung von Lippen-, Kiefer-, Gaumenspalten und Fehlbildungen des Schädels an der Universitätsklinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie.
- Komplexe Epilepsien: Diagnostik und Therapie an der Universitätsklinik für Neurologie.
- Angeborene Stoffwechselstörungen: Fokus auf Mitochondriopathien und lysosomale Speicherkrankheiten an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde.
- Vaskuläre Anomalien: Spezialisierung auf Gefäßfehlbildungen an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendchirurgie.
- Seltene Augenerkrankungen: Behandlung von Erkrankungen des vorderen Augenabschnitts, Glaukom und Kinderophthalmologie an der Universitätsklinik für Augenheilkunde.
Diese Bündelung von Fachwissen an einem Ort ist für Patienten von unschätzbarem Wert, da sie oft eine lange Odyssee von Arzt zu Arzt hinter sich haben.
Mehr als nur Medizin: Die psychische Belastung
Die Diagnose einer seltenen Krankheit stellt das Leben von Betroffenen und ihren Angehörigen auf den Kopf. Neben den körperlichen Symptomen ist der psychische Druck oft erdrückend. Gefühle von Einsamkeit, Isolation und Hilflosigkeit sind ständige Begleiter.
„Viele fühlen sich alleingelassen, fast schon isoliert von anderen. Aber auch die Angehörigen leiden, denn sie fühlen sich oft hilflos und können ihren Liebsten meist nicht direkt helfen.“
Genau hier setzen Selbsthilfegruppen an. Sie bieten einen geschützten Raum, in dem sich Betroffene und Familienmitglieder austauschen, Informationen teilen und gegenseitig emotionalen Halt geben können. Der Kontakt zu Menschen, die Ähnliches durchleben, kann eine enorme Entlastung sein.
Selbsthilfefreundliches Krankenhaus
Die Salzburger Landeskliniken (SALK) sind als „selbsthilfefreundliches Krankenhaus“ zertifiziert. Das bedeutet, dass die Zusammenarbeit mit Selbsthilfegruppen aktiv gefördert wird. An jedem Klinikstandort gibt es spezielle Ansprechpersonen, die den Kontakt zwischen Patienten und passenden Gruppen herstellen.
Austausch und Information im Europark
Um die Vernetzung weiter zu stärken und die Öffentlichkeit zu informieren, veranstaltet der Dachverband der Selbsthilfegruppen Salzburg einen Thementag. Am Samstag, den 14. März 2026, sind alle Interessierten in den Europark eingeladen.
Auch das Zentrum für seltene Krankheiten der Salzburger Landeskliniken wird mit einem Stand vertreten sein. Die Veranstaltung bietet eine hervorragende Gelegenheit, direkt mit Experten und anderen Betroffenen ins Gespräch zu kommen, sich über spezifische Krankheitsbilder zu informieren und Kontakte zu knüpfen. Das Angebot richtet sich an Patienten, Angehörige und jeden, der mehr über das Thema erfahren möchte.





