Die psychische Belastung bei Kindern und Jugendlichen in Salzburg erreicht ein neues Hoch. Die Beratungsstelle „Kids-Line“ verzeichnet für das Jahr 2025 eine Rekordzahl an Anfragen per Telefon und Chat. Die Organisation steht vor großen Herausforderungen und sucht dringend ehrenamtliche Unterstützung, um dem wachsenden Bedarf gerecht zu werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Kids-Line Salzburg verzeichnete 2025 eine Rekordnachfrage bei Telefon- und Chat-Beratungen.
- Leiterin Theresa Schimke warnt vor einer zunehmenden psychischen Belastung bei jungen Menschen, die sich seit der Pandemie nicht entspannt hat.
- Die Organisation sucht dringend qualifizierte ehrenamtliche Mitarbeiter, um die Erreichbarkeit sicherzustellen.
- Gesetzesänderungen im Psychotherapiebereich erschweren die Arbeit und könnten zu Einschränkungen des Angebots führen.
Alarmierende Zahlen: Psychischer Druck auf junge Menschen steigt
Die neuesten Daten der „Kids-Line“ Salzburg zeichnen ein besorgniserregendes Bild. Der Jahresbericht für 2025 zeigt, dass die Nachfrage nach anonymer und niederschwelliger Beratung für Kinder und Jugendliche drastisch gestiegen ist. Sowohl die Telefonanrufe als auch die Chatanfragen haben im Vergleich zum Vorjahr und im Langzeitvergleich neue Höchststände erreicht.
„Wir sehen es in den täglichen Beratungsgesprächen und wir sehen es auch in den Zahlen – die psychische Belastung bei Kindern und Jugendlichen ist groß“, erklärt Theresa Schimke, die Leiterin der Kids-Line. Entgegen der Hoffnung hat sich die Situation nach den Jahren der Corona-Pandemie nicht verbessert.
Ganz im Gegenteil: Die Einrichtung musste 2025 in allen Bereichen ihres Angebots traurige Rekorde verzeichnen. Dies deutet auf einen anhaltenden und wachsenden Bedarf an psychosozialer Unterstützung für die jüngsten Mitglieder unserer Gesellschaft hin.
Chat-Beratung besonders gefragt
Vor allem die Anfragen über den Chat-Dienst bewegen sich auf einem konstant hohen Niveau mit einem weiteren leichten Anstieg gegenüber dem Vorjahr. Diese Form der Kommunikation bietet eine besonders niedrige Hemmschwelle für junge Menschen, über ihre Sorgen zu sprechen.
Ein Anker in stürmischen Zeiten
Seit über 25 Jahren bietet die Kids-Line in Salzburg Kindern und Jugendlichen einen sicheren Hafen. Die Mission ist es, ein offenes Ohr zu haben, Halt zu geben und in schwierigen Lebensphasen zu begleiten. Die Beratung ist anonym und kostenlos, was den Zugang für Hilfesuchende erheblich erleichtert.
„Es geht um ein Auffangen, um ein bedingungsloses Da-Sein und um das Zuhören. Es ist ein Raum, in dem wir versuchen, Vertrauen aufzubauen und zu stabilisieren.“Theresa Schimke, Leiterin der Kids-Line
Die Beraterinnen und Berater der Kids-Line fungieren als wichtiger Anker, der Kindern und Jugendlichen Halt und Struktur gibt. In einer Welt, die oft komplex und überfordernd erscheint, ist ein solcher verlässlicher Kontaktpunkt von unschätzbarem Wert.
Die Themen sind vielfältig
Die Gründe, warum sich junge Menschen an die Kids-Line wenden, sind breit gefächert. Sie reichen von alltäglichen Sorgen wie Schulstress und Problemen mit Freunden über familiäre Konflikte bis hin zu ernsten psychischen Krisen wie Depressionen, Angststörungen oder suizidalen Gedanken. Die Anonymität hilft dabei, auch über tabuisierte Themen offen sprechen zu können.
Freiwillige dringend gesucht
Um der steigenden Nachfrage weiterhin gerecht werden zu können, ist die Organisation dringend auf ehrenamtliche Unterstützung angewiesen. Ohne neue Helferinnen und Helfer drohen massive Einschränkungen in der Erreichbarkeit, warnt Schimke. Dies würde bedeuten, dass viele Anrufe und Chatanfragen unbeantwortet bleiben könnten.
Gesucht werden engagierte Menschen, die bereit sind, einen Teil ihrer Zeit zu investieren, um jungen Menschen in Not beizustehen. Die Anforderungen an die Freiwilligen sind jedoch spezifisch, um die hohe Qualität der Beratung sicherzustellen.
Wer wird gesucht?
Die Kids-Line sucht vor allem Personen mit Interesse an psychosozialer Arbeit. Idealerweise bringen Bewerberinnen und Bewerber eine abgeschlossene Ausbildung in einem der folgenden Bereiche mit:
- Psychotherapie
- Psychologie
- Lebens- und Sozialberatung
- Soziale Arbeit
Interessierte durchlaufen eine umfassende Einschulung, um auf die anspruchsvolle Tätigkeit vorbereitet zu werden.
Gesetzliche Hürden erschweren die Arbeit
Zusätzlich zum Personalmangel sieht sich die Kids-Line mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Eine kürzlich erfolgte Änderung des Psychotherapiegesetzes erschwert die Rahmenbedingungen für Beratungsstellen wie diese.
„In einer Zeit, wo unsere Arbeit durch die gesetzlichen Rahmenbedingungen erschwert wird und wir um jede Unterstützung kämpfen müssen, kommen immer mehr junge Menschen zu uns, die Hilfe brauchen“, so Schimke. Sie blickt besorgt in die Zukunft und betont die Dringlichkeit der Situation.
Wenn sich die aktuellen Trends fortsetzen – steigende Nachfrage bei gleichzeitig erschwerten Bedingungen – könnten die Folgen gravierend sein. „Wenn das so weitergeht, wird es zu massiven Einschränkungen in der Erreichbarkeit kommen“, prognostiziert die Leiterin. Der Appell an die Gesellschaft und potenzielle Unterstützer ist daher lauter denn je: Die psychische Gesundheit der Jugend braucht mehr Ressourcen und engagierte Helfer.





