Ein neuer Preis soll die oft unsichtbare Arbeit von Pflegekräften in Salzburg würdigen. Der „Salzburger Pflegepreis“, der im Mai 2026 erstmals verliehen wird, rückt das Engagement und die Professionalität der Menschen in diesem unverzichtbaren Sektor ins Rampenlicht. Die Initiative zielt darauf ab, die öffentliche Wahrnehmung für die Herausforderungen und die Bedeutung der Pflege zu schärfen.
Die 38-jährige diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin Sandra Schnöll aus Kuchl sieht in der Auszeichnung eine wichtige Geste. Sie betont, dass die Pflege jeden in der Gesellschaft betrifft, aber oft als selbstverständlich angesehen wird. Der Preis soll helfen, diese wichtige Arbeit sichtbar zu machen und ihr die verdiente Anerkennung zu verschaffen.
Das Wichtigste in Kürze
- Neue Auszeichnung: Im Mai 2026 wird erstmals der Salzburger Pflegepreis verliehen, um Pflegekräfte, Teams und Projekte zu ehren.
- Ziel der Initiative: Der Preis soll die oft im Hintergrund stattfindende Arbeit der Pflege sichtbar machen und die öffentliche Wertschätzung steigern.
- Fachliche Perspektive: Die erfahrene Pflegerin Sandra Schnöll begrüßt den Preis als wichtigen Schritt, um die zentrale Rolle der Pflege in der Gesellschaft hervorzuheben.
- Zukunft der Pflege: Schnöll sieht in mobilen Pflegestrukturen und Pflegepraxen eine entscheidende Ergänzung, um das Gesundheitssystem zu entlasten.
Ein Preis für die „stillen Helden“ des Alltags
Pflege findet oft im Verborgenen statt. Sie ist eine Arbeit, die rund um die Uhr geleistet wird, mit hoher fachlicher Kompetenz und großem emotionalem Einsatz. Doch diese Leistung wird in der öffentlichen Diskussion selten in dem Maße gewürdigt, das ihr zusteht. Der neu ins Leben gerufene Salzburger Pflegepreis will genau das ändern.
Die Initiative, die von MeinBezirk Salzburg getragen wird, bietet eine Bühne für herausragende Leistungen in der Pflege. Es geht nicht nur darum, Einzelpersonen auszuzeichnen, sondern auch ganze Teams und innovative Projekte, die die Pflege in der Region voranbringen. Die Verleihung im Mai 2026 markiert den Auftakt für eine jährliche Würdigung dieses systemrelevanten Berufsfeldes.
Sandra Schnöll, die selbst eine beeindruckende Karriere in der Pflege vorweisen kann, unterstützt die Einführung des Preises nachdrücklich. Ihre Laufbahn führte sie von der Arbeit als medizinische Assistentin über die Ausbildung zur diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegerin bis hin zur Intensivstation im Landeskrankenhaus Salzburg.
„Ich bin überzeugt, dass ein Pflegepreis wie dieser einen wichtigen Beitrag leisten kann, dem Thema Pflege die Aufmerksamkeit zu geben, die es verdient. Pflege betrifft uns alle – direkt oder indirekt – und findet dennoch meist still, verlässlich und als Selbstverständlichkeit im Hintergrund statt.“
Diese Worte von Schnöll fassen die Kernidee des Preises zusammen: Es geht darum, das Selbstverständliche als etwas Besonderes anzuerkennen und die Menschen dahinter zu ehren.
Wer kann nominiert werden?
Für den Salzburger Pflegepreis können Einzelpersonen, Pflegeteams oder innovative Pflegeprojekte aus dem gesamten Bundesland Salzburg vorgeschlagen werden. Die Auszeichnung soll die Vielfalt der Pflege abbilden – von der stationären Betreuung im Krankenhaus oder Seniorenheim bis hin zur mobilen Pflege zu Hause.
Von der Intensivstation zur eigenen Praxis: Ein Weg aus Leidenschaft
Der Werdegang von Sandra Schnöll ist ein Beispiel für die vielfältigen Möglichkeiten und die hohe Professionalität im Pflegeberuf. Die gebürtige Lungauerin sammelte nicht nur wertvolle Erfahrungen auf der internistischen Intensivstation, sondern engagierte sich auch 13 Jahre lang ehrenamtlich als Rettungssanitäterin beim Roten Kreuz. Diese breite Erfahrung ermöglichte es ihr, Menschen in den unterschiedlichsten und oft schwierigsten Lebenslagen zu helfen.
Ihre Leidenschaft für den Beruf und der Wunsch, das Gesundheitssystem aktiv mitzugestalten, führten sie schließlich in die Selbstständigkeit. Schnöll gründete „LebensWert“, ein Unternehmen für mobile medizinische Krankenpflege und Gesundheitsförderung. Damit schuf sie ein Angebot, das dort ansetzt, wo viele Menschen Unterstützung benötigen: in den eigenen vier Wänden.
Die Pflegepraxis als Ergänzung zum System
Zusätzlich zur mobilen Pflege eröffnete die Mutter eine eigene Pflegepraxis in Kuchl. Dieses Konzept ist in Österreich noch relativ neu, aber aus Schnölls Sicht ein entscheidender Baustein für die Zukunft der Gesundheitsversorgung. „Das Ziel dieser Praxis ist es, das Gesundheitssystem zu entlasten, Hausärzte zu unterstützen, Krankenhausaufenthalte zu vermeiden oder zu verkürzen und so Drehtüreffekte zu verhindern“, erklärt sie.
In einer Pflegepraxis können Patienten niederschwellige medizinische Leistungen in Anspruch nehmen, die von qualifizierten Pflegefachkräften durchgeführt werden. Das entlastet nicht nur die Arztpraxen, sondern bietet den Menschen eine unkomplizierte Anlaufstelle für ihre Gesundheitsfragen.
Was ist ein Drehtüreffekt?
Als „Drehtüreffekt“ bezeichnet man im Gesundheitswesen die Situation, wenn Patienten kurz nach ihrer Entlassung aus dem Krankenhaus erneut aufgenommen werden müssen. Dies geschieht oft, weil die Nachsorge zu Hause nicht ausreichend sichergestellt ist. Mobile Pflegedienste und Pflegepraxen können helfen, diesen Kreislauf zu durchbrechen.
Die Zukunft der Pflege liegt in der Flexibilität
Sandra Schnöll ist überzeugt, dass Modelle wie mobile Pflegedienste und Pflegepraxen in Zukunft eine immer wichtigere Rolle spielen werden. Sie sieht darin eine notwendige Antwort auf die demografische Entwicklung und die wachsenden Anforderungen an das Gesundheitssystem.
„Sie 'fangen' Menschen dort ab, wo das System oft Lücken hat – zu Hause, nach Krankenhausaufenthalten, bei chronischen Erkrankungen oder in herausfordernden Lebensphasen“, so Schnöll. Durch eine frühzeitige und professionelle Begleitung könnten viele Krisen und unnötige Spitalsaufenthalte vermieden werden. Es geht um Prävention, Beratung und Koordination – Aufgaben, die von qualifizierten Pflegekräften ideal übernommen werden können.
Diese neuen Strukturen sind keine Konkurrenz, sondern eine ergänzende Säule im Gesundheitssystem. Sie arbeiten eng mit Hausärzten, Krankenhäusern und anderen Gesundheitsdienstleistern zusammen, um eine lückenlose Versorgungskette für die Patienten zu gewährleisten. Die Arbeit von engagierten Pflegerinnen wie Sandra Schnöll zeigt, dass Innovation in der Pflege nicht nur möglich, sondern dringend notwendig ist.
Der Salzburger Pflegepreis 2026 wird dazu beitragen, solche Pioniere und ihre Ideen einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Er soll nicht nur eine Anerkennung für Geleistetes sein, sondern auch ein Ansporn für die Zukunft – eine Zukunft, in der die Pflege den Stellenwert erhält, den sie verdient.





