Ein signifikanter Masern-Ausbruch im Bundesland Salzburg sorgt für wachsende Beunruhigung in der benachbarten bayerischen Region. Mit 41 bestätigten Fällen einer der ansteckendsten Infektionskrankheiten rückt die Impfquote im grenznahen Berchtesgadener Land in den Fokus der Gesundheitsbehörden.
Die Situation verdeutlicht die Verletzlichkeit von Grenzregionen bei hochansteckenden Krankheiten, insbesondere wenn die Impfraten nicht den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation entsprechen. Experten warnen vor einer schnellen Ausbreitung über die Grenze hinweg.
Aktueller Masern-Ausbruch in Salzburg
Die Zahl der gemeldeten Masernfälle im Bundesland Salzburg hat die Marke von 40 überschritten. Aktuell sind 41 Fälle offiziell bestätigt. Dieser plötzliche Anstieg stellt für die österreichischen Gesundheitsbehörden eine ernste Herausforderung dar und hat die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Thema Impfschutz gelenkt.
Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit. Sie werden durch Viren ausgelöst und sind extrem ansteckend. Eine Übertragung erfolgt durch Tröpfcheninfektion, also beim Sprechen, Husten oder Niesen. Bereits ein kurzer Kontakt mit einer infizierten Person kann für ungeschützte Menschen zur Ansteckung führen.
Warum sind Masern so gefährlich?
Die Erkrankung schwächt das Immunsystem für mehrere Wochen bis Monate, was Betroffene anfälliger für andere schwere Infektionen wie Lungenentzündungen macht. In seltenen, aber tragischen Fällen kann es Jahre nach der eigentlichen Infektion zu einer tödlich verlaufenden Gehirnentzündung, der subakuten sklerosierenden Panenzephalitis (SSPE), kommen.
Als eine der Hauptursachen für den aktuellen Ausbruch wird die niedrige Impfquote in Österreich vermutet. Landesweit liegt die Durchimpfungsrate für Masern bei nur etwa 71 Prozent. Dieser Wert liegt deutlich unter der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlenen Quote von 95 Prozent, die notwendig ist, um eine sogenannte Herdenimmunität zu erreichen und die Zirkulation des Virus effektiv zu stoppen.
Blick über die Grenze: Die Lage im Berchtesgadener Land
Die geografische Nähe und der rege Pendler- und Touristenverkehr zwischen Salzburg und dem Berchtesgadener Land erhöhen das Risiko einer Ausbreitung der Krankheit nach Bayern. Das Landratsamt Berchtesgadener Land beobachtet die Entwicklung daher mit großer Aufmerksamkeit.
Obwohl aktuelle Zahlen zur Impfquote schwer zu erheben sind, geben ältere Daten Anlass zur Sorge. Die letzten veröffentlichten Zahlen für Einschulungskinder stammen aus dem Schuljahr 2019/20 und sind im Gesundheitsatlas Bayern dokumentiert.
Impfquoten in der Region (Stand 2019/20)
- Landkreis Berchtesgadener Land: 91,2 %
- Landkreis Garmisch-Partenkirchen: 82,4 %
- Landkreis Ostallgäu: 94,1 %
Diese Zahlen zeigen, dass die Region im bayern- und deutschlandweiten Vergleich eher im unteren Drittel lag. Insbesondere der Wert für das Berchtesgadener Land liegt unter der kritischen Marke von 95 %.
Die Daten von 2019/20 zeigen, dass selbst vor der Pandemie die Impfziele nicht überall erreicht wurden. Es ist unklar, wie sich die Impfbereitschaft in den letzten Jahren entwickelt hat. Gesundheitsämter betonen jedoch die Wichtigkeit eines vollständigen Impfschutzes, der aus zwei Impfdosen besteht.
Die Bedeutung des Impfschutzes
Der einzige wirksame Schutz gegen Masern ist die Impfung. Die Ständige Impfkommission (STIKO) in Deutschland empfiehlt eine kombinierte Impfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR). Die erste Dosis sollte im Alter von 11 bis 14 Monaten verabreicht werden, die zweite Dosis im Alter von 15 bis 23 Monaten.
Auch für Erwachsene ist ein vollständiger Impfschutz entscheidend. Besonders für nach 1970 geborene Personen, die als Kind keine oder nur eine Impfung erhalten haben oder deren Impfstatus unklar ist, wird eine einmalige Nachholimpfung empfohlen. Dies gilt insbesondere für Personen, die im Gesundheitswesen oder in Gemeinschaftseinrichtungen arbeiten.
Was bedeutet das für die Bevölkerung?
Für die Bewohner des Berchtesgadener Landes und der gesamten Grenzregion ist es jetzt an der Zeit, den eigenen Impfstatus und den der Familienmitglieder zu überprüfen. Ein Blick in den Impfpass gibt Aufschluss darüber, ob der Schutz gegen Masern vollständig ist.
Symptome einer Masernerkrankung beginnen oft unspezifisch mit Fieber, Schnupfen, Husten und Bindehautentzündung. Erst nach einigen Tagen erscheint der typische rote, fleckige Hautausschlag, der meist im Gesicht und hinter den Ohren beginnt und sich dann über den ganzen Körper ausbreitet.
Wichtige Handlungsempfehlungen
- Impfstatus prüfen: Kontrollieren Sie Ihren Impfpass und den Ihrer Kinder. Für einen vollständigen Schutz sind zwei Masern-Impfungen erforderlich.
- Beratung suchen: Bei Unsicherheiten oder fehlendem Impfschutz sollten Sie Ihren Haus- oder Kinderarzt konsultieren.
- Symptome ernst nehmen: Bei Anzeichen einer Masernerkrankung umgehend ärztlichen Rat einholen und Kontakte zu anderen Personen meiden, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.
Der aktuelle Ausbruch in Salzburg ist eine deutliche Mahnung, dass Infektionskrankheiten, die durch Impfungen vermeidbar wären, jederzeit wieder zu einer realen Bedrohung werden können. Ein hoher Impfschutz in der gesamten Bevölkerung ist der Schlüssel, um Einzelpersonen und die Gemeinschaft wirksam zu schützen.





