Salzburg verzeichnete im Jahr 2023 eine traurige Rekordzahl bei Drogentodesfällen. Insgesamt 15 Menschen verloren im Bundesland ihr Leben durch eine Überdosis. Österreichweit waren es mehr als 250 Personen. Diese alarmierenden Zahlen werfen trotz etablierter Hilfsangebote dringende Fragen zur Wirksamkeit der aktuellen Strategien auf und entfachen eine Debatte über neue Präventionsansätze.
Die steigende Zahl der Todesfälle stellt eine enorme Herausforderung für die Suchthilfe Salzburg dar, die täglich mit mobilen und stationären Diensten im Einsatz ist. Während die Kontaktzahlen zu Hilfesuchenden hoch sind, wird der Ruf nach erweiterten Maßnahmen wie „Drug Checking“ immer lauter, um zukünftige Tragödien zu verhindern.
Wichtige Erkenntnisse
- Im Jahr 2023 starben 15 Menschen in Salzburg an einer Überdosis, ein neuer Höchstwert für das Bundesland.
- Österreichweit gab es im selben Jahr über 250 Drogentote.
- Das „BaseCamp mobil“ der Suchthilfe Salzburg ist eine zentrale Anlaufstelle, die weit mehr als nur Spritzentausch anbietet.
- Trotz hoher Inanspruchnahme der Hilfsangebote steigt die Todesrate, was eine Diskussion über neue Präventionsmethoden wie „Drug Checking“ auslöst.
Ein trauriger Rekord für Salzburg
Die offiziellen Zahlen für das Jahr 2023 sind besorgniserregend. Mit 15 Todesfällen durch Drogenkonsum hat Salzburg einen neuen, traurigen Höhepunkt erreicht. Diese Entwicklung spiegelt einen landesweiten Trend wider, denn in ganz Österreich verloren mehr als 250 Menschen ihr Leben durch eine Überdosis. Jeder einzelne Fall ist eine persönliche Tragödie und ein Weckruf für die Gesellschaft.
Die Statistiken zeigen, dass der Bedarf an Unterstützung ungebrochen hoch ist. Obwohl die Zahl der Klientenkontakte bei mobilen Diensten nach einem starken Anstieg in den Jahren 2022 und 2023 im Jahr 2024 leicht zurückging, bleibt die Lage angespannt. Ein Indikator dafür ist die hohe Anzahl an ausgetauschten Spritzen.
Zahlen im Überblick
Im Jahr 2024 wurden allein durch das mobile Team der Suchthilfe Salzburg 339.056 sterile Spritzen ausgegeben. Diese Zahl liegt nur knapp unter dem Vorjahreswert und deutet auf einen anhaltend hohen Konsum von intravenös verabreichten Drogen in der Region hin.
Hilfe auf vier Rädern: Das BaseCamp mobil
Ein zentraler Pfeiler der Drogenhilfe in Salzburg ist das „BaseCamp mobil“. Dabei handelt es sich um einen Kleinbus der Suchthilfe Salzburg, der gezielt verschiedene Standorte im Bundesland anfährt. Das Ziel ist es, Hilfe direkt zu den Menschen zu bringen, die oft nur schwer Zugang zum regulären Hilfesystem finden.
Die Arbeit des BaseCamps wird oft fälschlicherweise auf den reinen Spritzentausch reduziert. Zwar ist die Ausgabe von sterilem Konsummaterial und die Entgegennahme gebrauchter Spritzen ein wichtiger Teil der Arbeit, um Infektionskrankheiten wie HIV oder Hepatitis C vorzubeugen, doch das Angebot geht weit darüber hinaus.
Mehr als nur Spritzentausch
Das Team des BaseCamp mobil bietet ein umfassendes niedrigschwelliges Beratungs- und Unterstützungsangebot. Dazu gehören:
- Informationsgespräche zu Sucht und Gesundheit
- Unterstützung bei alltäglichen Problemen und Behördengängen
- Hilfe beim Ausfüllen von Anträgen
- Kostenlose und anonyme HIV- und Hepatitis-C-Screenings
- Allgemeine Gesundheitsberatung und Wundversorgung
„Unser Ziel ist es, eine Vertrauensbasis zu schaffen und als verlässlicher Ansprechpartner zu fungieren“, erklärt Gottfried Jakober, Geschäftsführer der Suchthilfe Salzburg. „Für viele unserer Klienten ist der Bus die erste und manchmal einzige Anlaufstelle, bei der sie ohne Vorurteile Hilfe erhalten.“
Warum sterben trotzdem mehr Menschen?
Angesichts der steigenden Todeszahlen stellt sich die Frage, ob die bestehenden Angebote ausreichen. Kritiker weisen oft auf eine zu geringe Präsenz der Hilfsangebote im öffentlichen Raum und auf eingeschränkte Öffnungszeiten hin, die nicht immer den Lebensrealitäten von Drogenkonsumenten entsprechen.
Ein weiterer Faktor ist die sich ständig verändernde Zusammensetzung der auf dem Schwarzmarkt erhältlichen Substanzen. Oft wissen Konsumenten nicht, welche Wirkstoffe in welcher Konzentration in den von ihnen gekauften Drogen enthalten sind. Unerwartet hohe Dosierungen oder gefährliche Beimischungen können schnell zu einer lebensbedrohlichen Überdosis führen.
„Die Unberechenbarkeit des Schwarzmarktes ist eine der größten Gefahren. Konsumenten können die Reinheit oder die genaue Zusammensetzung einer Substanz nie sicher einschätzen. Das ist wie russisches Roulette.“
Diese Unvorhersehbarkeit macht präventive Maßnahmen umso wichtiger. Die reine Verfügbarkeit von Hilfsangeboten scheint nicht mehr auszureichen, um die steigende Zahl an Todesfällen zu stoppen.
Der Ruf nach neuen Ansätzen: Drug Checking als Option?
Aufgrund der ernsten Lage fordern Experten und Betroffenenorganisationen einen Ausbau und eine Modernisierung der Drogenhilfe. Ein Ansatz, der in anderen Städten wie Innsbruck bereits erfolgreich praktiziert wird, ist das sogenannte „Drug Checking“.
Beim Drug Checking können Konsumenten Drogen anonym testen lassen. Eine chemische Analyse gibt Aufschluss über die genauen Inhaltsstoffe und deren Konzentration. Diese Information ermöglicht es den Nutzern, die Risiken besser einzuschätzen und potenziell lebensgefährliche Substanzen zu meiden.
Wie Drug Checking funktioniert:
- Anonyme Abgabe: Eine kleine Probe der Substanz wird bei einer Beratungsstelle abgegeben.
- Laboranalyse: Die Probe wird im Labor auf ihre Inhaltsstoffe und deren Menge untersucht.
- Ergebnis und Beratung: Der Konsument erhält das Ergebnis und wird gleichzeitig über die spezifischen Risiken der festgestellten Substanzen aufgeklärt.
Organisationen wie das Z6 in Innsbruck nutzen diese Methode nicht nur zum Schutz des Einzelnen, sondern auch als Frühwarnsystem. Tauchen besonders gefährliche oder hochdosierte Substanzen auf dem Markt auf, können gezielte Warnungen an die Szene und die Öffentlichkeit herausgegeben werden.
Ob ein solches Angebot auch in Salzburg eingeführt wird, ist derzeit noch unklar. Die Diskussion darüber hat jedoch durch die jüngsten Todeszahlen neuen Auftrieb erhalten. Landeshauptmann-Stellvertreter Heinrich Schellhorn betonte in der Vergangenheit die Wichtigkeit der Präventionsarbeit und der bestehenden Angebote. Die aktuelle Entwicklung zeigt jedoch, dass eine Weiterentwicklung der Strategien dringend notwendig sein könnte, um weitere Todesfälle zu verhindern.





