Während die kalte Jahreszeit mit ihren kurzen Tagen und dem anhaltenden Nebel vielen Salzburgern aufs Gemüt schlägt, rückt eine altbewährte Ressource in den Fokus: die Musik von Wolfgang Amadeus Mozart. Experten sehen in seinen Kompositionen mehr als nur ein Kulturerbe; sie könnten ein wirksames Mittel zur Linderung der Symptome einer saisonal-affektiven Störung, auch Winterdepression genannt, sein.
Das Wichtigste in Kürze
- Die dunkle Jahreszeit führt bei vielen Menschen zu Symptomen einer Winterdepression, wie Antriebslosigkeit und gedrückter Stimmung.
- Musiktherapeuten und Psychologen erkennen die positive Wirkung von klassischer Musik, insbesondere von Mozart, auf die mentale Gesundheit an.
- Die komplexen, aber harmonischen Strukturen in Mozarts Werken können die Ausschüttung von Glückshormonen wie Dopamin anregen.
- Salzburg feiert den 270. Geburtstag seines berühmtesten Sohnes und nutzt die Gelegenheit, um auf den therapeutischen Wert seiner Musik hinzuweisen.
Die Wissenschaft hinter der Wirkung
Die Vorstellung, dass Musik die Stimmung beeinflusst, ist nicht neu. Doch die spezifische Wirkung von Mozarts Kompositionen wird seit Jahrzehnten wissenschaftlich untersucht. Die Forschung deutet darauf hin, dass die einzigartigen Frequenzmuster und die rhythmische Struktur seiner Stücke eine besondere Resonanz im menschlichen Gehirn erzeugen können.
Neurologische Studien haben gezeigt, dass das Hören von Musik, die reich an hochfrequenten Tönen ist – ein Merkmal vieler Mozart-Werke –, die Gehirnaktivität stimuliert. Dies kann zu einer verbesserten Konzentration, Kreativität und emotionalen Ausgeglichenheit führen.
Was ist eine Winterdepression?
Die saisonal-affektive Störung (SAD), umgangssprachlich als Winterdepression bekannt, ist eine Form der Depression, die typischerweise in den Herbst- und Wintermonaten auftritt. Sie wird hauptsächlich durch den Mangel an natürlichem Tageslicht verursacht, der den Serotonin- und Melatoninspiegel im Körper beeinflusst. Symptome sind oft Müdigkeit, gedrückte Stimmung und ein erhöhtes Schlafbedürfnis.
Dr. Eva Gruber, eine fiktive Salzburger Psychologin, die sich auf Musiktherapie spezialisiert hat, erklärt den Mechanismus: „Mozarts Musik ist mathematisch präzise und gleichzeitig emotional zugänglich. Diese Kombination spricht sowohl unsere kognitiven als auch unsere emotionalen Zentren an. Das Gehirn wird angeregt, ohne überfordert zu werden, was zur Freisetzung von Dopamin führen kann – einem Neurotransmitter, der für Freude und Motivation zuständig ist.“
Mehr als nur der „Mozart-Effekt“
In den 1990er Jahren wurde der sogenannte „Mozart-Effekt“ populär, der besagte, dass das Hören seiner Sonaten die Intelligenz steigern könne. Während diese Theorie in ihrer ursprünglichen Form weitgehend widerlegt wurde, bleibt die positive psychologische Wirkung unbestritten.
Es geht weniger um eine kurzfristige Steigerung des IQs als vielmehr um eine nachhaltige Verbesserung des emotionalen Wohlbefindens. Besonders in Zeiten, in denen äußere Umstände wie geopolitische Konflikte und wirtschaftliche Unsicherheit für zusätzlichen Stress sorgen, kann Musik als emotionaler Anker dienen.
„In einer Welt voller Lärm und Hektik bietet Mozart eine Oase der Ordnung und Schönheit. Seine Musik erinnert uns daran, dass es trotz allem Chaos noch Harmonie gibt. Das ist für die Seele unglaublich heilsam“, so Dr. Gruber.
Praktische Tipps für den Alltag
Die Integration von Mozarts Musik in den Alltag erfordert keinen großen Aufwand. Experten empfehlen folgende einfache Schritte:
- Morgenritual: Beginnen Sie den Tag mit einem beschwingten Stück wie der Ouvertüre zu „Die Hochzeit des Figaro“, um die Stimmung zu heben.
- Bei der Arbeit: Zur Konzentration eignen sich die Klavierkonzerte, da sie oft eine klare und beruhigende Struktur aufweisen.
- Entspannung am Abend: Langsame Sätze aus seinen Streichquartetten oder das Klarinettenkonzert A-Dur können helfen, Stress abzubauen und zur Ruhe zu kommen.
Statistik zur mentalen Gesundheit
Schätzungen zufolge leiden in Österreich bis zu 10 % der Bevölkerung in den Wintermonaten an einer Form der saisonalen Verstimmung. Die Symptome können von leichter Melancholie bis zu einer ausgewachsenen Depression reichen.
Salzburg feiert sein Erbe
Anlässlich von Mozarts 270. Geburtstag am 27. Januar rückt seine Heimatstadt Salzburg das zeitlose Erbe des Komponisten in den Mittelpunkt. Doch die Feierlichkeiten gehen über den reinen Tourismus hinaus. Es ist eine Erinnerung daran, welch wertvolle Ressource die Stadt in ihrer DNA trägt.
Die Stiftung Mozarteum und andere Kulturinstitutionen der Stadt betonen zunehmend den gesundheitlichen und gesellschaftlichen Wert der Musik. Konzerte werden nicht nur als künstlerische Darbietungen, sondern auch als Gelegenheiten zur mentalen Regeneration beworben.
Gerade in einem langen, kalten Winter, der durch wirtschaftliche Sorgen und globale Krisen zusätzlich belastet wird, bietet die Musik Mozarts einen niederschwelligen Zugang zu Trost und Zuversicht. Sie ist ein kulturelles Erbe, das heute relevanter denn je ist – nicht nur für Touristen, sondern für jeden einzelnen Bewohner Salzburgs, der nach einem Lichtblick in der Dunkelheit sucht.





