Das Land Salzburg leitet eine umfassende Neuorganisation seiner Krankenhauslandschaft ein. Mit der Gründung der „Land Salzburg Gesundheits-Holding GmbH“ werden ab dem 1. Januar 2026 mehrere Gemeindespitäler unter ein zentrales Dach gestellt. Ziel ist die finanzielle Absicherung der Standorte, doch die Umstrukturierung wird auch zu einer Konzentration von medizinischen Leistungen führen.
Gesundheitslandesrätin Daniela Gutschi (ÖVP) betont, dass dieser Schritt unumgänglich sei, um die Gesundheitsversorgung langfristig zu sichern. Für Patienten und Personal im Pinzgau und in Oberndorf beginnt damit eine Phase der Veränderung.
Das Wichtigste in Kürze
- Ab 1. Januar 2026 werden das Tauernklinikum (Zell am See, Mittersill) und das Krankenhaus Oberndorf in die neue Landes-Gesundheitsholding integriert.
- Das Land Salzburg übernimmt zu 100 Prozent die finanziellen Defizite dieser Spitäler, um die Trägergemeinden zu entlasten.
- Die Umstrukturierung führt zu einer Zentralisierung der Verwaltung und einer Spezialisierung der medizinischen Angebote an den einzelnen Standorten.
- Gesundheitslandesrätin Daniela Gutschi stellt klar, dass nicht mehr jedes Krankenhaus alle bisherigen Leistungen anbieten wird.
Eine Holding für die finanzielle Stabilität
Die finanzielle Belastung für die Gemeinden Zell am See und Oberndorf als bisherige Träger ihrer Krankenhäuser war in den letzten Jahren stark gestiegen. Die explodierenden Abgänge machten eine Neuaufstellung der Strukturen notwendig.
Die im März 2025 gegründete „Land Salzburg Gesundheits-Holding GmbH“ soll hier Abhilfe schaffen. Als alleiniger Eigentümer wird das Land Salzburg die finanzielle Verantwortung für die übernommenen Spitäler tragen. Dies schafft einen rechtlichen und finanziellen Rahmen, um den Fortbestand der regionalen Gesundheitsversorgung zu sichern.
Konkret bedeutet dies, dass das Land die Defizite vollständig ausgleicht. Für die betroffenen Gemeinden ist dies eine erhebliche Entlastung, die es ihnen ermöglicht, ihre Budgets für andere kommunale Aufgaben zu stabilisieren.
Was bedeutet die Übernahme?
Die Integration in die Holding ist mehr als nur ein Eigentümerwechsel. Sie ist der Beginn einer tiefgreifenden Neustrukturierung. Ein zentraler Punkt ist die Zusammenlegung von Verwaltungsbereichen. Bereiche wie Personalwesen, Buchhaltung und Einkauf sollen zentralisiert werden, um Effizienz zu steigern und Kosten zu senken.
Während diese administrativen Änderungen vor allem hinter den Kulissen stattfinden, werden die spürbarsten Veränderungen die medizinischen Angebote betreffen.
Finanzielle Entlastung
Mit der Übernahme der Spitäler durch die Holding des Landes werden die Standortgemeinden Zell am See und Oberndorf von der Pflicht befreit, die jährlichen Defizite auszugleichen. Diese Aufgabe übernimmt nun zu 100 Prozent das Land Salzburg.
Die Zukunft der medizinischen Versorgung
Die klare Ansage aus der Politik lautet, dass eine flächendeckende Versorgung mit allen medizinischen Spezialgebieten an jedem Standort nicht mehr aufrechterhalten werden kann. Gesundheitslandesrätin Daniela Gutschi formuliert es direkt:
„Wir können uns nicht mehr überall alles leisten.“
Dieser Satz deutet auf eine bevorstehende Spezialisierung der Krankenhäuser hin. Anstatt dass jedes Spital ein breites Spektrum an Leistungen anbietet, sollen sich die einzelnen Häuser auf bestimmte medizinische Schwerpunkte konzentrieren. So könnte ein Standort beispielsweise zum Zentrum für Orthopädie ausgebaut werden, während ein anderer sich auf Innere Medizin oder Geriatrie spezialisiert.
Für Patienten bedeutet dies, dass sie für bestimmte Behandlungen möglicherweise weitere Wege in Kauf nehmen müssen. Die Notfallversorgung soll jedoch an allen Standorten gewährleistet bleiben.
Mögliche Auswirkungen der Spezialisierung
Die Konzentration von Fachwissen und Geräten an spezialisierten Zentren kann die Qualität der Behandlungen potenziell verbessern. Experten können mehr Erfahrung in ihrem jeweiligen Fachgebiet sammeln, und teure medizinische Geräte können effizienter genutzt werden.
Gleichzeitig wirft die Neuordnung Fragen auf:
- Erreichbarkeit: Wie wird sichergestellt, dass auch Patienten aus ländlichen Regionen schnell zu ihrem Behandlungszentrum gelangen?
- Personal: Was bedeutet die Umstrukturierung für die Mitarbeiter der Krankenhäuser? Werden Arbeitsplätze verlagert?
- Informationsfluss: Wie wird die Zusammenarbeit zwischen den spezialisierten Zentren und den niedergelassenen Ärzten organisiert?
Diese Fragen werden in den kommenden Monaten im Mittelpunkt der Planungen stehen müssen.
Hintergrund der Reform
Die Neuordnung der Salzburger Spitalslandschaft ist eine Reaktion auf den steigenden Kostendruck im Gesundheitswesen. Faktoren wie der demografische Wandel, medizinischer Fortschritt und höhere Personalkosten führen europaweit zu finanziellen Herausforderungen für Gesundheitssysteme. Die Gründung von zentralen Holdings ist ein verbreitetes Modell, um Ressourcen zu bündeln und die Effizienz zu steigern.
Ein Blick in die Zukunft: Was erwartet die Region?
Die Gesundheitslandesrätin macht deutlich, dass die Reform keine kurzfristige Sparmaßnahme ist. Vielmehr geht es darum, das System zukunftsfit zu machen. „Es wird nicht billiger werden“, so Gutschi, was darauf hindeutet, dass die Gesamtausgaben für die Gesundheit weiter steigen werden. Das Ziel ist, die verfügbaren Mittel so gezielt wie möglich einzusetzen.
Die kommenden zwei Jahre bis zum Start der Holding am 1. Januar 2026 werden von intensiven Planungen geprägt sein. Es müssen detaillierte Konzepte für die medizinischen Schwerpunkte der einzelnen Standorte erarbeitet und die neuen Verwaltungsstrukturen aufgebaut werden.
Für die Bürgerinnen und Bürger im Pinzgau und im Flachgau ist es eine Zeit der Ungewissheit, aber auch der Chance. Eine gut geplante Spezialisierung könnte die medizinische Versorgungsqualität langfristig sichern. Entscheidend wird sein, die Bevölkerung und das Krankenhauspersonal transparent über die nächsten Schritte zu informieren und in den Prozess einzubinden.





