Die Stadt Salzburg hat einen entscheidenden Schritt in ihrer neuen Wohnungspolitik unternommen und 50 Wohnungen im Stadtteil Lehen für neun Millionen Euro erworben. Diese Maßnahme ist Teil der Strategie, aktiv in den Immobilienmarkt einzugreifen und leistbaren Wohnraum zu schaffen. Die Entscheidung stößt jedoch auf ein geteiltes Echo in der Stadtpolitik.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Stadt Salzburg hat 50 Wohnungen in zwei Gebäuden im Stadtteil Lehen gekauft.
- Der Kaufpreis beträgt neun Millionen Euro, mit einer möglichen Nachzahlung bei zukünftiger Verdichtung.
- Die neue Stadtregierung unter Vizebürgermeister Kay-Michael Dankl (KPÖ plus) will damit ihre aktive Bodenpolitik umsetzen.
- Die ÖVP kritisiert den Kauf als einen „schlechten Deal“ für die Stadt.
- Die Wohnungen sollen in Zusammenarbeit mit gemeinnützigen Bauträgern verwaltet und vergeben werden.
Ein politisches Versprechen wird umgesetzt
Die Schaffung von leistbarem Wohnraum war ein zentrales Thema im letzten Kommunalwahlkampf. Die neue Stadtregierung aus KPÖ plus, SPÖ und Grüner Bürgerliste hatte versprochen, die Spekulation mit Wohnraum zu beenden und aktiv für Entlastung zu sorgen. Mit dem nun erfolgten Ankauf von 50 Wohnungen wird ein erster großer Schritt zur Einlösung dieses Versprechens gemacht.
Die Wohnungen befinden sich in zwei Objekten im Stadtteil Lehen und wurden von einer privaten Immobiliengesellschaft erworben. Vizebürgermeister Kay-Michael Dankl, der im Wahlkampf mit dem Slogan „Wohnträume statt Investorenträume“ warb, steht nun unter Druck, konkrete Ergebnisse zu liefern. Der Kauf markiert einen Strategiewechsel: Statt nur auf Neubauten zu setzen, greift die Stadt direkt in den bestehenden Markt ein, um Immobilien der Spekulation zu entziehen.
Hintergrund: Aktive Bodenpolitik
Aktive Bodenpolitik bedeutet, dass eine Gemeinde gezielt Grundstücke und Immobilien kauft, um die Stadtentwicklung zu steuern und soziale Ziele wie die Schaffung von leistbarem Wohnraum zu verfolgen. Anstatt den Markt sich selbst zu überlassen, übernimmt die öffentliche Hand eine gestaltende Rolle. Dies soll langfristig die Preisentwicklung dämpfen und sicherstellen, dass Wohnraum für alle Einkommensschichten verfügbar bleibt.
Die Details des Neun-Millionen-Euro-Deals
Der Kaufpreis von neun Millionen Euro für die 50 Wohneinheiten ist der Kernpunkt der aktuellen politischen Debatte. Die Vereinbarung mit dem Verkäufer, einer Immobiliengesellschaft, enthält zudem eine Klausel für eine Nachzahlung. Diese würde fällig, falls in Zukunft eine Nachverdichtung auf dem Grundstück genehmigt wird, also zusätzlicher Wohnraum geschaffen werden kann.
Die Stadtregierung verteidigt die Investition als notwendigen Schritt, um das Heft des Handelns in die Hand zu bekommen. Die erworbenen Wohnungen sollen nun in Zusammenarbeit mit gemeinnützigen Bauträgern an Salzburgerinnen und Salzburger vergeben werden, die auf dem freien Markt kaum eine Chance haben. Das Ziel ist es, eine dauerhafte Zweckbindung für leistbares Wohnen zu sichern.
Der Salzburger Wohnungsmarkt in Zahlen
Die Wohnungspreise in Salzburg gehören zu den höchsten in ganz Österreich. Die hohe Nachfrage, bedingt durch Zuzug und Tourismus, trifft auf ein begrenztes Angebot. Für viele Normalverdiener, insbesondere junge Familien und Alleinstehende, ist es fast unmöglich geworden, eine passende und finanzierbare Wohnung zu finden. Dieser Ankauf von 50 Wohnungen ist ein Versuch, diesem Trend entgegenzuwirken, auch wenn er nur einen kleinen Teil des Gesamtmarktes betrifft.
Kritik und politische Kontroversen
Nicht alle politischen Kräfte in der Stadt sind mit dem Vorgehen einverstanden. Insbesondere die Salzburger ÖVP äußert scharfe Kritik und bezeichnete den Kauf als einen „schlechten Deal“ für die Steuerzahler. Die Opposition stellt infrage, ob der Preis von neun Millionen Euro angemessen ist und ob die Stadt damit nicht die Immobilienpreise weiter anheizt, anstatt sie zu senken.
Die Debatte dreht sich um die grundsätzliche Frage, wie die Stadt am besten für leistbaren Wohnraum sorgen kann. Während die Regierungskoalition auf direkte Eingriffe und den Aufbau eines kommunalen Wohnungsbestandes setzt, fordern Kritiker andere Maßnahmen, etwa eine schnellere Ausweisung von Bauland und eine Reduzierung von bürokratischen Hürden für private Bauträger.
„Wenn sich meine Kinder, die beide studiert haben, eine Wohnung in der Stadt nicht mehr leisten können, dann läuft politisch etwas falsch.“
Dieses Zitat, aufgeschnappt vor einer Bäckerei, fasst die Stimmung vieler Menschen in der Stadt zusammen. Die Erwartungen an die Politik sind enorm hoch, und der Druck auf die Verantwortlichen wächst mit jedem Tag.
Was bedeutet der Kauf für die Zukunft?
Experten sind sich einig, dass der Ankauf von 50 Wohnungen allein die angespannte Lage auf dem Salzburger Wohnungsmarkt nicht über Nacht lösen wird. Die Immobilienpreise werden dadurch kurzfristig nicht spürbar sinken. Vielmehr handelt es sich um eine langfristige strategische Investition.
Die nächsten Schritte werden entscheidend sein. Die Stadt muss nun zügig die Verhandlungen mit den gemeinnützigen Bauträgern abschließen, um die Wohnungen schnellstmöglich ihrer sozialen Bestimmung zuzuführen. Der Erfolg dieser Maßnahme wird daran gemessen werden, ob es gelingt, ein transparentes und faires Vergabesystem zu etablieren.
Für die Stadtregierung ist dieser erste große Schritt ein wichtiger Test. Sie muss beweisen, dass ihre Strategie der aktiven Bodenpolitik nicht nur ein Wahlkampfversprechen war, sondern ein wirksames Instrument zur Lösung einer der drängendsten sozialen Fragen in Salzburg ist.





