Ein tragischer Samstagnachmittag erschüttert die Alpingemeinde in Salzburg. Bei zwei schweren Lawinenunglücken im Pongau kamen insgesamt fünf Menschen ums Leben. Die Rettungskräfte standen im Großeinsatz, konnten aber für mehrere Tourengeher nur noch den Tod feststellen. Die Behörden hatten zuvor eindringlich vor der erheblichen Lawinengefahr gewarnt.
Die Ereignisse werfen ein Schlaglicht auf die Risiken, die trotz offizieller Warnungen im freien Skigelände bestehen. Für die Einsatzkräfte war es ein extrem fordernder Tag, der von mehreren parallel laufenden Einsätzen geprägt war.
Das Wichtigste in Kürze
- Fünf Menschen starben am Samstag bei zwei separaten Lawinenabgängen im Pongau.
- Ein erstes Unglück ereignete sich in Bad Hofgastein, ein zweites kurz darauf im Großarltal.
- Ein Großaufgebot von 90 Bergrettern, sechs Hundeführern und vier Hubschraubern war im Einsatz.
- Der Lawinenwarndienst hatte für den Tag die Gefahrenstufe 3 (erheblich) ausgerufen.
Tragödie an der Schmugglerscharte
Das erste Unglück ereignete sich kurz nach Mittag in der Gemeinde Bad Hofgastein. Im Bereich der sogenannten „Schmugglerscharte“, auf einer Seehöhe von rund 2.200 Metern, löste sich ein Schneebrett und riss eine Skitourengeherin mit sich. Ihr Ehemann musste das Geschehen hilflos mitansehen.
Trotz des sofort eingeleiteten Notrufs und des schnellen Eintreffens der Rettungskräfte kam für die Frau jede Hilfe zu spät. Sie konnte nur noch tot aus den Schneemassen geborgen werden. Das Paar war im freien Gelände abseits der gesicherten Pisten unterwegs.
Zweites Lawinenunglück fordert vier Menschenleben
Nur etwa eineinhalb Stunden später, gegen 14:00 Uhr, folgte die nächste Schreckensmeldung. Im Großarltal, im Bereich des „Finsterkopfes“, wurde eine siebenköpfige Gruppe von Tourengehern von einer gewaltigen Lawine erfasst. Das Schneebrett riss die Alpinisten mit und verschüttete mehrere von ihnen vollständig.
Die Bilanz dieses zweiten Abgangs ist verheerend: Vier Mitglieder der Gruppe verloren ihr Leben. Die Rettungsmannschaften kämpften unter Hochdruck darum, die Verschütteten zu lokalisieren und zu befreien. Für die vier Alpinisten konnten die Helfer jedoch nichts mehr tun.
Ein Großeinsatz für die Rettungskräfte
Die beiden fatalen Lawinen lösten einen der größten Rettungseinsätze der letzten Jahre in der Region aus. Insgesamt waren 90 Bergretter aus dem gesamten Pongau, sechs Lawinensuchhunde des Roten Kreuzes und der Bergrettung sowie vier Rettungshubschrauber im Einsatz. Zusätzlich wurden sechs Mitglieder des Kriseninterventionsteams zur Betreuung der Überlebenden und Angehörigen alarmiert.
Ein Mitglied der Gruppe im Großarltal überstand das Unglück wie durch ein Wunder unverletzt. Zwei weitere Personen erlitten Verletzungen, eine davon schwer, die andere leicht. Sie wurden umgehend medizinisch versorgt und in Krankenhäuser geflogen.
Behörden warnen eindringlich vor der Gefahr
Die Bergretter und Behörden zeigten sich erschüttert über die Ereignisse, insbesondere da die Gefahr im Vorfeld klar kommuniziert worden war. Gerhard Kremser, der Bezirksleiter der Bergrettung Pongau, fand deutliche Worte.
„Trotz klarer und mehrfacher Warnungen kam es heute erneut zu zahlreichen Lawinenabgängen – leider mit tödlichem Ausgang. Diese Tragödie zeigt schmerzhaft, wie ernst die aktuelle Lawinenlage ist.“
Kremser appellierte an alle Wintersportler, die Warnungen ernst zu nehmen und Touren im freien Gelände äußerst umsichtig zu planen oder bei zweifelhafter Lage ganz zu unterlassen. Die Bedingungen seien derzeit extrem heikel.
Weitere Lawinenabgänge im Pongau
Der tragische Samstag war von weiteren Lawinenabgängen geprägt, die glücklicherweise glimpflicher ausgingen. Im Gemeindegebiet von Hüttschlag am Plattenkogel sowie in Großarl am Frauenkogel wurden ebenfalls Schneebretter von Wintersportlern ausgelöst. Bei diesen Vorfällen wurde nach ersten Erkenntnissen niemand verletzt oder verschüttet.
Gefahrenstufe 3: Eine trügerische Sicherheit
Der Lawinenwarndienst Salzburg hatte für den gesamten Samstag die Gefahrenstufe 3 auf der fünfteiligen europäischen Skala ausgegeben. Diese Stufe bedeutet „erhebliche Gefahr“ und ist statistisch jene Stufe, bei der die meisten tödlichen Lawinenunfälle passieren. Viele Wintersportler unterschätzen die damit verbundenen Risiken.
- Auslösung: Eine Lawine kann bereits durch geringe Zusatzbelastung, etwa durch einen einzelnen Skifahrer, ausgelöst werden.
- Größe: Es ist mit mittleren, vereinzelt aber auch großen Lawinen zu rechnen.
- Gefahrenzeichen: Risse in der Schneedecke oder dumpfe Setzungsgeräusche („Wumm-Geräusche“) sind akute Alarmsignale.
Die aktuelle Schneesituation als Risikofaktor
Experten weisen auf die besondere Gefährlichkeit der aktuellen Schneedecke hin. Die Gesamtschneehöhe ist in vielen Gebieten noch immer unterdurchschnittlich für die Jahreszeit. Dies führt zu einer instabilen Basis.
Ein zentrales Problem ist der sogenannte Triebschnee. Durch starken Wind in den letzten Tagen wurde Schnee von den Graten und Rücken verfrachtet und in Mulden und Rinnen abgelagert. Diese Triebschneeansammlungen sind oft nur schlecht mit der darunterliegenden Altschneedecke verbunden und extrem störanfällig. Sie wirken wie eine Falle, die bereits bei geringer Belastung zuschnappen kann.
Die abgeblasenen, schneearmen Rücken können zudem eine falsche Sicherheit vermitteln, während die Gefahr nur wenige Meter weiter in den gefüllten Hängen lauert. Die Identität der Verstorbenen war zunächst nicht bekannt, die Behörden haben die Ermittlungen aufgenommen.





