Trotz eindeutiger Verbote und gut sichtbarer Warnschilder haben am Neujahrstag zahlreiche Salzburgerinnen und Salzburger den Leopoldskroner Weiher zum Eislaufen genutzt. Unter den Eisläufern befanden sich auch viele Familien mit Kindern, die die erhebliche Einbruchgefahr auf der nicht freigegebenen Eisfläche ignorierten.
Die Stadt Salzburg gibt den beliebten Weiher seit rund einem Jahrzehnt aus Sicherheitsgründen nicht mehr offiziell zum Betreten frei. Die Behörden appellieren eindringlich an die Vernunft der Bürger, da die Eisdicke nicht kontrolliert wird und lebensgefährlich sein kann.
Das Wichtigste in Kürze
- Zahlreiche Personen, darunter Familien, liefen am Leopoldskroner Weiher eis, obwohl dieser gesperrt ist.
- Die Stadt Salzburg gibt die Eisfläche seit etwa zehn Jahren nicht mehr offiziell frei.
- Warnschilder weisen explizit auf die Einbruchgefahr hin und verbieten das Betreten.
- Christian Stadler, Leiter der Stadtgärten, bestätigt die jährlichen Warnungen und die anhaltende Ignoranz vieler Bürger.
- Die Wasserrettung warnt vor den Risiken auf nicht geprüften Natureisflächen.
Ein trügerisches Winteridyll
Die winterliche Kulisse am Leopoldskroner Weiher zog auch in den ersten Tagen des neuen Jahres viele Menschen an. Die zugefrorene Wasserfläche bot ein malerisches Bild, das zahlreiche Bürgerinnen und Bürger zu einer Runde auf Schlittschuhen verleitete. Doch die idyllische Szene war trügerisch.
Beobachtungen vor Ort zeigten Dutzende von Personen, die unbeschwert ihre Runden drehten. Besonders auffällig war die hohe Anzahl an Familien. Eltern liefen gemeinsam mit ihren kleinen Kindern über das Eis, spielten Eishockey oder übten erste Schritte auf den Kufen. Die Stimmung war ausgelassen, doch die Gefahr schien von den meisten ausgeblendet zu werden.
Die Stadtverwaltung hat unmissverständliche Schilder rund um den Weiher aufgestellt. Darauf ist zu lesen: „Achtung! Eisfläche gesperrt. Wegen Einbruchgefahr nicht betreten.“ Diese Warnungen wurden jedoch von vielen Freizeitsportlern offensichtlich ignoriert.
Behörden warnen seit Jahren
Die Praxis, den Leopoldskroner Weiher nicht mehr zum Eislaufen freizugeben, ist keine neue Entwicklung. Seit rund zehn Jahren verzichtet die Stadt Salzburg auf eine offizielle Freigabe der Natureisflächen, zu denen auch die Salzachseen gehören. Der Grund dafür ist die Unmöglichkeit, eine durchgehende Sicherheit für die Bevölkerung zu garantieren.
Christian Stadler, der Leiter der städtischen Gärten, äußerte sich besorgt über die wiederkehrende Missachtung der Verbote.
„Wir warnen jedes Jahr davor, auf dem Weiher eiszulaufen“, erklärte Stadler. Er betonte, dass die Stadt ihrer Verantwortung nachkomme, indem sie die Gefahren klar kommuniziere. Dennoch würden viele Menschen die Warnungen bewusst in den Wind schlagen.
Die Entscheidung, eine Eisfläche nicht freizugeben, basiert auf strengen Sicherheitskriterien. Die Eisdicke muss an mehreren Stellen gemessen werden und eine bestimmte Mindeststärke aufweisen, um das Gewicht vieler Menschen tragen zu können. Diese Überprüfungen sind aufwändig und bei schwankenden Temperaturen unzuverlässig.
Warum werden Natureisflächen nicht mehr freigegeben?
Früher war die Freigabe von Seen und Teichen zum Eislaufen üblich. Aufgrund des Klimawandels sind die Winter jedoch milder und die Frostperioden kürzer und unbeständiger geworden. Die Eisbildung ist dadurch weniger zuverlässig. Städte und Gemeinden scheuen zunehmend das Haftungsrisiko, das mit einer offiziellen Freigabe verbunden ist. Die Kosten für regelmäßige Kontrollen und Absicherungen sind ebenfalls ein Faktor.
Die unsichtbare Gefahr unter dem Eis
Experten der Wasserrettung und anderer Einsatzorganisationen warnen regelmäßig vor den Gefahren des Betretens von nicht freigegebenen Eisflächen. Die Tragfähigkeit von Natureis kann stark variieren und ist für Laien kaum einzuschätzen.
Mehrere Faktoren beeinflussen die Stabilität der Eisdecke:
- Temperaturschwankungen: Wechselnde Temperaturen, selbst kurz über dem Gefrierpunkt, können die Eisstruktur schwächen.
- Strömungen: Unterirdische Quellen oder Strömungen können das Eis von unten dünner machen.
- Schneedecke: Eine isolierende Schneeschicht kann das Zufrieren des Eises verlangsamen und gefährlich dünne Stellen verdecken.
- Pflanzen und Gase: Verrottende Pflanzen am Grund des Gewässers setzen Gase frei, die die Eisdicke ebenfalls reduzieren können.
Besonders an den Rändern, bei Brückenpfeilern oder an Zu- und Abflüssen ist das Eis oft deutlich dünner. Ein Einbruch ins eiskalte Wasser kann innerhalb von Minuten zu einem lebensbedrohlichen Zustand führen.
Kälteschock und Unterkühlung
Bei einem Einbruch ins Eis droht unmittelbare Gefahr. Der Körper reagiert mit einem Kälteschock, der zu unkontrollierter Atmung und Orientierungslosigkeit führen kann. Die Körpertemperatur sinkt rapide. Bereits nach drei bis fünf Minuten im eiskalten Wasser lassen die Muskelkräfte nach, was eine Selbstrettung fast unmöglich macht.
Appell an die Eigenverantwortung
Da eine lückenlose Überwachung der weitläufigen Flächen unmöglich ist, appellieren die Behörden an die Eigenverantwortung der Bürger. Das Betreten der gesperrten Eisflächen geschieht auf eigene Gefahr. Im Falle eines Unfalls tragen die Verursacher die volle Verantwortung.
Was tun im Notfall?
Sollte man Zeuge eines Eisunfalls werden, gilt es, sofort zu handeln und dabei die eigene Sicherheit nicht zu gefährden:
- Notruf absetzen: Unverzüglich die Rettung unter 140 (Berg- und Wasserrettung) oder 122 (Feuerwehr) alarmieren.
- Person beruhigen: Mit der eingebrochenen Person sprechen und sie anweisen, sich so wenig wie möglich zu bewegen, um Energie zu sparen.
- Rettungsversuch nur mit Hilfsmitteln: Sich niemals ohne Sicherung auf das Eis begeben. Stattdessen Äste, Leitern, Seile oder auch einen Schal als Rettungsmittel verwenden und sich dabei flach auf das Eis legen, um das Gewicht zu verteilen.
- Erste Hilfe leisten: Die gerettete Person sofort aus der nassen Kleidung befreien, in warme Decken hüllen und bis zum Eintreffen der Rettungskräfte betreuen.
Die jüngsten Ereignisse am Leopoldskroner Weiher sind eine eindringliche Mahnung, dass winterliche Freuden niemals auf Kosten der eigenen Sicherheit oder der Sicherheit von Kindern gehen dürfen. Die aufgestellten Verbotsschilder sind keine Empfehlung, sondern eine notwendige Schutzmaßnahme, um schwere Unfälle zu verhindern.





