Ein schneereicher Sonntag hat in den Bergen von Tirol und Salzburg zu einer Serie von Lawinenabgängen geführt. Einsatzkräfte von Bergrettung und Alpinpolizei waren im Dauereinsatz. Insgesamt wurden fünf Wintersportler verletzt, eine Person davon lebensgefährlich.
Die Vorfälle ereigneten sich sowohl auf Skirouten als auch im freien Gelände, was die angespannte Lawinensituation in den Westalpen verdeutlicht. Besonders in Teilen Tirols und Vorarlbergs herrschte mit Warnstufe 4 eine große Lawinengefahr.
Das Wichtigste in Kürze
- Am Sonntag ereignete sich eine Reihe von Lawinen in Tirol und Salzburg.
- Insgesamt wurden fünf Personen verletzt, eine davon lebensgefährlich.
- Die Vorfälle betrafen Skitourengeher und Variantenfahrer im freien Gelände.
- In Teilen Tirols galt die zweithöchste Lawinenwarnstufe 4.
- Sicherheitsausrüstung wie Airbags verhinderte in mehreren Fällen Schlimmeres.
Einsätze in Tirol forderten Rettungskräfte
In Tirol kam es am Sonntag zu mehreren Lawinenabgängen, bei denen insgesamt drei Personen verletzt wurden. Die Situation war über den Tag hinweg angespannt, und die Leitstelle koordinierte zahlreiche Rettungsflüge und Bodeneinsätze.
Kritischer Zustand nach Verschüttung am Weerberg
Der folgenschwerste Unfall ereignete sich am Nachmittag am Weerberg im Bezirk Schwaz. Eine Skitourengeherin wurde unterhalb des Wetterkreuzes von einer Lawine erfasst und vollständig verschüttet. Die Frau trug kein Lawinensuchgerät (LVS-Gerät) bei sich, was die Suche erheblich erschwerte.
Als die Rettungskräfte sie schließlich fanden, befand sie sich in einem kritischen Zustand. Sie wurde umgehend medizinisch versorgt und in ein Krankenhaus geflogen.
Mehrere Vorfälle in St. Anton am Arlberg
Auch das bekannte Skigebiet St. Anton am Arlberg war Schauplatz von zwei Lawinenereignissen. Zuerst lösten sich im Bereich Gampen Schneemassen, die Berichten zufolge bis auf eine Piste gelangten. Augenzeugen meldeten, dass sich vier bis fünf Skifahrer in dem Bereich aufgehalten hätten. Eine großangelegte Suche wurde eingeleitet, bei der jedoch nur eine Person mit einer Armverletzung gefunden und ins Krankenhaus geflogen wurde. Weitere Verschüttete gab es glücklicherweise nicht.
Kurz darauf ging am Galzig eine zweite Lawine ab. Hierbei wurde eine Person leicht verletzt, aber nicht von den Schneemassen begraben.
Glück im Unglück
In zwei weiteren Fällen in Tirol kamen die Betroffenen mit dem Schrecken davon. Im Rofangebirge bei Münster wurde ein Wintersportler verschüttet, konnte aber unverletzt geborgen werden. In Jochberg löste ein 17-jähriger Deutscher selbst ein Schneebrett aus, dem er entkam. Bei der Weiterfahrt wurde er jedoch von einer zweiten Lawine erfasst, blieb aber dank seines ausgelösten Airbags an der Oberfläche und unverletzt.
Vier Lawinenalarme in Obertauern
Auch im Salzburger Land waren die Rettungsteams gefordert. Allein in Obertauern wurde viermal Lawinenalarm ausgelöst, was die heikle Lage in der Region unterstreicht.
Verletzter bei der Mittereckalm
Bei einem Lawinenabgang im Bereich der Mittereckalm in der Gemeinde Tweng waren vier Personen betroffen. Glücklicherweise wurde niemand verschüttet. Ein Wintersportler zog sich jedoch eine Schulterverletzung zu und musste mit dem Rettungshubschrauber in ein Krankenhaus gebracht werden.
Ein weiterer Vorfall am Seekarspitz, der vermutlich von Variantenfahrern ausgelöst wurde, ging glimpflich aus. Die Snowboarder meldeten den Abgang selbst und bestätigten, dass niemand verletzt wurde, obwohl eine Person aus der Gruppe kurzzeitig als vermisst galt.
„Die schnelle Reaktion der Wintersportler und die vorhandene Sicherheitsausrüstung haben in mehreren Fällen entscheidend dazu beigetragen, dass die Unfälle nicht noch schlimmer ausgingen.“
Skitourengeher am Gennerhorn mitgerissen
In der Osterhorngruppe kam es ebenfalls zu einem ernsten Zwischenfall. Ein 37-jähriger Skitourengeher aus Oberösterreich wurde am Osthang des Gennerhorns von einer Lawine mitgerissen. Es gelang ihm noch, seinen Lawinenairbag auszulösen, was ihn vor einer vollständigen Verschüttung bewahrte. Er erlitt eine Knieverletzung und setzte einen Notruf ab.
Zufall half bei der Rettung
Ein glücklicher Zufall beschleunigte die Rettungsaktion am Gennerhorn erheblich. Ein Bergretter beobachtete den Lawinenabgang direkt und eilte dem Verletzten sofort zu Hilfe. Gleichzeitig fand in der nahegelegenen Diensthütte der Bergrettung ein Lawinenseminar statt, weshalb zahlreiche ausgebildete Retter vor Ort waren. Sie stiegen zum Unfallort auf, stabilisierten den Verletzten und transportierten ihn zu einem Landeplatz für den Rettungshubschrauber Martin 10.
Warnungen der Experten und die Rolle der Ausrüstung
Die zahlreichen Vorfälle vom Sonntag ereigneten sich vor dem Hintergrund einer angespannten Lawinensituation. Für Teile Tirols und Vorarlbergs, einschließlich der Arlbergregion, hatte der Lawinenwarndienst die Warnstufe 4 der fünfteiligen Skala ausgerufen. Dies bedeutet „große Gefahr“.
Experten riefen Wintersportler zu größter Zurückhaltung im freien Gelände auf. Die Ereignisse zeigen eindrücklich, wie wichtig eine vollständige Notfallausrüstung ist:
- LVS-Gerät: Unverzichtbar für die schnelle Ortung von Verschütteten. Der Fall am Weerberg zeigt die dramatischen Konsequenzen, wenn es fehlt.
- Sonde und Schaufel: Notwendig für die Feinortung und das schnelle Ausgraben.
- Lawinenairbag: Kann die Überlebenschancen erheblich erhöhen, indem er den Körper an der Oberfläche der Schneemassen hält.
Die Vorfälle vom Wochenende sind eine ernste Mahnung, die alpinen Gefahren niemals zu unterschätzen und Touren stets sorgfältig zu planen und an die aktuellen Bedingungen anzupassen.





