Die Salzburger Polizei reagiert auf die stark wachsende Zahl von Verbrechen im Internet mit dem Aufbau eines neuen Ausbildungszentrums. Angesichts einer Versechsfachung der Delikte in den letzten zehn Jahren sollen hier künftig Spezialisten für die Bekämpfung von Cyberkriminalität geschult werden.
Österreichweit wurden zuletzt mehr als 60.000 Anzeigen im Bereich der Internetkriminalität verzeichnet, was den dringenden Bedarf an spezialisierten Ermittlern unterstreicht.
Das Wichtigste in Kürze
- In Salzburg wird ein neues Trainingszentrum für Cybercrime-Bekämpfung (CCTC) eingerichtet.
- Die Zahl der Internet-Strafdelikte hat sich in den letzten zehn Jahren versechsfacht.
- Ein Team von 50 Spezialisten wird andere Polizisten ausbilden.
- Die Ausbildung konzentriert sich auf Delikte wie Onlinebetrug, Phishing und Ransomware-Angriffe.
Eine Flut digitaler Verbrechen
Die Kriminalität im digitalen Raum hat in den vergangenen Jahren drastisch zugenommen. Von Online-Betrug über den Diebstahl persönlicher Daten bis hin zu gezielten Angriffen auf Unternehmen – die Methoden der Täter werden immer ausgefeilter und die Zahl der Opfer steigt kontinuierlich.
Hans Wolfgruber von der Landespolizeidirektion Salzburg bestätigt diesen Trend. „Wir reden von einer Versechsfachung der Zahl von Strafdelikten in den vergangenen zehn Jahren“, erklärt er. Diese Entwicklung stellt die Strafverfolgungsbehörden vor enorme Herausforderungen und erfordert neue Strategien und spezialisiertes Wissen.
Was ist Cyberkriminalität?
Unter dem Begriff Cyberkriminalität werden alle Straftaten zusammengefasst, die im Internet oder mittels Informationstechnik begangen werden. Dazu gehören unter anderem:
- Phishing: Das Abgreifen von Zugangsdaten durch gefälschte E-Mails oder Webseiten.
- Ransomware: Schadsoftware, die Daten auf einem Computer verschlüsselt und für die Freigabe ein Lösegeld fordert.
- Love-Scams: Betrugsmaschen, bei denen Täter online eine Liebesbeziehung vortäuschen, um an Geld zu gelangen.
- Datenklau: Der Diebstahl von sensiblen persönlichen oder geschäftlichen Informationen.
Salzburgs Antwort: Das CCTC
Um dieser wachsenden Bedrohung wirksam zu begegnen, hat die Salzburger Polizei das „Cybercrime Competence and Training Center“, kurz CCTC, ins Leben gerufen. Dieses Zentrum soll als zentrale Anlaufstelle für die Aus- und Weiterbildung von Ermittlern in diesem hochspezialisierten Bereich dienen.
„Hier in Salzburg ist das CCTC de facto schon am Arbeiten“, so Wolfgruber. Die Notwendigkeit für eine solche Einrichtung sei unbestreitbar, da die Komplexität der Fälle stetig zunimmt und eine hohe technische Expertise erfordert. Das Ziel ist es, die Kompetenzen innerhalb der Polizei zu bündeln und flächendeckend zu erweitern.
In ganz Österreich wurden zuletzt über 60.000 Anzeigen im Zusammenhang mit Cyberkriminalität registriert. Dies verdeutlicht das landesweite Ausmaß des Problems.
Wissenstransfer durch Experten
Das Ausbildungskonzept des CCTC folgt dem Prinzip „Erfahrung schafft Wissen“. Anstatt auf externe Trainer zu setzen, werden erfahrene Spezialisten aus den eigenen Reihen die Schulungen durchführen. Diese Experten kommen überwiegend aus dem Landeskriminalamt und den Reihen der IT-Forensiker der Bezirke.
„Da geht es um Polizistinnen und Polizisten, die andere Kolleginnen und Kollegen im Bereich der Cybercrime-Bekämpfung, aber auch in der Prävention gezielt und speziell ausbilden.“
- Hans Wolfgruber, Landespolizeidirektion Salzburg
Ein Kernteam von insgesamt 50 Personen wird zunächst geschult. Diese Multiplikatoren geben ihr Wissen anschließend an weitere Kollegen in den verschiedenen Dienststellen weiter. Dieser Ansatz soll sicherstellen, dass das Fachwissen schnell und effizient in der gesamten Organisation verbreitet wird.
Praxisnahe Ausbildung im Fokus
Die Schulungsinhalte sind direkt auf die aktuellen Kriminalitätsphänomene zugeschnitten. Die angehenden Ermittler lernen, digitale Spuren zu sichern, komplexe Betrugsmaschen zu erkennen und gegen Angriffe auf kritische Infrastrukturen vorzugehen. Neben der reinen Ermittlungsarbeit spielt auch die Prävention eine wichtige Rolle, um Bürger und Unternehmen besser vor den Gefahren im Netz zu schützen.
Ein wichtiger Schritt für die Sicherheit
Der Aufbau des CCTC in Salzburg ist eine strategische Investition in die Sicherheit der Bevölkerung. Die zunehmende Verlagerung des Alltags in die digitale Welt bringt nicht nur Vorteile, sondern auch neue Risiken mit sich. Mit der Bündelung von Fachwissen und der gezielten Ausbildung von Spezialisten stellt sich die Polizei den Herausforderungen der modernen Kriminalitätsbekämpfung.
Durch die Stärkung der Kompetenzen im Bereich Cybercrime soll es in Zukunft gelingen, Täter effektiver zu verfolgen und die Aufklärungsquoten bei Internetdelikten zu erhöhen. Das Zentrum ist somit ein entscheidender Baustein, um das Vertrauen in die digitale Sicherheit zu stärken und Salzburg für die Zukunft zu wappnen.





