In Salzburg wächst die Besorgnis über Berichte, wonach minderjährige Mädchen im Bereich des Hauptbahnhofs gezielt angesprochen und für Drogenprostitution nach Wien gelockt werden. Soziallandesrat Wolfgang Fürweger (FPÖ) hat auf Grundlage von Hinweisen aus dem Sucht- und Drogenbereich Alarm geschlagen. Die Polizei nimmt die Hinweise ernst, betont aber, dass die Faktenlage noch unklar ist und Ermittlungen erforderlich sind.
Das Wichtigste in Kürze
- Landesrat Wolfgang Fürweger warnt vor einem mutmaßlichen Netzwerk, das Mädchen im Alter von 13 bis 15 Jahren rekrutiert.
- Die Mädchen sollen vom Salzburger Hauptbahnhof nach Wien gebracht und dort zur Prostitution gegen Drogen gezwungen werden.
- Die Informationen stammen aus dem suchtmedizinischen Umfeld, sind aber durch ärztliche Schweigepflicht geschützt.
- Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen, spricht jedoch von bisher nicht gesicherten Hinweisen.
- Eine Bündelung aller Informationen soll bis Ende des Monats erfolgen, um den Behörden eine bessere Ermittlungsgrundlage zu geben.
Alarmierende Berichte aus dem Sucht- und Drogenbereich
Die Warnung wurde nach einer Sitzung des suchtpolitischen Beirats des Landes Salzburg öffentlich. Soziallandesrat Wolfgang Fürweger, der seit Kurzem für die Suchthilfe zuständig ist, zeigte sich tief besorgt über die ihm vorgetragenen Schilderungen. Demnach soll es am Salzburger Hauptbahnhof eine gezielte Vorgehensweise geben, bei der erwachsene Männer junge Mädchen ansprechen.
„Wir sprechen hier von Mädchen im Alter von 13, 14 und 15 Jahren“, betonte Fürweger. Diese besonders schutzbedürftige Gruppe werde Berichten zufolge rekrutiert, um sie nach Wien zu bringen. Dort sollen sie in Wohnungen gegen die Abgabe von Drogen und Medikamenten zur Prostitution gezwungen werden.
Eine schwer fassbare Bedrohung
Die genaue Zahl der betroffenen Mädchen ist derzeit völlig unklar. Das Problem bei der Aufklärung liegt in der Natur der Informationsquellen. Die Hinweise stammen aus Gesprächen, die betroffene Mädchen mit Ärzten und Therapeuten im Suchtbereich führen. Diese Fachleute unterliegen jedoch der ärztlichen Schweigepflicht.
„Diese Mädchen vertrauen sich Ärztinnen und Ärzten an, die natürlich an ihre Schweigepflicht gebunden sind. Das ist das große Dilemma“, erklärte Fürweger. Ohne offizielle Anzeigen oder konkrete, verwertbare Hinweise hat die Polizei kaum eine Handhabe, um gezielte Ermittlungen einzuleiten.
Polizei ermittelt, aber Faktenlage ist dünn
Die Landespolizeidirektion Salzburg bestätigte auf Anfrage, dass man die Hinweise des Landesrates sehr ernst nehme. Man gehe den Schilderungen nach und habe entsprechende Prüfungen eingeleitet. Gleichzeitig betonten die Behörden, dass es sich um „nicht gesicherte Hinweise“ handle.
Ein Sprecher der Polizei erklärte, dass es zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich sei, das Ausmaß oder die konkrete Existenz eines solchen Netzwerks zu bestätigen. Die Ermittlungsarbeit stehe ganz am Anfang. Man sei auf konkrete Informationen angewiesen, um die vagen Berichte zu verifizieren.
Die Rolle des Hauptbahnhofs als sozialer Brennpunkt
Bahnhöfe in größeren Städten sind häufig soziale Knotenpunkte, an denen sich unterschiedliche Personengruppen aufhalten. Sie können für gefährdete Jugendliche, die von zu Hause ausgerissen sind oder sich in schwierigen Lebenslagen befinden, zu einem Anlaufpunkt werden. Gleichzeitig nutzen kriminelle Akteure solche Orte, um gezielt schutzbedürftige Personen anzusprechen. Die Anonymität und die hohe Fluktuation von Menschen erschweren die Überwachung und Kontrolle.
Informationsbündelung als nächster Schritt
Um den Ermittlungsbehörden eine bessere Grundlage zu liefern, wurde im suchtpolitischen Beirat ein konkreter Plan vereinbart. Alle Stellen, die mit dem Thema befasst sind – von Suchtberatungsstellen über Ärzte bis hin zu Sozialarbeitern – sollen die ihnen vorliegenden Informationen zusammentragen.
„Es wurde vereinbart, alle verfügbaren Informationen bis Ende des Monats zu sammeln“, so Fürweger. Diese gesammelten und anonymisierten Daten sollen anschließend gebündelt an die Polizei übergeben werden. Man erhofft sich, durch die Zusammenführung verschiedener Mosaiksteinchen ein klareres Bild der Lage zu erhalten und mögliche Muster oder wiederkehrende Namen zu identifizieren.
„Die Polizei hat wenig Möglichkeiten, irgendwo anzusetzen, weil es so wenige Hinweise gibt. Deshalb müssen wir alles zusammentragen, was wir haben.“
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Appell an die Öffentlichkeit
Neben der internen Sammlung von Informationen richtete Fürweger auch einen eindringlichen Appell an die Bevölkerung. Bürgerinnen und Bürger, die verdächtige Beobachtungen im Umfeld des Salzburger Hauptbahnhofs machen, werden gebeten, diese umgehend der Polizei zu melden.
Jeder Hinweis, auch wenn er auf den ersten Blick unbedeutend erscheint, könnte für die Ermittler von entscheidender Bedeutung sein. Es geht darum, das Dunkelfeld aufzuhellen und den Betroffenen zu helfen.
Was tun bei einem Verdacht?
Wenn Sie verdächtige Interaktionen zwischen Erwachsenen und offensichtlich minderjährigen Jugendlichen beobachten, insbesondere wenn es um Angebote oder die Weitergabe von Substanzen geht, sollten Sie nicht zögern.
- Beobachten Sie genau: Merken Sie sich Personenbeschreibungen, Uhrzeit und den genauen Ort.
- Greifen Sie nicht selbst ein: Bringen Sie sich nicht in Gefahr.
- Informieren Sie die Polizei: Wählen Sie den Notruf 133 und schildern Sie Ihre Beobachtungen so präzise wie möglich.
Prävention und Opferschutz im Fokus
Unabhängig vom Ausgang der aktuellen Ermittlungen werfen die Berichte ein Schlaglicht auf die Notwendigkeit verstärkter Präventionsarbeit. Experten betonen, wie wichtig es ist, das Selbstbewusstsein von Jugendlichen zu stärken und sie über die Gefahren von Drogen und sogenannter „Loverboy“-Methoden aufzuklären.
Streetworker und mobile Jugendarbeit spielen eine entscheidende Rolle, um gefährdete Jugendliche direkt vor Ort zu erreichen, bevor sie in die Fänge von Kriminellen geraten. Der aktuelle Fall unterstreicht die Wichtigkeit einer engen Vernetzung zwischen Sozialarbeit, medizinischen Einrichtungen und den Sicherheitsbehörden, um Schutzmechanismen für die Schwächsten der Gesellschaft zu schaffen und schnell reagieren zu können.





