Die verheerende Brandkatastrophe in einem Schweizer Nachtclub mit über 40 Todesopfern hat auch in Salzburg eine Debatte über die Sicherheit in der Nachtgastronomie ausgelöst. Betreiber und Behörden betonen die hohen Standards in Österreich, doch die Sorge bei den Gästen bleibt. Wir haben nachgefragt, wie gut Salzburgs Clubs und Bars auf den Ernstfall vorbereitet sind.
Die Nachricht aus Crans-Montana erschütterte die Gastronomieszene tief. Ein Feuer in einer überfüllten Bar führte in der Silvesternacht zu einer Tragödie. Dies wirft unweigerlich die Frage auf: Könnte so etwas auch bei uns passieren? Die Antwort von Experten und Betreibern ist ein klares, aber vorsichtiges Nein, denn die gesetzlichen Auflagen sind in Österreich besonders streng.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Brandkatastrophe in der Schweiz hat die Diskussion um die Sicherheit in Salzburger Nachtlokalen neu entfacht.
- Betreiber verweisen auf extrem hohe Brandschutzauflagen und regelmäßige Kontrollen in Österreich.
- Wichtige Sicherheitsmaßnahmen umfassen breite Fluchtwege, Brandmeldeanlagen und geschultes Personal.
- Experten betonen, dass die Einhaltung der Vorschriften entscheidend ist, um Katastrophen zu verhindern.
Hohe Standards als oberste Priorität
In Salzburg und den umliegenden Tourismusregionen, wo das Nachtleben pulsiert, nehmen die Betreiber das Thema Brandschutz sehr ernst. Die gesetzlichen Vorschriften gelten als einige der strengsten in Europa. Diese umfassen nicht nur technische Vorkehrungen, sondern auch organisatorische Maßnahmen, die regelmäßig überprüft werden.
Johannes Brucker, Mitinhaber der bekannten Baumbar in Kaprun, einem Lokal mit Platz für 400 Gäste, zeigt sich betroffen von den Ereignissen in der Schweiz. Gleichzeitig ist er dankbar für die strengen Regelungen in Österreich. „Es ist schrecklich, was in der Schweiz passiert ist, das ist ein Super-GAU“, erklärte er. „Mein erster Gedanke war, dass ich dankbar dafür bin, dass wir in Österreich so strenge Brandschutzauflagen und einen so hohen Standard haben.“
Seit dem umfassenden Umbau seines Betriebs im Jahr 2019 sei die Baumbar auf dem neuesten Stand der Technik. Dies ist kein Einzelfall. Viele Lokale investieren kontinuierlich hohe Summen in die Sicherheit, um den gesetzlichen Anforderungen gerecht zu werden und ihren Gästen ein sicheres Umfeld zu bieten.
Was macht ein Lokal sicher?
Die Sicherheit in einem Nachtclub hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Es geht nicht nur um Feuerlöscher an der Wand. Moderne Brandschutzkonzepte sind komplex und müssen bei der Planung eines Lokals von Anfang an berücksichtigt werden.
Gesetzliche Grundlagen für den Brandschutz
In Österreich regeln diverse Gesetze und Verordnungen den Brandschutz in Gastronomiebetrieben. Dazu gehören die OIB-Richtlinien (Österreichisches Institut für Bautechnik) sowie landesspezifische Bauordnungen und Veranstaltungsgesetze. Diese Vorschriften definieren genaue Anforderungen an Baumaterialien, Fluchtwege, Brandmeldeanlagen und die maximale Personenanzahl.
Zu den wichtigsten Maßnahmen gehören:
- Flucht- und Rettungswege: Sie müssen klar gekennzeichnet, ausreichend breit und jederzeit frei von Hindernissen sein. In der Baumbar sind die Fluchtwege beispielsweise drei Meter breit.
- Notausgänge: Es muss eine ausreichende Anzahl an Notausgängen geben, die sich leicht öffnen lassen und direkt ins Freie führen.
- Brandmeldeanlagen: Moderne Anlagen erkennen Rauch und Hitze frühzeitig und alarmieren automatisch die Feuerwehr.
- Rauch- und Wärmeabzugsanlagen: Im Brandfall leiten sie giftige Gase aus dem Gebäude und halten die Fluchtwege rauchfrei.
- Schulung des Personals: Mitarbeiter müssen wissen, wie sie im Notfall reagieren, Gäste evakuieren und erste Löschmaßnahmen einleiten.
Johannes Brucker betont die Effektivität dieser Maßnahmen in seinem Betrieb. „Die Fluchtwege im Lokal sind drei Meter breit und würden stets freigehalten, es gebe vier Ein- und Ausgänge, der Hauptausgang befinde sich neben der Tanzfläche.“
„Im Ernstfall wäre das Lokal in einer Minute leer.“ – Johannes Brucker, Mitinhaber der Baumbar Kaprun
Die Rolle der Behörden und Kontrollen
Die Einhaltung der strengen Vorschriften wird in Salzburg durch regelmäßige Kontrollen sichergestellt. Zuständig sind hierfür die Gewerbebehörde, die Baubehörde und die Feuerwehr. Bei Betriebsanlagengenehmigungen wird das Brandschutzkonzept von Sachverständigen genau geprüft.
Auch nach der Eröffnung finden periodische Überprüfungen statt. Die Feuerwehr führt in unregelmäßigen Abständen Kontrollen durch, bei denen insbesondere die Freihaltung der Fluchtwege und die Funktionstüchtigkeit der Sicherheitseinrichtungen im Fokus stehen. Werden Mängel festgestellt, können empfindliche Strafen oder sogar die Schließung des Lokals die Folge sein.
Zahlen zum Brandschutz
Laut Statistik Austria ereignen sich jährlich mehrere hundert Brände in Gastronomiebetrieben. Die häufigsten Ursachen sind technische Defekte an Küchengeräten und elektrische Kurzschlüsse. Dank der hohen Sicherheitsstandards verlaufen die meisten dieser Vorfälle jedoch glimpflich und ohne Personenschaden.
Eigenverantwortung der Gäste ist ebenfalls gefragt
Obwohl Betreiber und Behörden für die Sicherheit verantwortlich sind, können auch die Gäste selbst einen Beitrag leisten. Experten raten, sich beim Betreten eines Lokals kurz zu orientieren: Wo sind die Notausgänge? Sind die Fluchtwege frei? Wer verdächtige Situationen bemerkt, wie blockierte Türen oder überfüllte Räume, sollte das Personal darauf ansprechen.
Wichtige Verhaltensregeln im Ernstfall:
- Ruhe bewahren: Panik führt zu unüberlegten Handlungen.
- Den Anweisungen des Personals folgen: Die Mitarbeiter sind für den Notfall geschult.
- Den nächsten Notausgang benutzen: Nicht zwangsläufig den Haupteingang, durch den alle drängen.
- Anderen helfen: Insbesondere Personen, die gestürzt sind oder Hilfe benötigen.
- Keine Aufzüge benutzen: Diese können zur tödlichen Falle werden.
Ein Fazit für Salzburgs Nachtschwärmer
Die Tragödie in der Schweiz ist eine schreckliche Mahnung, dass Sicherheit im Nachtleben niemals als selbstverständlich angesehen werden darf. Die Salzburger Gastronomen sind sich ihrer Verantwortung bewusst und investieren viel, um die hohen österreichischen Standards zu erfüllen und sogar zu übertreffen.
Die Kombination aus strengen Gesetzen, regelmäßigen Kontrollen und dem Verantwortungsbewusstsein der Betreiber schafft ein hohes Sicherheitsniveau. Dennoch bleibt ein Restrisiko, das nur durch die Aufmerksamkeit aller Beteiligten – Betreiber, Personal und Gäste – minimiert werden kann. Für die Salzburger Nachtschwärmer bedeutet dies, dass sie sich grundsätzlich sicher fühlen können, aber ein wachsames Auge stets der beste Schutz ist.





