Die Camerata Salzburg hat am vergangenen Sonntag im DomQuartier ein wegweisendes Konzertformat vorgestellt. Unter dem Titel „Konzert FÜR ALLE – wirklich alle!“ wurde ein Raum geschaffen, in dem klassische Musik für Menschen mit und ohne Behinderung gleichermaßen zugänglich war. Die üblichen strengen Regeln eines Konzertbesuchs wurden bewusst aufgehoben, um ein inklusives Erlebnis zu ermöglichen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Camerata Salzburg veranstaltete erstmals ein inklusives Konzert im DomQuartier.
- Strenge Konzertregeln wie Stillsitzen und Schweigen wurden für dieses Format aufgehoben.
- Das Ziel war es, Menschen mit Behinderungen den Zugang zu klassischer Musik zu erleichtern.
- Sozialstadträtin Andrea Brandner lobte die Initiative als Beispiel für gelebte Inklusion.
Ein Konzert ohne die üblichen Hürden
Für viele Menschen stellt der Besuch eines klassischen Konzerts eine unüberwindbare Herausforderung dar. Enge Sitzreihen, die Erwartung absoluter Stille und das Fehlen von Rückzugsmöglichkeiten schließen Personen aus, die sich nicht an diese starren Konventionen halten können. Die Camerata Salzburg hat diese Barrieren nun gezielt abgebaut.
Bei der Veranstaltung am Sonntag war es ausdrücklich erlaubt, während der Musik zu klatschen oder emotionale Laute von sich zu geben. Besucher konnten jederzeit aufstehen, sich bewegen oder den Saal kurz verlassen, ohne missbilligende Blicke befürchten zu müssen. Diese Freiheiten schufen eine entspannte und offene Atmosphäre, die von den Anwesenden sehr geschätzt wurde.
Warum Inklusion im Konzertsaal wichtig ist
Traditionelle Konzerte folgen einer strengen Etikette, die im 19. Jahrhundert etabliert wurde. Diese Regeln sollten die Konzentration auf die Musik fördern, schließen aber unbeabsichtigt viele Menschen aus. Initiativen wie das „Konzert FÜR ALLE“ hinterfragen diese Normen und suchen nach Wegen, kulturelle Teilhabe für alle Gesellschaftsgruppen zu ermöglichen. Es geht darum, den Fokus von der Einhaltung von Regeln auf das gemeinsame Musikerlebnis zu verlagern.
Maßgeschneiderte Rahmenbedingungen für alle Bedürfnisse
Die Organisatoren hatten an alles gedacht, um den Besuch so angenehm wie möglich zu gestalten. Es gab ausreichend Platz für Rollstühle, Gehhilfen und andere medizinische Hilfsmittel. Auch für Begleitpersonen war genügend Raum vorgesehen, sodass sie ihre Angehörigen optimal unterstützen konnten.
Zusätzlich wurde eine induktive Höranlage für Menschen mit Hörbeeinträchtigungen bereitgestellt. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Malteser Salzburg waren vor Ort, um bei Bedarf Unterstützung zu leisten. Diese umfassenden Maßnahmen stellten sicher, dass sich jeder Gast sicher und willkommen fühlen konnte.
Mozarts Musik in entspannter Umgebung
Unter der musikalischen Leitung von Gregory Ahss spielte das Orchester zwei Symphonien von Wolfgang Amadeus Mozart. Die Wahl des Komponisten war kein Zufall, denn seine Musik ist weltberühmt für ihre Zugänglichkeit und emotionale Tiefe. Die Musikerinnen und Musiker der Camerata präsentierten die Werke auf höchstem künstlerischem Niveau, jedoch in einem Rahmen, der die Freude an der Musik über starre Konventionen stellte.
Fakten zum inklusiven Konzert
- Veranstalter: Camerata Salzburg
- Ort: DomQuartier, Salzburger Altstadt
- Musikalischer Leiter: Gregory Ahss
- Programm: Zwei Symphonien von W. A. Mozart
- Besonderheiten: Keine strengen Verhaltensregeln, barrierefreier Zugang, induktive Höranlage, medizinische Unterstützung durch die Malteser.
Positive Reaktionen aus Politik und Publikum
Die für Barrierefreiheit zuständige Sozialstadträtin Andrea Brandner (SPÖ) besuchte das Konzert und zeigte sich tief beeindruckt. Sie betonte die Bedeutung solcher Initiativen für die Stadt Salzburg.
„Die Camerata hat eindrucksvoll gezeigt, wie gelebte Inklusion durch Musik möglich wird. Menschen mit und ohne Behinderung konnten klassische Musik auf höchstem Niveau genießen.“
Besonders bewegend waren die Rückmeldungen aus dem Publikum. Eine Mutter, die das Konzert mit ihrem Sohn mit Behinderung besuchte, schilderte ihre Erleichterung. Normalerweise müsse sie bei Konzerten den Saal verlassen, sobald ihr Sohn unruhig wird oder Bewegung braucht. „Hier habe ich mich das erste Mal frei gefühlt und wir konnten bleiben“, erklärte sie.
Diese Aussage unterstreicht, welch große emotionale Last von Familien genommen wird, wenn kulturelle Angebote ihre individuellen Bedürfnisse berücksichtigen. Es geht nicht nur um physische Barrierefreiheit, sondern auch um die Schaffung einer toleranten und verständnisvollen Atmosphäre.
Ein Modell für die Zukunft?
Andreas Bräunig, der Geschäftsführer der Camerata Salzburg, äußerte sich sehr erfreut über den Erfolg des Pilotprojekts. Die vielen positiven Rückmeldungen bestärken ihn und sein Team darin, diesen Weg weiterzugehen.
Die Hoffnung ist groß, dass sich dieses inklusive Konzertformat nicht nur bei der Camerata, sondern im gesamten Salzburger Kulturleben etabliert. Die Veranstaltung hat gezeigt, dass künstlerische Exzellenz und soziale Offenheit Hand in Hand gehen können. Sie setzt ein starkes Zeichen dafür, dass Kultur wirklich für alle da sein kann und muss.
Die Initiative könnte als Vorbild für andere Kulturinstitutionen in Salzburg und darüber hinaus dienen. Sie beweist, dass mit durchdachter Planung und dem Willen zur Veränderung kulturelle Teilhabe für alle Menschen Realität werden kann.





