Eine schwere Führungskrise erschüttert das Salzburger Rote Kreuz. Die offizielle Mitteilung über das „einvernehmliche“ Ausscheiden von Landesrettungskommandant Stefan Herbst wird von diesem dementiert. In der Organisation formiert sich breiter Widerstand, während das Präsidium hinter der Geschäftsführung steht.
Die Auseinandersetzung innerhalb der Rettungsorganisation hat eine neue Eskalationsstufe erreicht. Hunderte haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter haben ihre Solidarität mit dem langjährigen Kommandanten bekundet, was die tiefen Gräben in der Führungsebene offenlegt.
Die wichtigsten Punkte
- Landesrettungskommandant Stefan Herbst verlässt das Rote Kreuz Salzburg nach internen Konflikten.
- Die offizielle Darstellung einer „einvernehmlichen Trennung“ wird von Herbst öffentlich bestritten.
- Eine Welle der Solidarität von Mitarbeitern und Freiwilligen für Herbst zeigt die Spaltung in der Organisation.
- Das Präsidium unter Präsident Werner Aufmesser stellt sich hinter Geschäftsführerin Sabine Tischler.
Der umstrittene Abschied des Kommandanten
Am vergangenen Freitag gab das Rote Kreuz Salzburg in einer schriftlichen Mitteilung bekannt, dass sich die Organisation von Landesrettungskommandant Stefan Herbst trenne. Die Formulierung lautete, man habe sich „einvernehmlich“ auf diesen Schritt verständigt. Diese Darstellung wurde jedoch umgehend von Stefan Herbst selbst zurückgewiesen. Er stellte klar, dass von einer Einvernehmlichkeit keine Rede sein könne.
Diese widersprüchlichen Aussagen bilden den Kern des aktuellen Konflikts. Herbst, der als Landesrettungskommandant für die operativen Belange des Rettungsdienstes und den Katastrophenhilfsdienst verantwortlich war, genießt innerhalb der Organisation hohes Ansehen. Sein plötzliches und umstrittenes Ausscheiden sorgt für massive Unruhe.
Eine Welle der Solidarität für Stefan Herbst
Unmittelbar nach Bekanntwerden der Details zeigten hunderte Mitarbeiter und freiwillige Helfer ihre Unterstützung für Stefan Herbst. In internen Gruppen und sozialen Netzwerken formierte sich eine breite Solidaritätsbewegung. Viele Rettungssanitäter, Notärzte und Freiwillige äußerten ihr Unverständnis über die Entscheidung der Führungsebene.
Die Unterstützung für Herbst ist ein klares Zeichen dafür, wie tief die Spaltung innerhalb der Organisation reicht. Die Basis scheint geschlossen hinter ihrem Kommandanten zu stehen, während die Führungsspitze einen anderen Kurs verfolgt. Beobachter werten dies als Misstrauensvotum gegen die Geschäftsführung und das Präsidium.
Das Rote Kreuz in Salzburg
Das Salzburger Rote Kreuz ist einer der größten Arbeitgeber im Gesundheits- und Sozialbereich des Bundeslandes. Es stützt sich auf eine Kombination aus tausenden ehrenamtlichen Helfern und hunderten hauptberuflichen Mitarbeitern, die gemeinsam den Rettungsdienst, Krankentransporte und soziale Dienste sicherstellen.
Präsidium stärkt Geschäftsführung den Rücken
Trotz des erheblichen internen Drucks stellt sich das Präsidium des Roten Kreuzes geschlossen hinter Geschäftsführerin Sabine Tischler. In der offiziellen Darstellung wird die Zusammenarbeit mit Tischler und der Geschäftsführung positiv hervorgehoben. Das Präsidium, dem Präsident Werner Aufmesser sowie die Vizepräsidenten Bert Neuhofer und Ulrike Michl angehören, scheint fest entschlossen, den eingeschlagenen Weg fortzusetzen.
Diese klare Positionierung verschärft den Konflikt weiter. Es entsteht der Eindruck eines Machtkampfes zwischen der operativen Ebene, vertreten durch Stefan Herbst und seine Unterstützer, und der administrativen Führungsebene um Geschäftsführerin Tischler und das Präsidium.
Struktur und Führung
Die Führungsstruktur des Roten Kreuzes besteht aus einem ehrenamtlichen Präsidium, das die strategische Ausrichtung vorgibt, und einer hauptamtlichen Geschäftsführung, die für das operative Geschäft zuständig ist. Der Landesrettungskommandant leitet die Einsatzkräfte und ist eine zentrale Figur für die tausenden Freiwilligen und Mitarbeiter im Rettungsdienst.
Die Zukunft der Organisation ist ungewiss
Die aktuellen Turbulenzen werfen ernste Fragen über die zukünftige Stabilität und Einsatzfähigkeit des Salzburger Roten Kreuzes auf. Eine derart offene Konfrontation zwischen der Basis und der obersten Führungsebene ist für eine Hilfsorganisation, die auf Vertrauen und Zusammenhalt angewiesen ist, eine erhebliche Belastung.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob eine Lösung des Konflikts möglich ist oder ob die Gräben sich weiter vertiefen. Im Zentrum der Auseinandersetzung stehen nicht nur personelle Fragen, sondern auch die grundlegende Ausrichtung und der Führungsstil innerhalb einer der wichtigsten Organisationen des Landes.
Der vorliegende Konflikt ist mehr als nur eine Personalentscheidung. Er legt tiefere Spannungen über die Führung und die Wertschätzung von haupt- und ehrenamtlichem Engagement offen.
Für die Öffentlichkeit und die vielen Menschen, die sich auf die Dienste des Roten Kreuzes verlassen, bleibt zu hoffen, dass die Organisation schnell wieder zu innerer Ruhe und Stabilität findet, um ihre unverzichtbaren Aufgaben für die Gesellschaft weiterhin in vollem Umfang erfüllen zu können.





