Die im Konflikt um die Geschäftsführung des Salzburger Roten Kreuzes eingesetzte Kommission hat ihre Arbeit aufgenommen. Doch bereits jetzt äußern sich Mitarbeiter skeptisch über deren Unabhängigkeit und die zugesicherte Vertraulichkeit. Dies wirft Fragen bezüglich der Objektivität der Untersuchung auf, die das interne Zerwürfnis klären soll.
Wichtige Erkenntnisse
- Mitarbeiter äußern Skepsis gegenüber der Unabhängigkeit der Rot-Kreuz-Kommission.
- Die Zusicherung der Vertraulichkeit erreichte nicht alle Mitarbeiter direkt.
- Die Kommission soll Vorwürfe gegen Geschäftsführerin Sabine Tischler prüfen.
- Ehemaliger Landesrettungskommandant Toni Holzer sieht die Kommission positiver.
- Die Frist für Beschwerden wurde bis Mitte Januar verlängert.
Kommission nimmt Arbeit auf, Skepsis bleibt
Drei Wochen nach dem „Runden Tisch“, der als Reaktion auf den internen Aufstand gegen die Geschäftsführerin des Roten Kreuzes Salzburg, Sabine Tischler, einberufen wurde, hat die damals beschlossene Kommission ihre Arbeit begonnen. Bundesrettungskommandant Gerry Foitik sandte ein Schreiben an die hauptberuflichen und ehrenamtlichen Mitarbeiter, in dem er die Vertraulichkeit zusicherte. Dieses Schreiben wurde jedoch nicht direkt per E-Mail an alle versandt, sondern nur über ein internes Info-Portal zugänglich gemacht. Mitarbeiter mussten es dort aktiv abrufen.
„Ich erwarte mir von dieser sogenannten unabhängigen Grundsatzkommission nicht viel“, so ein Rot-Kreuz-Mitarbeiter, der anonym bleiben möchte.
Fakten und Zahlen
- Die Petition zum „Verbleib des Landesrettungskommandanten“ hat über 2600 Unterschriften gesammelt.
- Über 30 Führungskräfte sollen das Rote Kreuz in den letzten zehn Jahren verlassen haben.
- Davon waren rund 15 Frauen.
Vorwürfe gegen die Geschäftsführung
Die unabhängige Kommission soll die schwerwiegenden Vorwürfe gegen RK-Geschäftsführerin Sabine Tischler prüfen. Diese Vorwürfe stammen nicht nur von zahlreichen ehemaligen und aktiven Mitarbeitern in öffentlichen Foren, sondern auch aus einem offenen Brief von 36 aktuellen und ehemaligen Führungskräften. An der Spitze dieser Bewegung steht der ehemalige Landesrettungskommandant Toni Holzer.
Im offenen Brief wird Tischler ein „unerträglicher Umgang mit Mitarbeitern“ vorgeworfen. Präsident Werner Aufmesser steht weiterhin hinter Tischler und hat klargestellt, dass es unter seiner Führung keine Rückkehr des mittlerweile gekündigten Stefan Herbst geben werde. Herbst, der gegen seine Entlassung klagt, hatte ein Ultimatum gestellt: „Tischler oder ich“.
Zweifel an der Zusammensetzung der Kommission
Ein Insider aus dem Mitarbeiterkreis äußert Bedenken hinsichtlich der Unabhängigkeit der Kommissionsmitglieder. Er bezeichnet sie als „halb außenstehende“ Personen. Als Beispiel nennt er Werner Kerschbaum, der lange Jahre Mitglied der Geschäftsführung des Österreichischen Roten Kreuzes war und stets die Eigenständigkeit der Landesorganisationen betonte.
Hintergrund des Konflikts
Der lang schwelende Konflikt im Salzburger Roten Kreuz eskalierte mit der Kündigung von Stefan Herbst, dem ehemaligen Landesrettungskommandanten. Er hatte sich zuvor kritisch über die Geschäftsführung geäußert. Die Auseinandersetzung führte zu einer breiten öffentlichen Debatte und der Forderung nach einer unabhängigen Untersuchung der Vorwürfe gegen Sabine Tischler.
Der Informant befürchtet, dass die Kommission nur dann aktiv wird, wenn handfeste Beweise oder strafrechtliche Vergehen vorgelegt werden können. Er hat den Eindruck, dass das Thema bereits wieder an Brisanz verliert, möglicherweise weil viele Festangestellte um ihre Arbeitsplätze fürchten.
Holzers Sicht und die Pandemie-Auszeit
Toni Holzer, der ehemalige Landesrettungskommandant, äußert sich nun öffentlich zu den Vorgängen. Er räumt ein, dass es auch während seiner Amtszeit immer wieder Konflikte mit Tischler gab. Diese Gespräche endeten jedoch stets mit der Aufforderung von Präsident Aufmesser, die Angelegenheiten persönlich mit Tischler zu klären.
Für Holzer war früh klar, dass er unter Tischlers Geschäftsführung nicht länger Landesrettungskommandant bleiben wollte. Er betont, dass Tischlers Verhalten seinen Abgang im Jahr 2023 „erleichtert“ habe. Holzer erinnert auch daran, dass Sabine Tischler ausgerechnet während der besonders fordernden Pandemiezeit eine sechsmonatige Auszeit genommen hat. „Das haben viele von uns nicht verstanden“, so Holzer.
Arbeitsweise der Kommission und Fristverlängerung
Holzer kann die Zweifel an der Unabhängigkeit der Kommission nicht nachvollziehen. Er ist zuversichtlich, dass die Kommission zu einem Ergebnis kommen wird, das von beiden Seiten akzeptiert werden kann. „Wenn sich jetzt, 20, 30 oder mehr Mitarbeiter über den Umgangston der Geschäftsführerin beschweren, dann wird das bei den drei Kommissionsmitgliedern ein Bild ergeben, das niemand bestreiten kann“, erklärt Holzer.
Bundesrettungskommandant Foitik hat angekündigt, dass jede Seite zwei bis drei Fragen stellen kann. Diese Fragen sind noch nicht öffentlich bekannt. Die Kommission wird anonyme Beschwerden allerdings nicht berücksichtigen, da Rückfragen in solchen Fällen nicht möglich sind. Foitik hat jedoch versichert, dass nur die Kommissionsmitglieder und er selbst Zugang zum Mail-Postfach haben und alle zur Verschwiegenheit verpflichtet sind.
Die ursprüngliche Frist für die Einreichung von Beschwerden sollte Ende 2025 sein. „Diese Frist wurde aber auf unseren Wunsch hin auf Mitte Jänner verlängert“, so Holzer. Er rechnet damit, dass die Arbeit der Kommission insgesamt zwei bis drei Monate dauern wird. Das Ergebnis wird dem RK-Präsidenten Aufmesser sowie Toni Holzer übermittelt. Auch die Präsidentenkonferenz des Österreichischen Roten Kreuzes wird informiert.
Rolle der Bezirkskommandanten
Mitarbeiter des Roten Kreuzes zeigen sich verwundert darüber, dass die neun Bezirkskommandanten „einstimmig“ dem Präsidenten und damit auch der Geschäftsführerin das Vertrauen ausgesprochen haben. Es wird vermutet, dass es hier bereits Absprachen über die Nachfolge von Stefan Herbst als Landesrettungskommandant geben könnte. Hermann Gerstgraser, Bezirksrettungskommandant, wird in diesem Zusammenhang als möglicher Nachfolger genannt.
Holzer erklärte bereits vor dem Runden Tisch Ende November, dass die ehrenamtlichen Bezirkskommandanten einen Misstrauensantrag gegen das dreiköpfige Präsidium stellen könnten. Er erklärt, warum dies bisher nicht geschehen ist: „Bezirkskommandanten haben in ihrem Alltag wenig Berührungspunkte mit der Landesstelle. Die machen die Organisation vor Ort, die Diensteinteilung und schauen, dass ihre Einheit gut funktioniert. Das Betriebsklima in der Landesgeschäftsstelle spielt da keine große Rolle.“
Stefan Herbst, der Auslöser des Konflikts, hält sich derzeit zurück. Nach seinem Ultimatum wurde er zuerst freigestellt und dann fristlos entlassen. Er klagt nun arbeitsgerichtlich dagegen. Ob er nach einem möglichen Gerichtssieg zum Roten Kreuz zurückkehren würde, ist ungewiss. Insidern zufolge stehen ihm aufgrund seiner technischen Ausbildung zahlreiche andere Möglichkeiten offen.





