Ab dem 14. Dezember 2024 tritt in Salzburg der größte Fahrplanwechsel seit Jahren in Kraft. Im Zuge der österreichweiten Inbetriebnahme der Koralmbahn werden zahlreiche Bus- und Bahnverbindungen neu strukturiert. Dies führt zu schnelleren Verbindungen, neuen Linien und einer deutlichen Kapazitätserweiterung, die insbesondere Pendlern und Reisenden in den Regionen zugutekommen soll.
Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) erweitern ihr Angebot allein im Bundesland Salzburg um mehr als 800.000 Zugkilometer pro Jahr. Dieser Schritt ist Teil einer nationalen Initiative, die durch die Eröffnung der Koralmbahn einen neuen Ringschluss im österreichischen Schienennetz ermöglicht und den inneralpinen Verkehr grundlegend neu ordnet.
Die wichtigsten Änderungen im Überblick
- Drei neue Fernverkehrslinien verbinden Salzburg direkt mit Kärnten, der Steiermark und Tirol.
- Die Fahrzeit zwischen Salzburg und Graz verkürzt sich um fast 30 Minuten.
- Die Sitzplatzkapazität für Pendler zwischen Golling und Salzburg Stadt steigt um 60 Prozent.
- Die neue Linie R3 ersetzt die S3 zwischen Salzburg und Saalfelden und verkehrt auch sonntags.
- Umfassender Ausbau des Regionalbusverkehrs in Flachgau, Tennengau, Pinzgau und Lungau.
Ein neues Zeitalter für den Fernverkehr
Die Inbetriebnahme der Koralmbahn zwischen der Steiermark und Kärnten hat weitreichende Auswirkungen auf das gesamte österreichische Schienennetz. Für Salzburg bedeutet dies die Einführung von drei neuen Fernverkehrslinien, die das Bundesland besser mit dem Süden und Westen Österreichs verbinden.
Der Interregio Pinzgau, der Interregio Ennstal und der Intercity Tauern schaffen neue Direktverbindungen, die bisher nicht existierten. Eine der spürbarsten Verbesserungen betrifft die Strecke zwischen Salzburg und Graz. Bisher führte die schnellste Route durch das Ennstal. Ab Dezember wird die Verbindung über die Tauernstrecke geführt, was die Reisezeit um fast eine halbe Stunde verkürzt.
Der österreichweite Ringschluss
Mit der Koralmbahn entsteht ein sogenannter Ringschluss im österreichischen Bahnnetz. Dies ermöglicht eine flexiblere und effizientere Führung von Zügen im Süden des Landes. Die Neuordnung des inneralpinen Verkehrs ist eine direkte Folge dieser strategischen Infrastrukturerweiterung, von der auch Salzburg profitiert.
Landeshauptfrau-Stellvertreter Stefan Schnöll (ÖVP) betonte die Bedeutung dieser Umstellung: „Die Fahrplanänderung steht dieses Jahr ganz im Licht der neuen Koralmbahn. Durch die österreichweiten Umstellungen kommt es zu vielen Änderungen, aber gleichzeitig auch zu massiven Verbesserungen in Salzburg."
Massive Verbesserungen für Pendler
Besonders Pendlerinnen und Pendler auf stark frequentierten Strecken werden die Änderungen positiv wahrnehmen. Die Verbindung zwischen Golling im Tennengau und der Stadt Salzburg erfährt eine signifikante Aufwertung. Hier wird die Sitzplatzkapazität um 60 Prozent erhöht. Erreicht wird dies durch den Einsatz längerer Züge, die werktags in Doppeltraktion – also mit zwei gekoppelten Zuggarnituren – verkehren.
Die Abfahrtszeiten auf dieser Strecke werden zudem an den neu gestalteten Fernverkehr angepasst, um optimale Umsteigemöglichkeiten zu gewährleisten. Diese Maßnahme zielt darauf ab, die Überlastung während der Stoßzeiten zu reduzieren und den Komfort für die täglichen Fahrgäste zu steigern.
Neuorganisation der S-Bahn und Regionalzüge
Eine wesentliche Änderung betrifft die S-Bahn-Linie S3. Bisher verkehrte jeder zweite Zug dieser Linie bis nach Saalfelden im Pinzgau. Zukünftig wird die S3 in der Haltestelle Golling/Abtenau enden. Die Anbindung des Pinzgaus wird jedoch nicht nur aufrechterhalten, sondern sogar verbessert.
Neue Linie R3: Schneller und auch am Sonntag
Die neue Regionalzuglinie R3 wird die Verbindung zwischen Salzburg Hauptbahnhof und Saalfelden im Stundentakt übernehmen. Sie bedient alle bisherigen Haltestellen der S3 auf diesem Abschnitt. Durch eine beschleunigte Streckenführung im Zentralraum ab Golling verkürzt sich die Fahrzeit im Vergleich zur bisherigen S3 um rund zehn Minuten. Ein weiterer großer Vorteil: Die R3 wird, anders als die S3 bisher, auch am Sonntag verkehren und schließt damit eine wichtige Lücke im Wochenendverkehr.
Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs in den Gauen
Nicht nur der Schienenverkehr, auch das regionale Busnetz wird im Zuge des Fahrplanwechsels umfassend erweitert. Ziel ist es, auch entlegenere Regionen besser an die zentralen Verkehrsknotenpunkte anzubinden und die Mobilität ohne eigenen Pkw zu fördern.
- Flachgau: In Seekirchen startet ein neuer Stadtverkehr mit insgesamt 24 neuen Haltestellen. Zusätzlich wird die neue Buslinie 38 eine Verbindung zwischen Seekirchen und Henndorf schaffen.
- Tennengau: Die stark genutzte Buslinie 170 zwischen Hallein und der Stadt Salzburg erhält eine zusätzliche Frühverbindung in Richtung Landeshauptstadt. Die Betriebszeiten des Tennengau Shuttles werden an Freitagen und Samstagen verlängert, um das Angebot am Abend zu verbessern.
- Pinzgau: Um die Anbindung über das kleine deutsche Eck zu optimieren, erhält die Linie 260 (Salzburg – Lofer – Zell am See) eine zusätzliche Frühverbindung sowie einen durchgehenden Stundentakt am Wochenende.
- Lungau: Die Linie 270, die Salzburg mit Tamsweg verbindet, wird künftig im Zweistundentakt über die A10 Tauernautobahn geführt. Dies sorgt für eine schnellere Anbindung. Zudem werden durch eine Neuausschreibung der Verkehre die Takte verdichtet und flexible Mikro-ÖV-Systeme, wie beispielsweise zwischen Tamsweg und dem Prebersee, eingeführt.
Ab Februar 2026 ist eine weitere Verbesserung im Pongau geplant: Ein Shuttledienst wird die Verbindung zwischen den wichtigen Orten Eben, Flachau und Altenmarkt ergänzen und so die Mobilität in der Tourismusregion weiter stärken.
Was ist Mikro-ÖV?
Mikro-ÖV-Systeme sind flexible, bedarfsgesteuerte Verkehrsangebote, die oft in ländlichen Gebieten eingesetzt werden, wo ein fester Linienverkehr nicht rentabel wäre. Sie funktionieren meist wie Sammeltaxis oder Rufbusse und können per App oder Telefon gebucht werden, um eine flexible Anbindung zu gewährleisten.
Die umfassenden Änderungen des neuen Fahrplans stellen einen wichtigen Schritt dar, um den öffentlichen Verkehr in Salzburg attraktiver, schneller und zuverlässiger zu machen. Die Maßnahmen sollen nicht nur Pendlern den Alltag erleichtern, sondern auch den Freizeit- und Tourismusverkehr stärken und einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.





