Die Lehre in Salzburg erfreut sich eines hervorragenden Rufs. Eine aktuelle Umfrage unter 1.500 Lehrlingen bestätigt, dass die duale Ausbildung so positiv wahrgenommen wird wie selten zuvor. Ganze 80 Prozent der Befragten bewerten das Image ihrer Ausbildung als ausgezeichnet. Diese Ergebnisse stammen aus dem neuen „Salzburger Lehrlingsreport 2025“, der von der Wirtschaftskammer Salzburg in Zusammenarbeit mit der Bildungsdirektion erstellt wurde.
Die Studie, die zwischen April und Juli 2025 durchgeführt wurde, zeigt nicht nur eine hohe Zufriedenheit, sondern auch einen klaren Optimismus der Jugendlichen für ihre berufliche Zukunft. Die Ergebnisse liefern wertvolle Einblicke in die Beweggründe und Zukunftspläne der nächsten Generation von Fachkräften im Bundesland.
Das Wichtigste in Kürze
- Hervorragendes Image: 80% der 1.500 befragten Salzburger Lehrlinge bewerten das Image der Lehre als ausgezeichnet.
- Hohe Zufriedenheit: 75% der Jugendlichen sind mit ihrer Wahl des Lehrberufs „sehr zufrieden“ oder „zufrieden“.
- Praxiserfahrung entscheidet: Für 68% war das „Schnuppern“ der wichtigste Weg zur Informationsgewinnung über ihren Lehrberuf.
- Klare Zukunftspläne: Ein Großteil der Lehrlinge plant, im erlernten Beruf zu bleiben, sich weiterzubilden oder selbstständig zu machen.
- Fachkräftemangel: Trotz des positiven Images gibt es in Branchen wie Handel, Gastronomie und Technik hunderte unbesetzte Lehrstellen.
Einblicke in die Zufriedenheit und Zukunftspläne
Der Salzburger Lehrlingsreport 2025 zeichnet ein detailliertes Bild der Stimmung unter den rund 8.000 Lehrlingen im Bundesland. Die hohe Zufriedenheit ist ein zentrales Ergebnis. Drei von vier Lehrlingen geben an, mit ihrer Berufswahl glücklich zu sein. Dieser Wert untermauert auch die Beobachtung aus dem österreichweiten Mikrozensus, wonach eine Lehre im Vergleich zu anderen Ausbildungswegen die geringste Abbrecherquote aufweist.
Die positive Grundstimmung spiegelt sich auch in den Zukunftsaussichten wider. Die Jugendlichen blicken optimistisch auf ihre Karrierechancen. Ihre Pläne sind dabei vielfältig und ambitioniert:
- 28% möchten im selben Unternehmen bleiben und in eine höhere Position aufsteigen.
- 23% haben das Ziel, sich in Zukunft selbstständig zu machen.
- 17% planen, Berufserfahrung im Ausland zu sammeln.
- 15% streben eine weiterführende Ausbildung an, wie zum Beispiel die Meisterprüfung.
Erfolgsmodell „Lehre mit Matura“
Ein besonders erfolgreiches Konzept in Salzburg ist die „Lehre mit Matura“. Die Möglichkeit, parallel zur praktischen Ausbildung die Reifeprüfung abzulegen, findet großen Anklang. Laut dem Report sind 34 Prozent der Befragten mit diesem Modell bestens vertraut und absolvieren es bereits oder haben es fest vor. Dies zeigt den Wunsch vieler Jugendlicher, sich alle Bildungswege offenzuhalten.
Der Weg zur richtigen Lehrstelle
Wie finden junge Menschen den Weg in ihren Traumberuf? Der Report zeigt klar, dass praktische Erfahrungen den Ausschlag geben. Für 68 Prozent der Befragten war das „Schnuppern“ in einem Betrieb die wichtigste Informationsquelle. Der direkte Einblick in den Berufsalltag ist damit entscheidender als jede andere Form der Berufsberatung.
An zweiter Stelle steht das persönliche Umfeld: 49 Prozent ließen sich von Familie, Freunden oder Bekannten beraten. Soziale Medien spielen mit 15 Prozent eine noch untergeordnete, aber wachsende Rolle bei der Informationssuche.
Was bei der Betriebswahl zählt
Bei der finalen Entscheidung für einen Lehrbetrieb sind mehrere Faktoren ausschlaggebend. Eine erfolgreich und interessant gestaltete Schnupperlehre war für 47 Prozent der entscheidende Grund. Weitere wichtige Kriterien waren:
- Die Qualität der beruflichen Ausbildung (39%)
- Die verkehrsgünstige Lage des Unternehmens (38%)
- Die allgemeine Qualität der Ausbildung im Betrieb (36%)
- Die Höhe des Lehrlingseinkommens (26%)
Auch ein persönlicher Bezug zum Betrieb (20%), die Unternehmensgröße (19%) sowie zusätzliche Prämien und Leistungen (18%) beeinflussten die Wahl.
Politik und Wirtschaft sehen Kurs bestätigt
Die Verantwortlichen bei der Wirtschaftskammer Salzburg (WKS) und in der Landesregierung zeigen sich erfreut über die Ergebnisse. „Wir freuen uns über die hervorragenden Ergebnisse, die der Lehrlingsreport 2025 gebracht hat“, so Martina Plaschke vom Bereich Lehre in der WKS. „Sowohl die Ausbildung im Betrieb als auch der Unterricht in der Berufsschule werden als besonders qualitätsvoll eingeschätzt.“
„Wir haben uns zum Ziel gesetzt, Salzburg zum lehrlingsfreundlichsten Bundesland Österreichs zu machen. Die Ergebnisse zeigen, wie weit wir dabei bereits gekommen sind.“ – Daniela Gutschi, Bildungslandesrätin
Plaschke betont zudem die Bedeutung der neuen Datenbasis. Anstelle einer „gefühlten Wahrheit“ habe man nun klare Fakten, die in den kommenden Jahren Vergleiche ermöglichen. „Nicht zuletzt ist der Report eine Wertschätzung der Lehrlinge selbst: Ihre Meinung ist gefragt und wird gehört“, fügt sie hinzu.
Die beliebtesten Lehrberufe in Salzburg
Obwohl in Österreich über 200 Lehrberufe angeboten werden, konzentriert sich die Hälfte der 7.820 Salzburger Lehrlinge (Stand Ende 2024) auf nur zehn Berufe. Die Top 5 sind:
- Einzelhandelskaufmann/-frau: 788 Lehrlinge
- Elektrotechniker/-in: 648 Lehrlinge
- Kraftfahrzeugtechniker/-in: 639 Lehrlinge
- Metalltechniker/-in: 556 Lehrlinge
- Bürokaufmann/-frau: 495 Lehrlinge
Die andere Seite der Medaille: Hunderte offene Stellen
Trotz des positiven Images und der hohen Zufriedenheit der Lehrlinge kämpfen viele Branchen weiterhin mit einem Mangel an Nachwuchskräften. Ein Blick in die Statistik des AMS Salzburg zeigt, dass Ende Jänner 2025 insgesamt 771 Lehrstellen sofort verfügbar waren. Der Bedarf ist in bestimmten Bereichen besonders groß.
Der Handel, der die meisten Lehrlinge ausbildet, sucht gleichzeitig am dringendsten nach neuem Personal. Hier waren 211 Stellen unbesetzt. Auch die Gastronomie und der Tourismus haben einen enormen Bedarf:
- Koch/Köchin: 96 offene Lehrstellen
- Restaurantfachmann/-frau: 76 offene Lehrstellen
- Hotel- und Gastgewerbeassistent/-in: 47 offene Lehrstellen
Auch in der Industrie werden Fachkräfte von morgen gesucht. So waren beispielsweise 31 Lehrstellen für Industriekaufleute ausgeschrieben. Diese Zahlen verdeutlichen die Diskrepanz zwischen dem Angebot an Ausbildungsplätzen und der Nachfrage seitens der Jugendlichen und unterstreichen die anhaltende Herausforderung für den Salzburger Arbeitsmarkt.





