In Salzburg beobachten Suchtberatungsstellen eine besorgniserregende Entwicklung: Eine wachsende Zahl von Menschen, die mit Glücksspielsucht kämpfen, konsumiert gleichzeitig Kokain. Experten warnen vor den Gefahren dieser doppelten Abhängigkeit, die sich sowohl in illegalen Spielhallen als auch im Online-Bereich manifestiert und vor allem Männer in einer bestimmten Altersgruppe betrifft.
Wichtige Erkenntnisse
- In Salzburg gibt es eine steigende Zahl von Personen, die sowohl spielsüchtig als auch kokainabhängig sind.
- Betroffen sind vor allem Männer zwischen Ende 20 und Ende 30, oft mit stabilem beruflichem Hintergrund.
- Der Kokainkonsum dient häufig dazu, länger wach zu bleiben und nächtelang spielen zu können.
- Der aktuelle Suchtbericht des Landes Salzburg bestätigt, dass Kokainkonsum und Spielsucht zu den am stärksten zunehmenden Suchtproblemen gehören.
- Im vergangenen Jahr wurden im Bundesland 15 drogenbedingte Todesfälle registriert.
Ein gefährlicher Trend in der Glücksspielszene
Experten des Instituts für Glücksspiel und Abhängigkeit schlagen Alarm. Sie stellen fest, dass Kokain immer häufiger als „Leistungsdroge“ im Glücksspielmilieu eingesetzt wird. Die Droge hilft den Spielern, Müdigkeit zu unterdrücken und stunden- oder sogar nächtelang konzentriert zu bleiben. Diese Entwicklung betrifft zwei unterschiedliche Bereiche der Glücksspielwelt.
Zum einen sind es die illegalen Spiellokale, in denen Spieler zu Kokain greifen, um bei Pokerrunden oder an Automaten wach und einsatzfähig zu bleiben. Zum anderen hat sich das Problem stark in den digitalen Raum verlagert. Auch bei Online-Casinos konsumieren Nutzer die Droge, um die Nächte durchspielen zu können, ohne von Erschöpfung übermannt zu werden.
Die Rolle des Instituts für Glücksspiel und Abhängigkeit
Das Institut für Glücksspiel und Abhängigkeit ist eine zentrale Anlaufstelle in Österreich für Menschen, die von Spielsucht betroffen sind. Es bietet Beratung, Forschung und Präventionsarbeit an. Die Beobachtungen des Instituts liefern wichtige Einblicke in aktuelle Trends und Veränderungen im Suchtverhalten.
Wer sind die Betroffenen?
Die Gruppe der Betroffenen ist spezifischer, als man annehmen könnte. Laut Roman Neßhold, dem Präsidenten des Instituts für Glücksspiel und Abhängigkeit, handelt es sich überwiegend um Männer. Die Kernzielgruppe liegt im Alter von Ende 20 bis Ende 30.
Entgegen dem Klischee des sozial abgehängten Süchtigen sind viele dieser Männer gut situiert. „Und das sind durchaus auch Menschen, die über Kapital oder einen gewissen beruflichen Status verfügen“, erklärt Neßhold. Dieser Umstand macht die Sucht oft lange unsichtbar, da die finanziellen Mittel vorhanden sind, um sowohl das Glücksspiel als auch den Drogenkonsum zu finanzieren – bis der unvermeidliche Zusammenbruch folgt.
„Wir beobachten zwei Ströme. Das eine ist, dass die Leute, die irgendwo in einem illegalen Spiellokal spielen, auch Kokain konsumieren, um länger wach bleiben zu können. Ein zweiter Strom ergibt sich im Online-Casino.“
Offizielle Zahlen bestätigen die Beobachtungen
Die alarmierenden Berichte aus der Praxis werden durch offizielle Daten untermauert. Der aktuelle Suchtbericht des Landes Salzburg weist sowohl Glücksspielsucht als auch Kokainkonsum als die am stärksten wachsenden Suchtproblematiken aus. Diese parallele Zunahme ist kein Zufall, sondern spiegelt die enge Verknüpfung beider Süchte wider.
Die Statistik zeigt ein düsteres Bild: In fast jedem zweiten Drogenberatungsgespräch in Salzburg ist mittlerweile Kokain ein Thema. In den letzten zehn Jahren hat sich der Anteil der Beratungen, die sich um Kokainprobleme drehen, fast verdoppelt. Zwar bleibt Cannabis die am häufigsten genannte Substanz, doch der Aufstieg von Kokain ist unübersehbar.
Statistiken zur Sucht in Salzburg
- Jedes fünfte Beratungsgespräch am Institut für Glücksspiel und Abhängigkeit hat mittlerweile auch Kokain zum Thema.
- Im vergangenen Jahr gab es im Bundesland Salzburg 15 drogenbedingte Todesfälle.
- Der Anteil der Kokain-Beratungen hat sich in den letzten 10 Jahren beinahe verdoppelt.
Die Drogenszene wird jünger und aggressiver
Neben der Verknüpfung mit der Glücksspielsucht gibt es eine weitere besorgniserregende Entwicklung in der Salzburger Drogenszene. Recherchen zeigen, dass nicht nur mehr Drogen im Umlauf sind, sondern dass sich die Szene zunehmend auf jugendliche Kunden ausrichtet. Besonders der Bereich um den Salzburger Hauptbahnhof ist zu einem Hotspot geworden.
Berichten zufolge sprechen dort junge Männer gezielt minderjährige Mädchen an, um ihnen Drogen anzubieten. In einem späteren Schritt werden für die Drogen oft körperliche Gegenleistungen eingefordert. Dieses Vorgehen, bekannt als „Loverboy-Methode“, stürzt junge Menschen in eine Spirale aus Abhängigkeit und Ausbeutung. Organisationen wie die Salzburger Suchthilfe Klinik sind intensiv mit der Betreuung der betroffenen Jugendlichen beschäftigt.
Prävention und Hilfe sind entscheidend
Die Kombination aus Glücksspiel und Kokain stellt eine besondere Herausforderung für das Hilfesystem dar. Die doppelte Abhängigkeit erfordert einen integrierten Behandlungsansatz, der beide Süchte gleichzeitig adressiert. Der Rausch des Kokains kann die Hemmschwelle beim Spielen senken und zu noch höheren Verlusten führen, was wiederum den psychischen Druck erhöht und den Wunsch nach erneutem Drogenkonsum verstärkt – ein Teufelskreis.
Beratungsstellen wie die Suchthilfe Klinik Salzburg bieten professionelle Unterstützung für Betroffene und deren Angehörige. Früherkennung und ein niederschwelliger Zugang zu Hilfsangeboten sind entscheidend, um zu verhindern, dass Menschen in dieser doppelten Suchtspirale gefangen bleiben. Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass der Bedarf an Aufklärung und Prävention größer ist denn je.





