Am Landesgericht Salzburg hat ein bedeutender Prozess wegen mutmaßlichen Wirtschaftskriminalität begonnen. Fünf Personen, darunter drei Kreditvermittler und zwei ehemalige Bankangestellte, müssen sich wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs verantworten. Ihnen wird vorgeworfen, eine Bank systematisch um rund zwei Millionen Euro geschädigt zu haben.
Die Anklage, vertreten durch die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA), beschreibt ein ausgeklügeltes System, bei dem gezielt finanzschwache Personen für die Beantragung von Konsumkrediten instrumentalisiert worden sein sollen. Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Schwachstellen im Kreditvergabeprozess und die kriminelle Energie der Beteiligten.
Das Wichtigste in Kürze
- Fünf Angeklagte stehen in Salzburg vor Gericht: drei Kreditvermittler und zwei ehemalige Bankmitarbeiter.
- Der vorgeworfene Schaden beläuft sich auf rund zwei Millionen Euro durch mindestens 50 manipulierte Kreditanträge.
- Die Anklage lautet auf schweren gewerbsmäßigen Betrug, Bildung einer kriminellen Vereinigung sowie Bestechung.
- Den Angeklagten drohen bei einer Verurteilung Haftstrafen von bis zu zehn Jahren.
Die Details der Anklage
Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft wirft dem Quintett vor, als kriminelle Vereinigung agiert zu haben. Die zentralen Vorwürfe sind schwerer gewerbsmäßiger Betrug, Bestechung und die Annahme von Geschenken in der Privatwirtschaft. Der Prozess, der vor einem Schöffensenat unter dem Vorsitz von Richter Günther Nocker stattfindet, ist zunächst für drei Verhandlungstage angesetzt.
Die Staatsanwaltschaft legt dar, dass die Angeklagten gemeinschaftlich und mit hoher krimineller Energie vorgegangen sein sollen. Ziel war es, ein in Deutschland ansässiges Geldinstitut durch systematische Täuschung zur Auszahlung von Krediten zu verleiten, die unter normalen Umständen niemals genehmigt worden wären.
Eine perfide Masche
Den Ermittlungen zufolge war die Vorgehensweise der Gruppe ebenso einfach wie skrupellos. Die Kreditvermittler sollen gezielt Personen in finanziell prekären Lagen angesprochen haben. Viele dieser Menschen hatten einen Migrationshintergrund und verfügten nur über geringe Deutschkenntnisse, was sie zu leichten Zielen machte.
Die Anwerbung potenzieller Kreditnehmer fand an öffentlichen Orten statt, darunter der Wiener Reumannplatz, der Salzburger Hauptbahnhof sowie in der Region um Braunau und Mattighofen. Dort wurden die Personen überredet, Anträge für Konsumkredite zu stellen, obwohl ihre finanzielle Situation dies nicht zuließ.
Hintergrund: Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA)
Die WKStA ist eine spezialisierte Strafverfolgungsbehörde in Österreich. Sie ist für die Verfolgung von schweren Wirtschafts- und Korruptionsdelikten zuständig. Dazu gehören Fälle von Amtsmissbrauch, Bestechung und Betrug mit hohen Schadenssummen, die eine besondere Expertise erfordern.
Systematische Fälschung von Unterlagen
Nachdem die Kreditwerber gefunden waren, begann laut Anklage der eigentliche Betrug. Die Kreditunterlagen wurden systematisch manipuliert. Falsche Angaben zur Bonität, zu Einkommen und Beschäftigungsverhältnissen sollten den Anschein erwecken, dass die Antragsteller kreditwürdig seien.
Hier kamen die beiden angeklagten Bankmitarbeiter ins Spiel. Sie arbeiteten in der Salzburger Filiale einer österreichischen Bank. Ihre Aufgabe soll es gewesen sein, die gefälschten Anträge entgegenzunehmen und zur Genehmigung an das deutsche Mutterinstitut weiterzuleiten. Für ihre Kooperation sollen sie Bestechungsgelder von den Kreditvermittlern erhalten haben.
Diese interne Komplizenschaft war ein entscheidender Faktor für den Erfolg des Betrugssystems. Ohne die Mitwirkung der Bankangestellten wäre es deutlich schwieriger gewesen, die manipulierten Dokumente durch die internen Kontrollmechanismen zu schleusen.
Zahlen und Fakten zum Fall
- Angeklagte: 5 Personen (3 Kreditvermittler, 2 Ex-Bankmitarbeiter)
- Anzahl der Fälle: Mindestens 50 bekannte Kreditanträge
- Schadenssumme: ca. 2.000.000 Euro
- Potenzielle Haftstrafe: 1 bis 10 Jahre
Die Auszahlung und Verteilung der Gelder
Sobald die Kredite von der deutschen Bank genehmigt wurden, flossen die Gelder. Die Angeklagten sollen die Kreditnehmer in einigen Fällen dazu gebracht haben, Blankounterschriften auf Behebungsbelegen zu leisten. Dies ermöglichte es der Gruppe, direkt auf die frisch ausgezahlten Summen zuzugreifen und diese unter sich aufzuteilen.
Die eigentlichen Kreditnehmer, deren Namen für die Anträge missbraucht wurden, sahen oft nur einen kleinen Teil des Geldes oder gingen gänzlich leer aus. Zurück blieben sie mit hohen Schulden, die sie niemals zurückzahlen konnten. Die Raten wurden nicht bedient, was letztlich zum Auffliegen des Systems führte, als die Kredite massenhaft ausfielen.
Der Prozess und die möglichen Konsequenzen
Der Schöffenprozess am Landesgericht Salzburg wird die genaue Rolle der einzelnen Angeklagten klären müssen. Es gilt zu beweisen, wer die treibende Kraft hinter dem System war und inwieweit die Bankmitarbeiter in die Planung und Durchführung involviert waren. Die Verteidigung wird voraussichtlich versuchen, die Schuldanteile der jeweiligen Mandanten zu minimieren.
Für die Angeklagten steht viel auf dem Spiel. Der Strafrahmen für schweren gewerbsmäßigen Betrug im Rahmen einer kriminellen Vereinigung ist erheblich. Im Falle einer anklagekonformen Verurteilung drohen Haftstrafen, die von einem Jahr bis zu zehn Jahren reichen.
Der Prozess wird auch eine Signalwirkung für die Finanzbranche haben. Er zeigt auf, wie wichtig robuste interne Kontrollsysteme und die sorgfältige Überprüfung von Mitarbeitern sind, um kriminelle Machenschaften zu verhindern. Die Aufklärung dieses Falles könnte zu einer Verschärfung der Richtlinien bei der Kreditvergabe führen, insbesondere bei der Zusammenarbeit mit externen Vermittlern.





