Ein halbes Jahr nach den politischen Umwälzungen in Salzburg zeigt eine aktuelle Umfrage ein überraschend stabiles Bild der Parteienlandschaft. Während die ÖVP ihre Führungsposition behauptet, offenbaren die persönlichen Werte für Landeshauptfrau Karoline Edtstadler eine deutliche Diskrepanz zur Stärke ihrer Partei.
Die wichtigsten Ergebnisse
- Die ÖVP liegt in der Sonntagsfrage weiterhin klar an erster Stelle, gefolgt von der FPÖ.
- SPÖ, Grüne und Neos zeigen sich in den Umfragewerten stabil.
- Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP) liegt in der fiktiven Direktwahlfrage deutlich hinter den Werten ihrer Partei.
- Ein Drittel der Befragten ist bei der Direktwahlfrage unentschlossen.
Stabile Parteienlandschaft trotz politischer Veränderungen
Das politische Jahr 2025 war in Salzburg von erheblichen Veränderungen geprägt. Mit Karoline Edtstadler trat eine neue Landeshauptfrau ihr Amt an, drei von sieben Regierungsmitgliedern sind neu, und die SPÖ hat nach längerer Suche mit Peter Eder einen designierten Parteichef gefunden. Eine Umfrage unter 500 Salzburgerinnen und Salzburgern zeigt jedoch, dass sich diese Dynamik kaum auf die grundsätzliche Wählerstimmung ausgewirkt hat.
Die ÖVP kann ihre Position als stärkste Kraft festigen und verzeichnet im Vergleich zur letzten Landtagswahl sogar einen leichten Zuwachs. Auch die FPÖ legt zu, der Abstand zur ÖVP bleibt aber konstant. Die Ergebnisse für SPÖ, Grüne und Neos bleiben ebenfalls weitgehend unverändert. Einzig die KPÖplus muss in der aktuellen Umfrage deutliche Verluste hinnehmen.
Hintergrund der Umfrage
Die Befragung wurde zum Jahresende durchgeführt und spiegelt die öffentliche Meinung nach den ersten sechs Monaten der neuen Landesregierung wider. Sie dient als Stimmungsbarometer und gibt Aufschluss darüber, wie die politischen Neubesetzungen von der Bevölkerung aufgenommen werden.
Politische Beobachter sehen in der Stabilität der ÖVP-Werte eine Bestätigung für den geordneten Übergang an der Parteispitze. „Bei der ÖVP hat man gesehen, dass die Nachfolgeentscheidung vor dem Sommer ein positiver Trend war“, erklärt Michael Kretz, Chefredakteur von Mein Bezirk. Er merkt jedoch an: „Seither geht es aber sukzessive in kleinen Schritten nach unten.“
Bei der SPÖ scheint die lange unklare Führungsfrage die Partei gebremst zu haben. „Ein Blick auf den Dezember zeigt aber, dass die zentrale Frage, wer die Partei führen wird, eine positive Tendenz gebracht hat“, so Kretz weiter.
Bekanntheit der Spitzenpolitiker
Die neuen Machtverhältnisse spiegeln sich auch in der Bekanntheit der führenden Politiker wider. Landeshauptfrau Karoline Edtstadler (ÖVP) und ihre Stellvertreterin Marlene Svazek (FPÖ) sind den Salzburgerinnen und Salzburgern mittlerweile ein Begriff. Laut der Umfrage kennen sie praktisch alle Befragten.
Knapp dahinter rangiert Landeshauptfrau-Stellvertreter Stefan Schnöll (ÖVP), den 89 Prozent der Teilnehmer kennen. Als bekannteste Oppositionspolitikerin etabliert sich Martina Berthold von den Grünen mit einem Bekanntheitsgrad von 79 Prozent.
Bekanntheitswerte im Überblick
- Karoline Edtstadler (ÖVP): Nahezu 100%
- Marlene Svazek (FPÖ): Nahezu 100%
- Stefan Schnöll (ÖVP): 89%
- Martina Berthold (Grüne): 79%
Am anderen Ende der Skala befindet sich die Klubobfrau der KPÖplus, Nathalie Hangöbl, mit der geringsten Bekanntheit. Auch der designierte SPÖ-Chef und amtierende Arbeiterkammerpräsident Peter Eder hat hier noch Aufholbedarf und ist vielen Salzburgern noch kein Begriff.
Direktwahlfrage offenbart große Unsicherheit
Ein völlig anderes Bild zeigt sich bei der fiktiven Frage, wen die Salzburger direkt zur Landeshauptfrau oder zum Landeshauptmann wählen würden. Hier herrscht große Unentschlossenheit: Fast ein Drittel der Befragten (31 Prozent) machte keine Angabe.
Von denjenigen, die sich entschieden, würden 24 Prozent ihre Stimme Karoline Edtstadler geben. Ihre Stellvertreterin Marlene Svazek kommt auf 15 Prozent. Interessanterweise würden zehn Prozent der Befragten keinen der zur Auswahl stehenden Politiker wählen.
Bei der fiktiven Direktwahl der Landeshauptfrau würden nur 24 Prozent für Karoline Edtstadler stimmen, während 31 Prozent unentschlossen sind.
Stefan Schnöll erreicht in dieser Frage acht Prozent, während der designierte SPÖ-Chef Peter Eder auf vier Prozent kommt. Die übrigen Parteivorsitzenden folgen dahinter mit niedrigeren Werten.
Analyse: Ein Warnsignal für die Landeshauptfrau
Obwohl die Umfrageergebnisse für die Mitte-Rechts-Regierung auf den ersten Blick positiv erscheinen, gibt es einen deutlichen Warnhinweis für die Landeshauptfrau. Ihr persönlicher Wert in der Direktwahlfrage (24 Prozent) liegt markant unter dem Ergebnis ihrer Partei in der Sonntagsfrage.
Dieser Umstand ist bemerkenswert. Ihrem Vorgänger Wilfried Haslauer passierte dies nur ein einziges Mal – und zwar im letzten Jahr seiner Amtszeit, als bereits feststand, dass er die Führung abgeben würde. Dass dieser Wert nun bereits zu Beginn von Edtstadlers Amtszeit so niedrig ausfällt, könnte auf eine noch nicht vollständig gefestigte Position in der Bevölkerung hindeuten.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob es sich dabei um eine Momentaufnahme handelt oder ob sich hier ein Trend verfestigt. Für die ÖVP wird es entscheidend sein, die persönliche Popularität ihrer Landeshauptfrau an die Stärke der Partei anzugleichen, um langfristig erfolgreich zu bleiben.





