Die Stadt Salzburg plant eine Überprüfung des Baurechtsvertrags für die Jugendherberge in Nonntal. Ein Vertrag aus dem Jahr 1966 sichert der Jufa-Hotelgruppe derzeit die Nutzung eines rund 5800 Quadratmeter großen Grundstücks für eine jährliche Gebühr von nur 536,33 Euro. Angesichts der prominenten Lage und des heutigen Marktwerts steht diese Vereinbarung nun auf dem Prüfstand.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Baurechtsvertrag aus dem Jahr 1966 ist Gegenstand einer politischen Debatte in Salzburg.
- Die Jufa-Gruppe zahlt für ein 5800 m² großes Grundstück in Nonntal jährlich nur 536,33 Euro Baurechtszins.
- Die Stadtverwaltung beabsichtigt, den Vertrag neu zu verhandeln und den Zins anzuheben.
- Die Grüne Bürgerliste stellt die grundsätzliche Vereinbarung infrage und fordert eine grundlegende Neubewertung.
Ein Vertrag aus einer anderen Zeit
Im Stadtteil Nonntal, in der Josef-Preis-Allee, befindet sich das Jufa Hotel auf einem städtischen Grundstück. Die Grundlage für die Nutzung dieser wertvollen Fläche ist ein Baurechtsvertrag, der vor über einem halben Jahrhundert, im Jahr 1966, abgeschlossen wurde.
Solche Verträge wurden damals oft geschlossen, um soziale oder touristische Infrastruktur zu fördern. Die Konditionen spiegeln jedoch die wirtschaftlichen Verhältnisse der damaligen Zeit wider und stehen in starkem Kontrast zur heutigen Situation am Salzburger Immobilienmarkt.
Zahlen im Detail
Die Jufa-Gruppe zahlt für die Nutzung des ca. 5800 Quadratmeter großen Grundstücks einen jährlichen Baurechtszins von 536,33 Euro. Das entspricht umgerechnet etwa 9 Cent pro Quadratmeter und Jahr oder rund 45 Euro pro Monat für das gesamte Areal.
Das heutige Hotel, das als modernes Haus mit Vier-Sterne-Komfort beschrieben wird, profitiert von dieser historischen Vereinbarung. Dies hat nun eine politische Debatte über die Angemessenheit der Konditionen ausgelöst.
Politik fordert Neubewertung
Die Diskussion um den günstigen Baurechtszins hat die Stadtpolitik erreicht. Vertreter der Stadtverwaltung haben angekündigt, den Vertrag mit der Jufa-Gruppe neu verhandeln zu wollen. Ziel ist eine deutliche Anhebung des Zinses, um ihn an die aktuellen Marktbedingungen anzupassen.
Besonders kritisch äußert sich die Grüne Bürgerliste. Sie stellt nicht nur die Höhe des Zinses infrage, sondern den Vertrag als solchen. Es wird argumentiert, dass eine städtische Liegenschaft in einer derart guten Lage nicht dauerhaft zu solch günstigen Konditionen vergeben werden sollte, insbesondere wenn der Betreiber ein kommerzielles Hotel ist.
Was ist ein Baurechtsvertrag?
Ein Baurechtsvertrag, oft auch Erbbaurecht genannt, gibt einer Person oder einem Unternehmen das Recht, auf einem fremden Grundstück ein Bauwerk zu errichten oder zu nutzen. Der Grundeigentümer – in diesem Fall die Stadt Salzburg – bleibt Eigentümer des Bodens und erhält dafür einen regelmäßigen Zins, den sogenannten Baurechtszins. Diese Verträge haben oft sehr lange Laufzeiten von mehreren Jahrzehnten.
Die entscheidende Frage wird sein, welche rechtlichen Möglichkeiten die Stadt hat, eine Anpassung des seit Jahrzehnten laufenden Vertrags durchzusetzen. Die genauen Klauseln des Vertrags aus dem Jahr 1966 werden dabei eine zentrale Rolle spielen.
Die Zukunft des Standorts Nonntal
Die bevorstehenden Gespräche zwischen der Stadt Salzburg und der Jufa-Gruppe werden die zukünftige Nutzung des Areals maßgeblich bestimmen. Eine Anpassung des Baurechtszinses scheint unausweichlich, doch die Höhe ist noch völlig offen.
Die Debatte wirft ein Schlaglicht auf eine breitere Problematik: Viele Städte in Österreich verfügen über alte Verträge, deren Konditionen aus heutiger Sicht nicht mehr zeitgemäß sind. Die Neuverhandlung solcher Vereinbarungen ist oft ein komplexer Prozess, der sowohl rechtliche als auch politische Herausforderungen mit sich bringt.
Mögliche Szenarien
- Einvernehmliche Anpassung: Die Stadt und Jufa einigen sich auf einen neuen, höheren Baurechtszins, der die aktuellen Marktverhältnisse besser widerspiegelt.
- Rechtliche Prüfung: Sollte keine Einigung erzielt werden, könnten die rechtlichen Möglichkeiten zur einseitigen Anpassung oder Kündigung des Vertrags geprüft werden.
- Grundsatzdebatte: Die Diskussion könnte eine grundsätzliche Überprüfung aller städtischen Baurechtsverträge anstoßen, um deren Konditionen zu evaluieren.
Für die Stadt Salzburg geht es nicht nur um höhere Einnahmen, sondern auch um das Prinzip der fairen Nutzung von öffentlichem Eigentum. Die Ergebnisse der Verhandlungen werden daher mit großem Interesse erwartet und könnten als Vorbild für ähnliche Fälle in anderen Gemeinden dienen.





