Ein Eisläufer wurde am Freitagnachmittag nach einem schweren Sturz mitten auf dem Wallersee in Henndorf (Flachgau) per Hubschrauber gerettet. Die Eisdecke war für die Rettungskräfte am Boden zu instabil, um den Verletzten sicher zu erreichen. Dieser Vorfall unterstreicht die aktuellen Warnungen der Behörden vor dem Betreten nicht freigegebener Eisflächen.
Dramatischer Einsatz über dem Eis
Der Unfall ereignete sich in der Mitte des Sees, weit entfernt vom Ufer. Der Mann stürzte auf der Eisfläche so unglücklich, dass er sich nicht mehr selbst helfen konnte. Aufgrund seiner Position war ein schneller und sicherer Zugang für die alarmierten Bodenkräfte der Wasserrettung Wallersee unmöglich.
Die Einsatzleitung forderte daraufhin den Notarzthubschrauber Christophorus 6 aus Salzburg an. Die Besatzung des Hubschraubers entschied sich nach einer Lagebeurteilung aus der Luft für eine Taubergung. Dieses Verfahren wird eingesetzt, wenn eine Landung nicht möglich oder zu gefährlich ist.
Taubergung als einzige Option
Ein Flugretter wurde an einem Seil zum Verletzten herabgelassen. Er versorgte den Mann notdürftig und bereitete ihn für den Abtransport vor. Anschließend wurden beide gemeinsam per Seilwinde in den Hubschrauber gezogen. Die gesamte Operation erforderte höchste Präzision von der Hubschrauber-Crew, da die Stabilität der Eisdecke unvorhersehbar war.
Während des Lufteinsatzes sicherten die Mitglieder der Wasserrettung Wallersee einen Landeplatz am Ufer. Nach der erfolgreichen Bergung wurde der Patient dort dem Notarzt übergeben, weiter stabilisiert und anschließend in das Landeskrankenhaus Salzburg geflogen.
Hintergrund: Die Gefahr von Natureis
Natureisflächen auf Seen sind oft trügerisch. Die Dicke des Eises kann stark variieren, beeinflusst durch Strömungen, Sonneneinstrahlung und Zuflüsse. Selbst bei anhaltendem Frost gibt es keine Garantie für eine durchgehend tragfähige Eisdecke. Unebenheiten, Risse und dünne Stellen stellen eine erhebliche Gefahr dar.
Wasserrettung warnt eindringlich
Die Wasserrettung nahm diesen Vorfall zum Anlass, ihre Warnung an die Bevölkerung zu erneuern. Aktuell ist im gesamten Flachgau kein einziger See offiziell zum Betreten freigegeben. Das Betreten der Eisflächen geschieht auf eigene Gefahr und ist lebensgefährlich.
Es bestehen zwei Hauptgefahren: das Einbrechen in das eiskalte Wasser und schwere Verletzungen durch Stürze. Unebenes Eis, wie es auf Natureisflächen häufig vorkommt, kann zu Knochenbrüchen und Kopfverletzungen führen, wie der aktuelle Fall zeigt.
Wiederholte Einsätze in der Region
Erst zwei Tage zuvor, am Mittwoch, ereignete sich ein ähnlicher Vorfall am nahegelegenen Irrsee in Oberösterreich. Dort mussten zwei Frauen ebenfalls per Hubschrauber gerettet werden, nachdem sie beim Eislaufen im See eingebrochen waren. Diese Häufung von Notfällen zeigt, dass die Gefahr oft unterschätzt wird.
Wo ist das Eislaufen sicher?
Trotz der allgemeinen Warnungen gibt es im Bundesland Salzburg wenige, aber offiziell freigegebene Flächen, auf denen das Eislaufen sicher möglich ist. Diese Bereiche werden von den zuständigen Gemeinden regelmäßig kontrolliert und gewartet.
Experten prüfen hierbei die Eisdicke an mehreren Stellen, um die Tragfähigkeit zu gewährleisten. Nur wenn diese ausreichend ist, erfolgt eine offizielle Freigabe. Die Bevölkerung wird dringend gebeten, ausschließlich diese ausgewiesenen Flächen zu nutzen.
Offiziell freigegebene Eisflächen in Salzburg
Nach derzeitigem Stand sind nur zwei Natureisflächen im Bundesland für die Öffentlichkeit zugänglich:
- Ritzensee in Saalfelden: Der See wurde von der Stadtgemeinde Saalfelden vollständig für das Eislaufen und andere winterliche Aktivitäten freigegeben.
- Zeller See in Zell am See: Hier ist eine klar abgegrenzte Fläche von 1.800 Quadratmetern am nördlichen Ufer für das Betreten freigegeben. Es ist wichtig, sich strikt innerhalb dieses markierten Bereichs aufzuhalten.
"Wir appellieren an die Vernunft der Menschen. Das Risiko auf nicht freigegebenen Seen ist einfach zu hoch. Ein schöner Tag auf dem Eis darf nicht in einer Tragödie enden", so ein Sprecher der Einsatzkräfte.
Verhalten im Notfall
Sollte man Zeuge eines Eisunfalls werden, ist schnelles und richtiges Handeln entscheidend. Die wichtigste Regel lautet: Selbstschutz geht vor. Begeben Sie sich nicht selbst auf dünnes Eis, um zu helfen.
Stattdessen sollten folgende Schritte unternommen werden:
- Notruf absetzen: Wählen Sie sofort die Notrufnummer 144 (Rettung) oder 122 (Feuerwehr). Geben Sie den genauen Ort und die Art des Notfalls an.
- Eingebrochene Person beruhigen: Sprechen Sie mit der Person und fordern Sie sie auf, sich ruhig zu verhalten, um Energie zu sparen.
- Hilfsmittel reichen: Versuchen Sie vom sicheren Ufer aus, der Person einen Ast, einen Schal, ein Seil oder einen anderen langen Gegenstand zuzuwerfen oder zu reichen.
- Auf Rettungskräfte warten: Überlassen Sie die eigentliche Rettung aus dem Wasser den professionellen Einsatzkräften.
Die jüngsten Ereignisse am Wallersee und Irrsee sind eine ernste Mahnung. Die Verlockung spiegelglatter Eisflächen ist groß, doch die unsichtbare Gefahr darunter kann verheerende Folgen haben. Die Nutzung der wenigen sicheren und freigegebenen Alternativen ist der einzige Weg, das winterliche Vergnügen ohne Risiko zu genießen.





