Angesichts der eisigen Temperaturen in Salzburg schlägt die Caritas Alarm. Die aktuelle Kältewelle stellt für Menschen ohne festen Wohnsitz eine akute Lebensgefahr dar. Die Hilfsorganisation appelliert an die Bevölkerung, wachsam zu sein und verweist auf das Kältetelefon, das schnelle Hilfe für Betroffene organisiert.
Die Notschlafstellen in der Stadt sind stark ausgelastet, aber noch können alle Hilfesuchenden untergebracht werden. Streetworker sind im Dauereinsatz, um Menschen auf der Straße zu versorgen und sie vor dem Erfrierungstod zu schützen.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Caritas warnt vor lebensbedrohlichen Bedingungen für Obdachlose durch die aktuelle Kälte.
- Das Salzburger Kältetelefon ist eine zentrale Anlaufstelle für Bürger, um Hilfe zu rufen.
- Die Notschlafstellen der Stadt verzeichnen eine Auslastung von über 90 Prozent.
- Es wird dringend um Spenden, insbesondere Schlafsäcke, gebeten.
Hohe Auslastung in den Notschlafstellen
Die Kälte treibt immer mehr Menschen in die Notquartiere. Torsten Bichler, Bereichsleiter für Soziale Arbeit bei der Caritas Salzburg, bestätigt den hohen Andrang. „In der Notschlafstelle haben wir aktuell eine Auslastung von gut 90 Prozent. Da sind wir schon sehr voll“, erklärt er. Besonders hoch sei der Druck in den Einrichtungen für Österreicher und EU-Bürger, die dauerhaft in Salzburg leben.
Obwohl die Kapazitätsgrenze fast erreicht ist, betont die Caritas, dass niemand abgewiesen wird. Durch die gute Zusammenarbeit verschiedener Hilfsorganisationen könne für jede hilfesuchende Person eine Lösung gefunden werden. Nicola Baloch, Geschäftsführerin der VinziWerke Österreich, unterstreicht die Bedeutung dieser Vernetzung: „Wir sind sehr dankbar für die gute Vernetzung mit anderen Einrichtungen der Obdach- und Wohnungslosenhilfe, sodass wir gemeinsam für jede hilfesuchende Person eine Lösung finden können und niemand bei dieser Kälte zurück auf die Straße geschickt wird.“
Die Notschlafstellen der Caritas in Salzburg sind derzeit zu über 90 Prozent belegt, was den enormen Bedarf an sicheren und warmen Schlafplätzen verdeutlicht.
Die Rolle der Streetworker und des Kältetelefons
Eine zentrale Säule der Hilfe sind die mobilen Streetwork-Teams. Sie suchen aktiv Menschen auf, die trotz der Kälte im Freien übernachten. Allein am vergangenen Wochenende trafen die Mitarbeiter der Caritas zwischen zehn und fünfzehn Personen ohne festen Wohnsitz an. „Wir merken die Kälte bei den Personen an der körperlichen Verfassung“, so Bichler. Die Teams versorgen die Menschen mit dem Nötigsten wie warmen Getränken, Essen und Schlafsäcken.
Das Kältetelefon spielt hierbei eine entscheidende Rolle. Bürger, die eine obdachlose Person in Not sehen, können die Nummer anrufen. Daraufhin werden die Streetworker informiert und können gezielt Hilfe leisten. Die Caritas betont, dass ein Anruf Leben retten kann.
„Wenn es draußen bitterkalt ist, wird diese Kälte für Menschen ohne Zuhause zur tödlichen Gefahr. Schon Nächte mit starken Minusgraden können lebensbedrohlich sein. Niemand darf in Österreichs Winter auf der Straße erfrieren müssen.“
- Nora Tödtling-Musenbichler, Präsidentin der Caritas Österreich
Die Hilfsangebote gehen jedoch über eine reine Notversorgung hinaus. In Wärmestuben und Tageszentren finden Betroffene nicht nur eine warme Mahlzeit und einen Ort zum Aufwärmen, sondern auch psychosoziale und medizinische Erstversorgung.
Appell an die Bevölkerung: Hinsehen und Handeln
Die Caritas appelliert eindringlich an die Salzburger Bevölkerung, nicht wegzusehen. Die Organisation ruft zum „Hinsehen und Ansprechen“ auf. Ein einfaches Gespräch kann bereits klären, ob eine Person Hilfe benötigt oder annehmen möchte. Viele Menschen sind oft zu erschöpft oder resigniert, um selbst aktiv nach Unterstützung zu suchen.
Die Hilfsorganisation hat eine klare Handlungsanweisung für besorgte Bürger:
- Ansprechen: Fragen Sie die Person direkt, ob sie Hilfe benötigt oder möchte.
- Kältetelefon anrufen: Informieren Sie das Kältetelefon über den Standort und die Situation der Person. Die Nummer ist Tag und Nacht erreichbar.
- Rettung alarmieren: Wenn eine Person nicht ansprechbar ist oder sich in einem offensichtlichen medizinischen Notfall befindet, muss sofort die Rettung unter 144 gerufen werden.
So können Sie helfen
Neben aufmerksamen Anrufen beim Kältetelefon sind auch Sach- und Geldspenden entscheidend, um die Winternothilfe aufrechtzuerhalten. Aktuell werden vor allem hochwertige Schlafsäcke benötigt, um Menschen zu schützen, die trotz aller Bemühungen die Nacht im Freien verbringen. Geldspenden ermöglichen den Kauf von Lebensmitteln, Hygieneartikeln und die Finanzierung der Notquartiere.
Eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Die Versorgung von obdachlosen Menschen während Kälteperioden ist eine Herausforderung, die nur gemeinsam bewältigt werden kann. Die professionelle Arbeit von Organisationen wie der Caritas und den VinziWerken ist das Rückgrat der Hilfe. Doch sie sind auf die Unterstützung und Wachsamkeit der Zivilgesellschaft angewiesen.
Jeder Anruf beim Kältetelefon und jede Spende trägt dazu bei, das Sicherheitsnetz für die schwächsten Mitglieder der Gesellschaft enger zu knüpfen. Die aktuelle Wetterlage zeigt einmal mehr, wie fragil das Leben auf der Straße ist und wie wichtig schnelle, unbürokratische Hilfe sein kann, um Erfrierungen oder Schlimmeres zu verhindern.





