Die Weihnachtszeit, oft als Fest des Friedens und der Familie idealisiert, wird für viele Salzburgerinnen zu einer Zeit erhöhten Stresses und familiärer Konflikte. Beratungsstellen und Schutzunterkünfte verzeichnen bereits in der Adventzeit einen deutlichen Anstieg an Hilferufen von Frauen, die dem Druck und den Spannungen zu Hause entkommen wollen.
Die ARGE Schutzunterkünfte Salzburg, eine zentrale Anlaufstelle für betroffene Frauen, bestätigt diesen Trend. Während das öffentliche Leben zur Ruhe kommt, eskalieren hinter verschlossenen Türen oft lang schwelende Konflikte.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Zahl der Beratungsanfragen von Frauen in Not steigt in der Advent- und Weihnachtszeit in Salzburg deutlich an.
- Der gesellschaftliche Druck, ein perfektes Weihnachtsfest zu feiern, verstärkt bestehende familiäre Spannungen.
- Die ARGE Schutzunterkünfte garantiert, dass für jede hilfesuchende Frau ein Platz in einer Schutzwohnung zur Verfügung steht.
- Während die Schutzwohnungen ganzjährig stark von Frauen mit Migrationshintergrund genutzt werden, kommen die Anfragen rund um Weihnachten vermehrt von österreichischen Familien.
Der Druck der perfekten Feiertage
Das Bild einer harmonischen Familie unter dem Weihnachtsbaum ist allgegenwärtig. Doch für viele ist diese Vorstellung weit von der Realität entfernt. Der Versuch, diesem Ideal gerecht zu werden, erzeugt einen enormen Druck, der gerade in Familien mit bereits vorhandenen Problemen zu einer Eskalation führen kann.
„Die totale Nähe während der Feiertage führt oft zu Konflikten“, erklärt Gabriele Rechberger, die Leiterin der ARGE Schutzunterkünfte. Wenn Familien gezwungen sind, mehr Zeit als üblich auf engem Raum miteinander zu verbringen, können alltägliche Spannungen schnell überkochen. Finanzielle Sorgen, unerfüllte Erwartungen und alte Streitigkeiten kommen dann oft geballt an die Oberfläche.
Anstieg der Hilferufe bereits im Advent
Die Erfahrung der Beratungsstellen zeigt, dass die Belastung nicht erst an den Weihnachtstagen selbst beginnt. „Schon vor Weihnachten haben wir viele Beratungen“, so Rechberger. Die Vorbereitungszeit, die eigentlich besinnlich sein sollte, ist für viele Frauen von Stress und Angst geprägt. Die Sorge, dass die Situation eskalieren könnte, veranlasst viele, sich präventiv Hilfe zu suchen.
Dieser frühe Anstieg der Anfragen ermöglicht es den Beraterinnen, in manchen Fällen deeskalierend einzugreifen und gemeinsam mit den Frauen Strategien zu entwickeln, um die Feiertage sicherer zu gestalten. Doch oft ist die Flucht in eine Schutzunterkunft der einzige Ausweg.
Was ist die ARGE Schutzunterkünfte?
Die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Schutzunterkünfte ist ein Netzwerk, das in jedem Bezirk des Landes Salzburg Schutzwohnungen für Frauen und ihre Kinder betreibt, die von häuslicher Gewalt betroffen sind. Neben der sicheren Unterbringung bietet die Organisation auch ambulante Beratung, psychologische Unterstützung und Hilfe bei rechtlichen und finanziellen Fragen an.
Ein sicherer Hafen in der Not
Trotz der steigenden Nachfrage gibt Gabriele Rechberger eine klare Garantie ab. Ihre Botschaft an alle Frauen, die sich in einer bedrohlichen Situation befinden, ist eindeutig und soll Mut machen, den entscheidenden Schritt zu wagen.
„In unseren Wohnungen ist immer Platz.“
Diese Zusage ist von entscheidender Bedeutung, da die Angst, abgewiesen zu werden, für viele eine große Hürde darstellt. Die Gewissheit, dass ein sicherer Ort zur Verfügung steht, kann die notwendige Kraft geben, eine gewalttätige Umgebung zu verlassen. Die Schutzwohnungen bieten nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern auch einen Raum, in dem Frauen und ihre Kinder zur Ruhe kommen und professionelle Unterstützung erhalten können.
Unterschiedliche Hintergründe der Hilfesuchenden
Eine interessante Beobachtung der ARGE ist die demografische Verteilung der Hilfesuchenden. Während des Jahres sind es überwiegend Frauen aus migrantischen Familien, die in den Schutzwohnungen untergebracht sind. Sie kämpfen oft mit zusätzlichen Hürden wie Sprachbarrieren, fehlenden sozialen Netzwerken und kulturellen Konflikten.
Rund um die Weihnachtszeit ändert sich dieses Bild jedoch. „In den Beratungen zur Weihnachtszeit bekommen wir viele Anfragen von österreichischen Familien“, stellt Rechberger fest. Dies deutet darauf hin, dass die spezifischen Belastungen der Feiertage in allen gesellschaftlichen Schichten wirken und häusliche Gewalt kein Phänomen ist, das auf bestimmte Gruppen beschränkt ist.
Schutz in jedem Bezirk
Die dezentrale Struktur der ARGE Schutzunterkünfte stellt sicher, dass Frauen in allen Regionen Salzburgs schnell und unkompliziert Hilfe finden können. In jedem der sechs Salzburger Gaue (Flachgau, Tennengau, Pongau, Pinzgau, Lungau und die Stadt Salzburg) gibt es eine entsprechende Einrichtung.
Wege aus der Krise
Die Feiertage sollten eine Zeit der Freude sein, doch für zu viele werden sie zur Belastungsprobe. Die Arbeit von Organisationen wie der ARGE Schutzunterkünfte ist daher gerade in dieser Zeit unverzichtbar. Sie bieten nicht nur akute Hilfe, sondern arbeiten das ganze Jahr über daran, Frauen zu stärken und ihnen einen Weg in ein selbstbestimmtes, gewaltfreies Leben zu ermöglichen.
Es ist ein wichtiges gesellschaftliches Signal, dass niemand alleine gelassen wird. Die erhöhte Nachfrage nach Beratung zeigt, dass das Bewusstsein für die Problematik wächst und Frauen vermehrt den Mut finden, sich Hilfe zu holen. Die Botschaft ist klar: Schweigen schützt die Täter, Reden schützt die Opfer. Hilfe ist nur einen Anruf entfernt.





