In der Stadt Salzburg wurden an vier prominenten Litfaßsäulen sogenannte „Gewaltbarometer“ installiert. Diese Initiative, die im Rahmen der internationalen Kampagne „16 Tage gegen Gewalt“ stattfindet, soll die Öffentlichkeit dafür sensibilisieren, wo Gewalt beginnt und welche Hilfsangebote es gibt.
Die auffälligen Plakate visualisieren auf einer Skala von Grün bis Rot, welche Verhaltensweisen bereits als übergriffig oder gewalttätig einzustufen sind. Ziel der Aktion ist es, eine breite Diskussion anzustoßen und die Zivilgesellschaft zu ermutigen, genauer hinzusehen und Verantwortung zu übernehmen.
Das Wichtigste in Kürze
- Vier Standorte: In Salzburg wurden vier Litfaßsäulen mit „Gewaltbarometern“ ausgestattet, um maximale Sichtbarkeit zu gewährleisten.
- Teil einer Kampagne: Die Aktion ist Teil der „16 Tage gegen Gewalt“, einer globalen Initiative zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen.
- Mehrsprachiges Angebot: Die Informationen des Gewaltbarometers sind online in sieben Sprachen sowie in speziellen Versionen für Kinder und Jugendliche verfügbar.
- Klares Ziel: Die Initiative soll das Bewusstsein für die verschiedenen Formen von Gewalt schärfen und Betroffenen Wege zu Hilfseinrichtungen aufzeigen.
Ein sichtbares Signal im öffentlichen Raum
Wer in diesen Tagen durch Salzburg geht, wird sie kaum übersehen: die großflächigen Plakate auf vier Litfaßsäulen, die ein „Gewaltbarometer“ zeigen. Die Darstellung reicht von grünen Bereichen, die respektvolles Verhalten symbolisieren, bis hin zu tiefroten Zonen, die schwere körperliche oder psychische Gewalt darstellen. Dazwischen liegen gelbe und orangefarbene Abstufungen, die aufzeigen, dass Gewalt oft schleichend und im Kleinen beginnt – mit abfälligen Bemerkungen, Kontrolle oder sozialer Isolation.
Die Aktion wurde in Zusammenarbeit mit der Stadt Salzburg, Gewaltschutzeinrichtungen und der Progress Werbung umgesetzt. „Mit unseren Out of Home-Medien schaffen wir Sichtbarkeit für dieses wichtige Thema im öffentlichen Raum“, erklärte Dominik Sobota von Progress Werbung Salzburg. Er betonte, dass die Werbeflächen genutzt werden, um Aufmerksamkeit zu erzeugen und Gespräche anzustoßen, was ein aktiver Beitrag zur Gewaltprävention sei.
Hintergrund: 16 Tage gegen Gewalt
Die Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen und Mädchen“ ist eine internationale Aktion, die jährlich vom 25. November, dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen, bis zum 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte, stattfindet. Weltweit werden in diesem Zeitraum Aktionen gesetzt, um das Bewusstsein für geschlechtsspezifische Gewalt zu schärfen und ein Ende dieser Menschenrechtsverletzung zu fordern.
Appell an die gemeinsame Verantwortung
Die Initiatoren betonen, dass die Gewaltbarometer mehr als nur eine Informationstafel sind. Sie sollen als direkter Appell an die Gesellschaft verstanden werden, nicht wegzusehen. Stadträtin Andrea Brandner unterstrich die Bedeutung der Gemeinschaft bei der Gewaltprävention.
„Der Gewaltbarometer fordert uns als Gemeinschaft auf, Verantwortung zu übernehmen. Jede informierte Bürgerin und jeder informierte Bürger trägt dazu bei, dass Salzburg ein Ort wird, an dem Respekt und Miteinander selbstverständlich sind.“
Diese Haltung wird von den Gewaltschutzeinrichtungen geteilt. Isabel Bojanovsky vom „Gewaltschutzschirm“ machte deutlich, wie alltäglich das Problem ist. „Gewalt findet im Alltag statt, im Kleinen. Wir müssen darüber reden können, dürfen, sollen ohne Angst zu haben“, so Bojanovsky. Die riesigen Barometer im Stadtraum sollen genau diese Sichtbarkeit schaffen und Menschen im Vorbeigehen zum Nachdenken anregen.
Ein Werkzeug für alle Bevölkerungsgruppen
Um möglichst viele Menschen zu erreichen, wurde das Konzept des Gewaltbarometers breit aufgestellt. Die Inhalte sind nicht nur im Stadtraum präsent, sondern auch digital auf der Homepage der Stadt Salzburg abrufbar. Dort stehen die Informationen in sieben verschiedenen Sprachen zur Verfügung, um auch fremdsprachige Bürgerinnen und Bürger zu erreichen.
Besonderes Augenmerk wurde auf die Anpassung der Inhalte für verschiedene Zielgruppen gelegt. Es gibt spezielle Versionen des Gewaltbarometers für:
- Erwachsene
- Jugendliche
- Kinder
- Menschen in privaten Pflegesituationen
Diese Differenzierung ist entscheidend, da sich Gewalt in unterschiedlichen Lebensphasen und Kontexten verschieden äußert. Ein Kind erlebt und bewertet übergriffiges Verhalten anders als ein Erwachsener. Die angepassten Barometer helfen dabei, die jeweiligen Formen von Gewalt zu erkennen und zu benennen.
Wo finde ich Hilfe?
Die Gewaltbarometer informieren nicht nur, sondern verweisen auch auf konkrete Hilfsangebote. In Salzburg gibt es zahlreiche Anlaufstellen wie das Gewaltschutzzentrum, Frauenhäuser und Beratungsstellen, die Betroffenen anonym und kostenlos Unterstützung bieten. Die Kampagne soll die Hemmschwelle senken, diese Angebote in Anspruch zu nehmen.
Prävention als gesamtgesellschaftliche Aufgabe
Die Installation der Gewaltbarometer ist ein weiterer Baustein in den Bemühungen der Stadt Salzburg, Gewaltprävention nachhaltig zu verankern. Die Aktion macht deutlich, dass das Thema alle angeht und ein Kulturwandel notwendig ist, bei dem gewalttätiges Verhalten in keiner Form toleriert wird.
Die visuelle Darstellung im öffentlichen Raum soll dabei helfen, die oft unsichtbaren Grenzen von Gewalt sichtbar zu machen. Sie erinnert daran, dass Prävention bereits bei der Sprache beginnt und dass ein respektvolles Miteinander die Grundlage für eine sichere Gesellschaft ist. Die Botschaft ist klar: Hinschauen, ansprechen und handeln ist eine Verantwortung, die jeder Einzelne trägt.





