Die Salzburger Altstadt erlebte in der Vorweihnachtszeit einen Besucheransturm, der die Debatte um die städtische Tourismusstrategie neu entfacht. Trotz des Ziels, die Menschenmassen zu entzerren, führten Großveranstaltungen wie der Christkindlmarkt und das Ö3-Weihnachtswunder zu massivem Gedränge und werfen Fragen zur Wirksamkeit der aktuellen Politik auf.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Salzburger Altstadt war in der Vorweihnachtszeit stark überlaufen, was zu Kritik führte.
- Die Situation steht im Widerspruch zur im April vorgestellten Tourismusstrategie, die eine Entlastung des Zentrums vorsah.
- Die Kombination aus Christkindlmarkt und dem mit 300.000 Euro geförderten Ö3-Weihnachtswunder konzentrierte die Besucherströme.
- Es werden Forderungen laut, Tourismusgelder gezielter in Stadtteile außerhalb des Zentrums zu investieren, um diese zu beleben.
Ein Advent an der Belastungsgrenze
Wer in den Tagen vor Weihnachten die Salzburger Altstadt besuchte, erlebte ein bekanntes Bild: Dichtes Gedränge in der Getreidegasse, lange Schlangen an den Ständen des Christkindlmarktes und kaum ein Durchkommen auf den Plätzen. Die festliche Stimmung wurde für viele Besucher und Einheimische durch die schiere Masse an Menschen getrübt.
Besonders die Kombination aus dem traditionellen Christkindlmarkt am Dom- und Residenzplatz und dem Ö3-Weihnachtswunder, das ebenfalls im Herzen der Altstadt stattfand, sorgte für eine extreme Konzentration der Besucherströme. Anstatt einer besinnlichen Atmosphäre herrschte oft eine Hektik, die viele als unangenehm empfanden.
Zwei Magneten an einem Ort
Der Salzburger Christkindlmarkt ist einer der ältesten und berühmtesten Weihnachtsmärkte der Welt und zieht jährlich Hunderttausende an. Das Ö3-Weihnachtswunder, eine mehrtägige Spendenaktion des Radiosenders Ö3, hat sich ebenfalls zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Die gleichzeitige Durchführung beider Großveranstaltungen an zentralen, nahegelegenen Orten führte zu einer vorhersehbaren Verdichtung der Menschenmassen.
Strategie und Realität klaffen auseinander
Die aktuelle Situation steht in starkem Kontrast zu den Zielen, die sich die Stadtpolitik selbst gesetzt hat. Ende April dieses Jahres präsentierte Bürgermeister Bernhard Auinger eine neue Tourismusstrategie für die Stadt Salzburg. Ein zentrales Versprechen war es, den Besucherdruck gezielt aus der Altstadt zu nehmen und für eine bessere Verteilung der Gäste zu sorgen.
Man wolle mit gezielten Angeboten eine Entzerrung erreichen und so die Lebensqualität für Anwohner erhöhen sowie das Erlebnis für Touristen verbessern. Die Bilder aus dem diesjährigen Advent zeichnen jedoch ein anderes Bild und lassen Zweifel an der Umsetzung dieser Strategie aufkommen.
„Mit gezielten Angeboten wolle man den Besucherdruck aus der Altstadt nehmen“, lautete das Versprechen von Bürgermeister Bernhard Auinger bei der Präsentation der neuen Tourismusstrategie im April.
Ein teures Wunder mit Nebenwirkungen
Im Zentrum der Kritik steht insbesondere die Förderung des Ö3-Weihnachtswunders. Die Veranstaltung wurde von Stadt und Land Salzburg mit insgesamt 300.000 Euro unterstützt. Während der karitative Zweck der Aktion unbestritten ist, argumentieren Kritiker, dass die Platzierung und Förderung eines solchen Events dem Ziel der Entzerrung direkt entgegenwirkt.
Anstatt Besucher in andere Teile der Stadt zu lenken, schuf man einen weiteren Anziehungspunkt im bereits hochfrequentierten Zentrum. Dies führte zu einer Verstärkung des Problems, anstatt zu dessen Lösung beizutragen.
Faktencheck: Öffentliche Förderung
- Veranstaltung: Ö3-Weihnachtswunder
- Standort: Salzburger Altstadt
- Öffentliche Förderung: 300.000 Euro von Stadt und Land Salzburg
- Kritikpunkt: Konzentration der Besucherströme im Zentrum, entgegen der erklärten Tourismusstrategie.
Der Ruf nach einer Neuausrichtung
Angesichts der Erfahrungen werden nun Stimmen lauter, die eine grundlegende Neuausrichtung der Tourismusförderung fordern. Anstatt große Summen in Events zu investieren, die die Altstadt weiter belasten, sollten die Mittel gezielt zur Stärkung anderer Stadtteile eingesetzt werden. Stadtteile wie Lehen, Schallmoos, Nonntal oder die Elisabethvorstadt könnten von solchen Investitionen erheblich profitieren.
Gezielt geförderte Veranstaltungen in diesen Gebieten könnten neue Besucher anziehen und die lokale Wirtschaft beleben. Dies würde nicht nur zu einer dringend benötigten Entlastung der Altstadt führen, sondern auch die Vielfalt des städtischen Lebens für Touristen und Einheimische gleichermaßen sichtbarer machen.
Eine solche Umverteilung der Tourismuswerbegelder wäre ein konkreter Schritt, um die Ziele der eigenen Strategie ernst zu nehmen und Salzburg als lebenswerte Stadt für alle zu erhalten, anstatt nur das historische Zentrum zu vermarkten.
Die Debatte über die Zukunft des Salzburger Tourismus hat durch den jüngsten Advent-Ansturm neue Dringlichkeit erhalten. Es bleibt abzuwarten, ob die politischen Entscheidungsträger die Kritik als Anstoß für eine Kurskorrektur nutzen werden.





