In der Debatte um die zukünftige Verkehrsgestaltung in Salzburg bringt der Baugeologe Heinrich Winkler einen alternativen Plan ins Spiel: eine Ring-U-Bahn um die Innenstadt. Das Konzept, das er bereits vor Jahren entwickelt hat, soll eine Lösung nach dem Aus des S-Link-Projekts bieten und sorgt nun für neue Diskussionen.
Winkler kritisiert, dass sein Vorschlag im Entwurf zum neuen Räumlichen Entwicklungskonzept (REK) der Stadt keine Berücksichtigung fand, obwohl er ihn den Behörden bereits 2019 vorgelegt hatte. Die Stadtverwaltung weist die damit verbundenen Vorwürfe jedoch zurück.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Baugeologe schlägt eine Ring-U-Bahn als Verkehrslösung für Salzburg vor.
- Das Konzept wird als Alternative zum gescheiterten S-Link-Projekt positioniert.
- Der Planer wirft der Stadt vor, seinen Vorschlag im Entwicklungskonzept ignoriert zu haben.
- Die zuständige Stadträtin weist die Kritik an der Rechtmäßigkeit des Planungsverfahrens zurück.
Eine Alternative zum gescheiterten S-Link
Nachdem die Pläne für den S-Link, eine unterirdische Verlängerung der Lokalbahn von Nord nach Süd, gescheitert sind, ist die Suche nach tragfähigen Verkehrskonzepten für die Landeshauptstadt wieder voll entbrannt. In diese Lücke stößt nun der Vorschlag von Heinrich Winkler aus Thalgau. Anstelle einer geradlinigen Nord-Süd-Achse favorisiert er ein zirkuläres System.
Sein Konzept sieht eine U-Bahn-Linie vor, die ringförmig um das Stadtzentrum verläuft. Diese Streckenführung soll wichtige Knotenpunkte miteinander verbinden und den Umstieg zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln erleichtern, ohne den historischen Kern direkt zu unterqueren. Der Fokus liegt darauf, Verkehrsströme um das Zentrum herumzuleiten, anstatt sie hindurchzuführen.
Die Vision des Geologen Heinrich Winkler
Heinrich Winkler ist kein Unbekannter auf seinem Gebiet. Nach eigenen Angaben war er 38 Jahre lang als Gerichtssachverständiger für Baugeologie tätig und bringt somit eine erhebliche Fachexpertise mit. Sein Engagement für die Ring-U-Bahn ist das Ergebnis langjähriger Analysen der geologischen Gegebenheiten und verkehrstechnischen Herausforderungen in Salzburg.
Er argumentiert, dass eine Ringlösung nicht nur verkehrstechnisch effizienter, sondern auch bautechnisch und finanziell vorteilhafter sein könnte als die bisher diskutierten Tunnelprojekte durch den Mönchsberg. Die Idee basiert auf der Vernetzung bestehender und neuer Mobilitätspunkte am Rande der Innenstadt.
Hintergrund: Das Räumliche Entwicklungskonzept (REK)
Das REK ist ein zentrales Planungsinstrument der Stadt Salzburg. Es legt die langfristigen Ziele für die städtische Entwicklung in Bereichen wie Wohnen, Wirtschaft, Grünflächen und Verkehr fest. Aktuell wird an einer Neufassung gearbeitet, die die Weichen für die nächsten Jahrzehnte stellen soll. In diesem Prozess werden verschiedene Konzepte und Vorschläge bewertet.
Kritik an der Stadtplanung
Der Kern von Winklers aktueller Kritik richtet sich direkt an die Stadtverwaltung. Er behauptet, sein detailliert ausgearbeitetes Konzept bereits im Frühjahr 2019 offiziell bei der Stadt eingereicht zu haben. Dennoch finde sich sein Vorschlag im aktuellen Entwurf des Räumlichen Entwicklungskonzepts (REK) nicht wieder.
„Es ist unverständlich, warum ein fundierter Alternativvorschlag, der seit Jahren auf dem Tisch liegt, in einem so wichtigen Planungsprozess einfach ignoriert wird“, so die sinngemäße Kritik des Geologen.
Winkler geht sogar so weit zu argumentieren, dass das REK durch diese Nichtberücksichtigung einen rechtlichen Mangel aufweise. Seiner Ansicht nach hätten alle ernsthaften Alternativen geprüft und bewertet werden müssen, um eine transparente und nachvollziehbare Entscheidungsgrundlage zu schaffen.
Die Argumente für eine Ringlösung
Winkler und Befürworter ähnlicher Konzepte sehen mehrere Vorteile in einem Ringsystem:
- Entlastung der Innenstadt: Der Verkehr wird um das Zentrum herumgeführt.
- Bessere Erreichbarkeit: Wichtige Stadtteile und Umsteigepunkte werden direkt miteinander verbunden.
- Flexibilität: Ein Ringsystem kann modular erweitert werden.
- Geringere Eingriffe: Potenziell weniger komplexe und teure Tunnelbauten durch das Zentrum.
Diese Punkte sollen eine nachhaltige Lösung für die chronischen Verkehrsprobleme der Stadt bieten, die Pendlern und Anwohnern gleichermaßen zugutekommt.
Die Diskussion über eine unterirdische Verkehrsführung in Salzburg ist nicht neu. Seit Jahrzehnten werden verschiedene Varianten einer U-Bahn oder einer unterirdischen Verlängerung der Lokalbahn diskutiert. Das S-Link-Projekt war der bisher konkreteste Versuch, eine solche Lösung umzusetzen, scheiterte jedoch an politischen und finanziellen Hürden.
Stadt weist Vorwürfe zurück
Die für die Stadtplanung zuständige Stadträtin Anna Schiester (Grüne Bürgerliste) hat die Vorwürfe von Heinrich Winkler entschieden zurückgewiesen. Aus Sicht der Stadtplanung sei das Verfahren zur Erstellung des REK korrekt abgelaufen. Man könne nicht jeden einzelnen Vorschlag im Detail im Konzept abbilden.
Die Verwaltung argumentiert, dass im Rahmen der REK-Planung übergeordnete Strategien und Leitlinien festgelegt werden. Detaillierte Projektprüfungen für spezifische Infrastrukturmaßnahmen wie eine U-Bahn würden in nachgelagerten Verfahren stattfinden. Der Vorwurf eines rechtlichen Mangels wird daher als unbegründet angesehen.
Die Debatte zeigt jedoch, wie tief die Gräben in der Salzburger Verkehrspolitik sind. Während die einen auf bewährte, aber gescheiterte Konzepte blicken, fordern andere wie Winkler ein radikales Umdenken und die ernsthafte Prüfung von innovativen Alternativen. Die Zukunft der Mobilität in Salzburg bleibt damit weiterhin eines der spannendsten und umstrittensten Themen der Stadtpolitik.





