Eine besondere Architekturführung durch den Salzburger Stadtteil Maxglan lenkte kürzlich den Blick auf das oft übersehene Erbe des Architekten Gerhard Garstenauer. Die Veranstaltung, Teil der Ausstellung „Garstenauer Einhundert“, bot seltene Einblicke in prägende Wohn- und Industriebauten, die das Gesicht des Viertels bis heute formen. Teilnehmer erkundeten bekannte und weniger bekannte Bauwerke, von der ÖFAG-Wohnsiedlung bis zur historischen Bleckmann-Halle.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Architekturführung der Initiative Architektur beleuchtete das Werk von Gerhard Garstenauer in Salzburg-Maxglan.
- Die Tour war Teil der Ausstellung „Garstenauer Einhundert“, die noch bis Februar 2026 im Architekturhaus Salzburg läuft.
- Experten wie die Architekturhistorikerinnen Jana Prinz und Birgit Silberbauer leiteten die Erkundung.
- Ein besonderer Gast war Architekt Volkmar Burgstaller, ein ehemaliger Mitarbeiter Garstenauers, der persönliche Einblicke gab.
Ein architektonischer Spaziergang durch Maxglan
Der Stadtteil Maxglan ist vielen Salzburgern als Wohn- und Gewerbegebiet bekannt. Doch hinter den Fassaden verbirgt sich eine reiche architektonische Geschichte, die maßgeblich von Gerhard Garstenauer geprägt wurde. Eine von der Initiative Architektur organisierte Führung machte es sich zur Aufgabe, dieses Erbe sichtbar zu machen. An einem Nachmittag versammelten sich Architekturinteressierte, um unter fachkundiger Leitung die Bauten zu erkunden, die oft im Alltag übersehen werden.
Die Tour startete bei der ÖFAG-Wohnsiedlung in der Siegfried-Marcus-Straße. Diese Siedlung ist ein typisches Beispiel für den sozialen Wohnbau der Nachkriegszeit, der Funktionalität mit menschlichen Bedürfnissen verbinden wollte. Die klaren Linien und die durchdachte Anordnung der Gebäude zeigen Garstenauers Handschrift, die stets auf Lebensqualität und Gemeinschaft ausgerichtet war.
Wer war Gerhard Garstenauer?
Gerhard Garstenauer (1925–2016) war einer der prägendsten Architekten der österreichischen Nachkriegsmoderne. Obwohl er vor allem für seine visionären Bauten in Bad Gastein bekannt ist, wie das Felsenbad oder das Kongresshaus, hinterließ er auch in der Stadt Salzburg bedeutende Spuren. Sein Werk zeichnet sich durch eine Mischung aus Brutalismus und organischen Formen aus, wobei er oft mit Sichtbeton und kühnen Strukturen arbeitete.
Von der Industrie zum Wohnen
Ein weiterer Höhepunkt der Führung war der ehemalige Firmensitz der ÖFAG (Österreichische Fahrzeugbau Gesellschaft). Dieses Gebäude repräsentiert eine andere Facette von Garstenauers Schaffen: den Industriebau. Hier stand nicht das Wohnen, sondern die Funktionalität für Arbeitsprozesse im Vordergrund. Dennoch ist auch hier der gestalterische Anspruch des Architekten unverkennbar.
Die Architekturhistorikerinnen Jana Prinz und Birgit Silberbauer lieferten den Teilnehmern fundierte Erklärungen zu den historischen und stilistischen Kontexten der Bauten. Sie erläuterten, wie Garstenauer die Prinzipien der Moderne auf die spezifischen Anforderungen von Wohn- und Gewerbebauten anwandte und dabei stets die Umgebung berücksichtigte.
Einblicke aus erster Hand
Eine besondere Bereicherung für die Veranstaltung war die Anwesenheit von Architekt Volkmar Burgstaller. Als ehemaliger Mitarbeiter im Büro Garstenauer von 1973 bis 1981 konnte er persönliche Anekdoten und fachliche Details teilen, die in keinem Lehrbuch zu finden sind. Seine Erzählungen brachten die Person Garstenauer und seine Arbeitsweise zum Leben.
„Garstenauer war ein Architekt, der immer über den Tellerrand blickte. Es ging ihm nicht nur um das Gebäude an sich, sondern darum, wie es von den Menschen genutzt wird und wie es sich in die Stadt einfügt“, erinnerte sich Burgstaller während der Führung.
Diese persönlichen Einblicke ermöglichten ein tieferes Verständnis für die Philosophie hinter den Betonfassaden und kühnen Formen. Die Teilnehmer erfuhren, welche Diskussionen im Planungsbüro geführt wurden und welche Visionen Garstenauer für die Entwicklung der Stadt hatte.
Die Bleckmann-Halle als Zeugnis der Industriegeschichte
Den Abschluss der Tour bildete die Besichtigung der Bleckmann-Halle, ein beeindruckendes Beispiel für die Industriearchitektur der damaligen Zeit. Solche Zweckbauten werden oft rein funktional betrachtet, doch Garstenauer verlieh auch ihnen eine ästhetische Qualität. Die Struktur und Materialität der Halle zeugen von einer Zeit des wirtschaftlichen Aufbruchs und der industriellen Entwicklung in Salzburg.
Die Führung machte deutlich, dass Architektur mehr ist als nur die Gestaltung von Gebäuden. Sie ist ein Spiegel der Gesellschaft, ihrer Bedürfnisse und ihrer technologischen Möglichkeiten. Garstenauers Bauten in Maxglan erzählen die Geschichte einer Epoche, die Salzburg nachhaltig verändert hat.
Ausstellung „Garstenauer Einhundert“
Für alle, die tiefer in das Werk des Architekten eintauchen möchten, läuft derzeit eine umfassende Ausstellung im Architekturhaus Salzburg.
- Ort: Architekturhaus Salzburg, Sinnhubstraße 3, 5020 Salzburg
- Dauer: 17. Oktober 2025 – 20. Februar 2026
- Öffnungszeiten: Dienstag – Freitag, 12:00 – 17:00 Uhr
- Hinweis: Vom 20. Dezember 2025 bis 12. Jänner 2026 geschlossen.
- Eintritt: Frei
Ein Beitrag zur Architekturvermittlung
Die Veranstaltung ist das Ergebnis einer Kooperation zwischen dem Salzburg Museum, der Initiative Architektur und Gastein74. Ziel ist es, das Bewusstsein für die architektonische Qualität im städtischen Raum zu schärfen und das Werk bedeutender lokaler Architekten einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Solche Initiativen sind wichtig, da viele Bauten der Nachkriegsmoderne heute von Umbau oder Abriss bedroht sind. Oft wird ihr architektonischer Wert nicht erkannt, und sie müssen moderneren, aber nicht immer besseren Projekten weichen. Durch die Vermittlungsarbeit von Organisationen wie der Initiative Architektur wird ein wichtiger Beitrag zum Schutz des baukulturellen Erbes geleistet.
Die positive Resonanz auf die Führung durch Maxglan zeigt, dass ein großes Interesse an der gebauten Geschichte der Stadt besteht. Es ist die Geschichte, die uns täglich umgibt, die wir aber oft erst durch solche gezielten Erkundungen wirklich wahrnehmen.





