Salzburg wird ab Jahresbeginn als erstes Bundesland in Österreich ein vollständig digitales Impfsystem für Kinder einführen. Die bisherigen Impfgutscheine aus Papier werden damit abgeschafft, was den Prozess für Eltern, Ärzte und Behörden erheblich vereinfachen soll. Alle Impfungen werden zukünftig direkt auf der E-Card des Kindes gespeichert.
Das Wichtigste in Kürze
- Ab 1. Jänner ersetzt ein digitales System die bisherigen Papier-Impf-Gutscheine in Salzburg.
- Impfungen werden direkt auf der E-Card der Kinder erfasst und gespeichert.
- Der administrative Aufwand für Ärzte und die Landessanitätsdirektion wird stark reduziert.
- Die Sicherheit der Impfstoffe erhöht sich, da die Kühlkette nicht mehr unterbrochen wird.
Das Ende der Zettelwirtschaft
Seit fast 30 Jahren bieten Bund, Land und Sozialversicherungen in Salzburg ein kostenfreies Impfprogramm für Kinder an. Bisher basierte dieses System auf Papiergutscheinen, die Eltern nach der Geburt ihres Kindes erhielten.
Dieses Vorgehen führte zu einem erheblichen bürokratischen Aufwand. Ärzte, Eltern und die Gesundheitsbehörden waren mit einer großen Menge an Papierdokumenten konfrontiert, was den Prozess kompliziert und fehleranfällig machte.
Ein System am Limit
Dr. Holger Förster, Sprecher der Salzburger Kinderärzte und Impfreferent der Ärztekammer, beschreibt die bisherige Situation als sehr belastend. „Wir hatten bis jetzt mit dem System über die Gutscheine einen enormen administrativen Aufwand“, erklärt er. Der Gutschein musste von den Eltern besorgt, zum Arzt mitgebracht, dort ausgefüllt, mit Chargennummern versehen und schließlich zur Abrechnung an die Landessanitätsdirektion geschickt werden.
„Oft wurde der Gutschein vergessen, danach ausgefüllt, mit Chargennummern versehen, zum Schluss sortiert an die Landessanitätsdirektion übergeben, um dann auch die Abrechnung machen zu können.“ - Dr. Holger Förster, Sprecher der Salzburger Kinderärzte
Auch die Landessanitätsdirektorin Dr. Petra Gruber-Juhasz bestätigt den hohen Aufwand. „Im Moment ist das wirklich eine Zettelwirtschaft, man muss es einfach so bezeichnen“, so Gruber-Juhasz. Das Zählen, Sammeln und Ordnen der Gutscheinabschnitte band erhebliche personelle Ressourcen.
Wie das neue digitale System funktioniert
Mit der Einführung des digitalen Impfpasses wird der gesamte Prozess modernisiert und vereinfacht. Anstatt Papiergutscheine zu verwalten, werden alle relevanten Impfdaten direkt auf der E-Card des Kindes gespeichert.
Für Eltern bedeutet dies eine große Erleichterung. Sie müssen keine Gutscheine mehr organisieren oder daran denken, sie zum Arzttermin mitzubringen. Der Impfstatus ihres Kindes ist jederzeit digital und sicher abrufbar.
Vom Gutschein zur E-Card
Die Umstellung ist ein bedeutender Schritt in der Digitalisierung des Gesundheitswesens. Salzburg übernimmt hier eine Vorreiterrolle in Österreich. Das Ziel ist es, administrative Hürden abzubauen und die Effizienz im öffentlichen Gesundheitssystem zu steigern.
Für die Arztpraxen entfällt die aufwendige Verwaltung der Papiergutscheine. Die Abrechnung mit den Sozialversicherungsträgern erfolgt ebenfalls elektronisch, was den Prozess beschleunigt und die Fehlerquote senkt.
Mehr Sicherheit bei Impfstoffen
Ein weiterer entscheidender Vorteil des neuen Systems ist die erhöhte Sicherheit der Impfstoffe. Bisher mussten Eltern den Impfstoff oft selbst in einer Apotheke abholen und zum Arzt bringen. Dabei bestand die Gefahr, dass die empfindliche Kühlkette unterbrochen wird.
Die Bedeutung der Kühlkette
Viele Impfstoffe müssen konstant bei Temperaturen zwischen 2 und 8 Grad Celsius gelagert werden. Eine Unterbrechung der Kühlkette, selbst für kurze Zeit, kann die Wirksamkeit des Impfstoffs beeinträchtigen oder ihn unbrauchbar machen.
Durch die Umstellung werden die Impfstoffe direkt in den Arztpraxen gelagert. Dies stellt sicher, dass sie bis zur Verabreichung fachgerecht gekühlt werden.
Mag. pharm. Margarete Olesko, Präsidentin der Apothekerkammer, begrüßt diese Änderung. Sie betont, dass die Lagerung bei den Ärzten die Sicherheit deutlich erhöht. „Immerhin könne man nie wissen, was mit den Impfstoffen passiert, bevor sie beim Arzt ankommen“, gibt sie zu bedenken. Die durchgehende professionelle Lagerung schließt dieses Risiko nun aus.
Salzburg als Vorreiter in der Gesundheitsversorgung
Mit der Einführung des digitalen Kinderimpfpasses positioniert sich Salzburg als Pionier in der Modernisierung der Gesundheitsverwaltung. Das Projekt dient als Modell für andere Bundesländer, die ähnliche Systeme in Zukunft einführen könnten.
Die Umstellung ist Teil einer breiteren Strategie zur Digitalisierung des Gesundheitswesens, die darauf abzielt, Abläufe effizienter zu gestalten und die Versorgungsqualität für die Bürger zu verbessern.
Änderungen auch bei der Impfstelle
Im Zuge der Neuorganisation wird auch die Impfstelle des Landes verlegt. Ab dem 1. Jänner befindet sie sich nicht mehr im Airportcenter, sondern zieht in die Räumlichkeiten der Landessanitätsdirektion in der Sebastian-Stief-Gasse um. Damit werden die Dienstleistungen an einem zentralen Ort gebündelt.
Die Digitalisierung des Impfwesens ist ein wichtiger Schritt, um das seit Jahrzehnten bewährte kostenfreie Impfprogramm für Kinder in Salzburg fit für die Zukunft zu machen und den Schutz der Jüngsten in der Gesellschaft weiter zu stärken.





