Die Stadt Salzburg und die Gemeinde Wals-Siezenheim haben beschlossen, die Hermann-Gmeiner-Straße umzubenennen. Grund dafür sind schwere Missbrauchsvorwürfe gegen den 1986 verstorbenen Gründer des SOS-Kinderdorfes. Anrainer sollen in den kommenden Tagen über die weiteren Schritte informiert werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Hermann-Gmeiner-Straße zwischen Salzburg und Wals-Siezenheim wird umbenannt.
- Hintergrund sind Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs gegen Hermann Gmeiner.
- Die Straße soll nach einer Frau benannt werden; eine Namensliste aus 2013 wird geprüft.
- Die Gemeinde Seekirchen wartet mit einer Entscheidung über ihre Hermann-Gmeiner-Straße noch ab.
Gemeinsame Entscheidung nach schweren Vorwürfen
Die Entscheidung zur Umbenennung der Straße, die sich über das Gebiet der Stadt Salzburg und der angrenzenden Gemeinde Wals-Siezenheim (Flachgau) erstreckt, fiel nach Bekanntwerden schwerwiegender Anschuldigungen. Hermann Gmeiner, der Gründer der international bekannten SOS-Kinderdörfer, steht im Verdacht, mindestens acht minderjährige Jungen sexuell missbraucht zu haben.
Die Bürgermeister beider Gemeinden reagierten umgehend auf die Enthüllungen. Sie beauftragten das Salzburger Stadtarchiv mit der Suche nach einem neuen, unbelasteten Namen für die Straße. Damit soll ein klares Zeichen der Distanzierung von den Taten gesetzt werden, die Gmeiner vorgeworfen werden.
Wer war Hermann Gmeiner?
Hermann Gmeiner (1919–1986) war ein österreichischer Sozialpädagoge und Gründer der SOS-Kinderdörfer. Seine Idee, verwaisten und verlassenen Kindern ein neues Zuhause in einer familienähnlichen Struktur zu geben, fand weltweit Anerkennung. Die Organisation ist heute in 137 Ländern aktiv. Die aktuellen Vorwürfe werfen jedoch einen dunklen Schatten auf sein Lebenswerk.
Eine Frau soll die neue Namensgeberin werden
Die Suche nach einem passenden Namen wird von der Historikerin Sabine Veits-Falk vom Salzburger Stadtarchiv geleitet. Sie bestätigte, dass es einen schnellen Konsens zwischen den beiden Gemeinden gab, dass eine Umbenennung unumgänglich sei.
„Es gab sehr schnell den Beschluss von beiden Seiten, dass man eine Umbenennung andenken muss“, erklärte Veits-Falk. Es besteht bereits eine Übereinkunft, dass die Straße zukünftig den Namen einer Frau tragen soll. Dies soll auch dazu beitragen, die Präsenz von Frauen im öffentlichen Raum zu stärken.
Für die Namensfindung wird auf eine Liste mit Vorschlägen aus dem Jahr 2013 zurückgegriffen. Diese Liste wird nun erneut geprüft und möglicherweise ergänzt, um eine geeignete Persönlichkeit zu finden. Die Anwohner der betroffenen Straße sollen zeitnah über den Prozess und die nächsten Schritte informiert werden.
Fakten zur Namensgebung
- Verantwortung: Das Salzburger Stadtarchiv koordiniert die Suche.
- Kriterium: Die neue Namensgeberin muss eine Frau sein.
- Grundlage: Eine Vorschlagsliste aus dem Jahr 2013 dient als Basis.
Seekirchen wählt einen anderen Weg
Während in Salzburg und Wals die Entscheidung bereits gefallen ist, zeigt sich in Seekirchen am Wallersee (Flachgau) ein anderes Bild. Auch hier gibt es eine Hermann-Gmeiner-Straße sowie einen nach ihm benannten Kindergarten. Die Gemeinde verfolgt jedoch einen abwartenden Ansatz.
Der Seekirchener Bürgermeister Konrad Pieringer (ÖVP) teilte mit, dass man zunächst die Ergebnisse der laufenden Ermittlungen abwarten wolle. Erst auf Basis gesicherter Erkenntnisse soll über eine mögliche Umbenennung der Straße und des Kindergartens entschieden werden. Man wolle keine voreiligen Schlüsse ziehen.
„Wir wollen zunächst das Ergebnis der Ermittlungen abwarten. Erst danach werden wir über eine Umbenennung der Straße und des Kindergartens entscheiden.“
Aufarbeitung im Gange
Die Vorwürfe gegen Hermann Gmeiner sind Teil einer breiteren Aufarbeitung von Missbrauchsfällen innerhalb der SOS-Kinderdörfer. Eine eigens eingerichtete Reformkommission untersucht die Anschuldigungen systematisch. Ihr Ziel ist es, die Vorfälle aufzuklären und Strukturen zu schaffen, die zukünftigen Missbrauch verhindern.
Unabhängig von den Vorwürfen gegen den Gründer wird auch ein mutmaßlicher Missbrauchsfall durch einen ehemaligen Mitarbeiter des SOS-Kinderdorfes in Seekirchen genau untersucht. Dieser Fall verdeutlicht die Notwendigkeit einer umfassenden und transparenten Aufklärung, um das Vertrauen wiederherzustellen und den betroffenen Personen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.





